Das Handy war in der Oetwiler Gemeindescheune das wichtigste Arbeitsgerät. Immer wieder wurden die aktuellen Hochrechnungen studiert. Besonders jene zur Masseneinwanderungsinitiative interessierten die Besucher des gestrigen Wahlapéros. Angeregt diskutierten sie über die neusten Entwicklungen und die mögliche Umsetzung der Initiative.

Der von der SVP lancierte Vorstoss war denn auch einer der Gründe dafür, dass das Warten auf die kommunalen Wahlergebnisse kein Ende zu nehmen schien. Weil die Stimmbeteiligung wegen der nationalen Vorlage auch in Oetwil mit über 60 Prozent besonders hoch war und da angesichts des knappen Ausgangs der Gemeinderatswahlen nochmals gezählt werden musste, dauerte es fast eindreiviertel Stunden, ehe Gemeindeschreiber Pierluigi Chiodini die Resultate bekannt geben konnte.

Deutliches Votum für Paul Studer

Erfreulich waren sie in erster Linie für Paul Studer (FDP). Er wurde mit 580 Stimmen nicht nur mit dem besten Resultat in den Gemeinderat gewählt, sondern auch im Amt des Gemeindepräsidenten bestätigt. Er erhielt 436 Stimmen. Seine beiden Herausforderer, Walter Bühler (SVP) und Urs Landis (parteilos), konnten 194 respektive 119 Stimmen auf sich vereinen. Das absolute Mehr lag bei 392 Stimmen.

Während Bühler komfortabel als Gemeinderat wiedergewählt wurde, hat Landis den Wiedereinzug in die Exekutive verpasst. Zwar lag auch er mit 488 Stimmen deutlich über dem absoluten Mehr von 331 Stimmen, weil aber die anderen fünf Gemeinderatskandidaten noch mehr Stimmen erhielten, scheidet Landis als überzähliger aus der Exekutive aus. Im fehlten gerade einmal zehn Stimmen.

«Ich finde es schade und hätte gerne noch weitergemacht», sagte Landis nach Bekanntgabe des Resultates. Wenig enttäuscht zeigte sich Walter Bühler, dass es mit dem Gemeindepräsidium nicht geklappt. «Damit musste ich von Anfang an rechnen. Es ist schwierig, gegen einen Kandidaten zu gewinnen, der bereits seit 16 Jahren im Amt ist. Ich wollte den Stimmbürgern aber eine Auswahl bieten», so Bühler.

Den Vorteil des Amtsbonusses strich denn auch Studer heraus. «Ich habe im Vorfeld nie Vorwürfe gehört, dass ich grosse Fehler gemacht hätte in meinem Amt», hielt Studer fest. Er freue sich insbesondere darüber, dass es im ersten Wahlgang gereicht habe. Es sei immer im Raum gestanden, dass es im ersten Anlauf klappen könnte, Gewissheit habe man aber erst am Wahltag.

Ein Wahltag, der besonders Rahel von Planta (FDP) und Thomas Bernegger (CVP) in besonderer Erinnerung bleiben dürfte. Von Planta kennt das Wahlprozedere bereits von der Primarschulpflege Oetwil-Geroldswil her, wo sie noch bis im Sommer 2014 tätig sein wird. Die Wahl in den Gemeinderat ist für sie aber ein Novum. Dementsprechend gross war ihre Freude, zumal sie mit 566 Stimmen das zweitbeste Resultat hinter ihrem Parteikollegen Paul Studer erreichte. «Ich freue mich sehr. Es ist ein Tag genau nach dem Motto meines vierjährigen Sohnes, der vor zwei Tagen gesagt hat, Mami, du musst einfach gewählt werden», sagte sie.

Erfolg für die CVP

Gross war die Freude auch bei Thomas Bernegger. Wie von Planta ist er neu in den Gemeinderat gewählt worden. «Es war eine Zitterpartie», meinte er mit Blick auf das lange Warten. Jetzt sei die Freude aber riesig. Es sei voll aufgegangen. Damit sprach Bernegger die Tatsache an, dass die CVP aus ihrem Dornröschenschlaf aufgewacht ist. Die Partei spielte in den letzten Jahren auf Exekutivebene gar keine Rolle.

Während die CVP neu einen Sitz im Gemeinderat hält, konnten sowohl die FDP als auch die SVP ihre beiden Sitze halten. Denn auch der amtierende Sicherheitsvorstand Enrico Frei (SVP) wurde wieder gewählt.

So war es wenig überraschend, dass sich FDP-Präsident zufrieden mit dem Wahlausgang zeigte. «Ich freue mich besonders darüber, dass weiterhin eine Frau im Gemeinderat vertreten ist», hielt er fest. In Oetwil ist das schon seit über 20 Jahren ausnahmslos der Fall. Zuletzt waren die Frauen durch Karin Boog (FDP) in der Exekutive vertreten. Sie ist zu den Gesamterneuerungswahlen nicht mehr angetreten.