Dietikon
Wahlen führen zu heftigem Nachbeben im Gewerbeverein

Im Gewerbeverein kommt es zum Eklat: Präsident Martin Müller (im Bild) und Vizepräsident Peter Wiederkehr fühlen sich im Stich gelassen und treten zurück. Und EVP-Stadtrat Heinz Illi ist aus dem Verein ausgetreten.

Bettina Hamilton-IRvine
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Martin Müller, abtretender Präsident des Gewerbevereins, beklagt die mangelnde Unterstützung aus den eigenen Reihen. (Archiv)

Martin Müller, abtretender Präsident des Gewerbevereins, beklagt die mangelnde Unterstützung aus den eigenen Reihen. (Archiv)

Beim Dietiker Gewerbeverein ist Feuer im Dach. Für Aufregung sorgt nicht nur der überraschende Rücktritt des Präsidenten und Vizepräsidenten, sondern auch die Frage, welche Mitglieder der Verein bei Wahlen unterstützt – und wie dieser Entscheid getroffen wird.

Während der Verein vor vier Jahren Mitglieder, die für den Stadtrat kandidierten, automatisch unterstützte, mussten die Kandidaten diesmal vor den Wahlen vom 9. Februar zu einem «Hearing» antraben. Im Anschluss entschieden die anwesenden Mitglieder per Abstimmung, für wen eine Wahlempfehlung formuliert wird. Für Präsident Martin Müller, der als Mitglied der Demokratischen Partei für den Stadtrat kandidierte, reichte es nur mit einer hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme.

«Mir fehlt die Unterstützung»

Das habe ihm zu Denken gegeben, sagte Müller an der Generalversammlung vom Mittwochabend, als er seinen Rücktritt verkündete. «Ich habe realisiert, dass mir die Unterstützung im Verein fehlt.» Zudem wisse er, dass er hinter seinem Rücken immer wieder massiv kritisiert worden sei. Das müsse er sich nicht mehr antun, sagte Müller, der den Gewerbeverein vier Jahre lang präsidierte. Mit ihm trat auch Vizepräsident Peter Wiederkehr zurück, der das Amt vor einem Jahr Müller zuliebe übernommen hatte.

Müller, der nicht in den Stadtrat, dafür in den Gemeinderat gewählt wurde, ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Dass er seine Kritik an der Arbeit des Stadtrats aber im Wahlkampf noch intensivierte, hat unter einigen Vereinsmitgliedern für Unmut gesorgt. So schrieb Müller in einem Flyer, nebst drei Lehrern und einem VBZ-Angestellten würden sich ein Treuhänder und ein Baumeister zur Wiederwahl stellen, «die beide ihr Geschäft geerbt haben» – womit er auf die SVP-Stadträte Jean-Pierre Balbiani und Roger Brunner anspielt. Da wundere «das Heer an Experten nicht, dem sie jeden Unsinn glauben müssen».

Müller wurde an der Generalversammlung aber auch für seine Arbeit gelobt. Stadtpräsident Otto Müller (FDP), der sich «überrascht» über den Rücktritt zeigte, betonte, Martin Müller habe die Anliegen des Gewerbes immer konsequent und engagiert vertreten. Und Gregor Biffiger, Präsident des Gewerbeverbands Limmattal, sagte, Müllers grosser Einsatz sei alles andere als selbstverständlich.

Interimistische Leitung

Trotz des kurzfristig angekündigten Rücktritts wird der Gewerbeverein nicht führungslos bleiben. Alfons Florian, der bereits bis 2010 im Vorstand war, bot sich an, das Präsidium für ein Jahr zu übernehmen. Unterstützt wird er, ebenfalls für ein Jahr, von Esther Wyss-Tödtli, Stefan Schmucki und Lucas Neff. Zudem verbleiben Werner Lips, Christine Dörig und Ernst Vogel im Vorstand.

Doch das Hearing für die Wahlempfehlung, das auch Stadtpräsident Otto Müller am Mittwochabend als «peinlich» bezeichnete, hat noch anderswo Spuren hinterlassen: Auch EVP-Stadtrat Heinz Illi, den der Gewerbeverein nicht unterstützen wollte, hat seinen Austritt bekannt gegeben. Er habe nichts gegen eine Anhörung der Kandidaten, sagte er gestern auf Anfrage. Aber die drei Stunden dauernde Veranstaltung sei «völlig aus dem Ruder gelaufen». Er habe die Art der Befragung und die Themenauswahl als unfair empfunden. Schliesslich habe Biffiger verlangt, man solle sich schriftlich zu einem Sechs-Punkte-Programm bekennen – was die Kandidaten jedoch verweigert hätten. Er sei enttäuscht, sagte Illi, dem die Wiederwahl auch ohne Unterstützung gelang: «In so einem Verein bin ich nicht mehr am richtigen Ort.»

Biffiger will trotzdem am Vorgehen festhalten: «Die Unterstützung des Gewerbevereins kostet etwas, aber sie ist auch etwas wert.» Auch hinter der Idee mit dem Sechs-Punkte-Programm stehe er, selbst wenn sie nicht gut angekommen sei: «Das machen wir in vier Jahren wieder.»