Die grössten Veränderungen bei den Wähleranteilen erfuhr die kleine Gemeinde Aesch. Die SVP, die zuletzt fast 50 Prozent Zustimmung erhielt, verlor 7,6 Prozent ihrer Wählerinnen und Wähler. Umgekehrt gewann die SP 3,8 Prozent hinzu, die BDP 3,4 Prozent. Gleichzeitig legte die Gewinnerin der Kantonswahlen, die GLP, nur um 0,5 Prozent zu und sogar die FDP und die sonstige Wahlverliererin CVP konnten mit +0,7 Prozent einen leichten Gewinn verbuchen.

Die Gewinner insgesamt: Die Grünliberalen zählten am Wochenende in allen Gemeinden zu den Siegern und schnappten in Person von René Gutknecht der EVP gar den Kantonsratssitz weg. Das grösste Plus konnte die GLP mit 6 Prozent in Uitikon verzeichnen, 5,2 Prozent waren es in Birmensdorf. Bezirksweit lagen zusätzliche 2,8 Prozent gegenüber 2007 drin und vereint neu
5,7 Prozent Wähleranteil. Keine Frage: Die GLP liegt im Trend.

Einem momentanen Bedürfnis entspricht auch die BDP: Ohne Kandidierende aus dem Bezirk Dietikon schaffte sie auf Anhieb 2 Prozent Wähleranteil. Den grössten Einmarsch hielt sie in Aesch mit einem Plus von 0 auf 3,4 Prozent, in Urdorf sind es 2,8 Prozent.

Die Verlierer insgesamt: In Aesch verlor die SVP ganze 7,6 Prozent Wähleranteil, in Birmensdorf waren es 5,9 Prozent, in Schlieren 4,6 Prozent. Das sind massive Verluste. Nur in Oberengstringen und Uitikon konnte sie leicht zulegen respektive halten. Weil die wählerstärkste Partei in allen elf Bezirksgemeinden einen hohen Wähleranteil hat, liegt der Verlust insgesamt bei dazu vergleichsweise tieferen 2 Prozent.

Die CVP gehört - wie im übrigen Kanton - zur grossen Verliererin des letzten Wochenendes: -3,2 Prozent bezirksweit. Die grössten Verluste fuhr sie in Geroldswil (-5,8 Prozent) und Oberengstringen (-5,4 Prozent) ein. Ausser in Aesch (+0,7 Prozent) hat die CVP in allen Gemeinden verloren.

Eine genaue Analyse der Verschiebungen in einzelnen Gemeinden bleibt schwierig. Der grosse Verlust in Aesch lässt sich so deuten: Die SVP hat Wähleranteile an die BDP verloren, jene SVP-Vertreterinnen und -Vertreter also, die einen gemässigteren Kurs wünschen. Damit ist aber nur ein Teil des Verlusts zu erklären. Die SVP scheint im Übrigen weniger mobilisiert zu haben. Das könnte daran liegen, dass der langjährige SVP-Kantonsrat Hans Egloff nicht mehr zur Wahl antrat. Und auch Jakob Gut, alt Präsident der Nachbargemeinde Birmensdorf, war als Stimmengarant dieses Jahr nicht mehr auf der Kandidatenliste der SVP.

Der Mobilisierungsfaktor kann in so mancher Gemeinde als Erklärung für die Verluste der SVP dienen, denn nicht überall hat die BDP im selben Umfang zugelegt und auch die klassischen Mitteparteien wie FDP, CVP und EVP haben generell Anteile verloren, vermochten also keine SVP-Wähler anzuziehen.

Umgekehrt lassen sich Gewinne bei den Wähleranteilen mit ortsverbundenen Kandidierenden erklären, die zu mobilisieren vermochten. Dieses Erklärungsmuster wäre auf die FDP Schlieren (Andreas Geistlich), die SP von Oberengstringen und Schlieren (Käthi Mühlemann, Markus Bärtschiger) oder die GLP von Urdorf (René Gutknecht) oder Birmensdorf (Daniel Bauer) anwendbar.
In Urdorf konnte die FDP trotz zweier Bisheriger zu wenig mobilisieren, verlor sogar Wähleranteile. Der CVP passierte dies in ihrer Hochburg Dietikon und trotz der Bekanntheit von Kantonsrat Josef Wiederkehr. Die SVP in Schlieren verlor trotz Kandidat Pierre Dalcher.

Der Fukushima-Effekt wirkte mässig: Parteien wie SP und Grüne konnten auch im Bezirk Dietikon nur wenig von der stärkeren Sensibilität der Wählerschaft Umweltthemen gegenüber profitieren. Das Mobilisierungspotenzial war diesbezüglich bei den Bürgerlichen am grössten, was der GLP nutzte.

Die Grünen konnten am stärksten in Weiningen (+2,4 Prozent) Gewinne erzielen. Das jedoch auf Kosten der SP (-3,1 Prozent). In Uitikon, bislang eine Hochburg liberalen Gedankenguts, verlor die FDP (-5,5 Prozent) nicht nur Wähleranteile an die GLP (+6 Prozent), sondern damit auch den Platz der stärksten Ortspartei (neu: 28,8 Prozent) an die SVP (neu: 33,3 Prozent).