Ruhig steht ein älteres Ehepaar in der Halle des Verkehrspolizeistützpunktes in Urdorf. Die Kantonspolizei Zürich und das Amt für Militär und Zivilschutz führen dort den jährlichen Aktionstag zur freiwilligen Rückgabe von Waffen und Munition durch. Der Mann öffnet seine Tasche und nimmt sanft Langgewehre sowie Bajonette, die seinem Urgrossvater gehörten, heraus. «Einst hingen die Waffen bei uns als Trophäen an der Wand, später verstauten wir sie im Keller», erzählt die Ehefrau. Schon längst wollten sie die Waffen abgeben und so richtig wohl war ihr mit den Kampfgeräten im Haus nie. Überreden musste sie ihren Mann zur Abgabe aber nicht.

Tatsächlich werden an diesem Samstag einige Erbstücke eingesammelt. Aber nicht nur – die gross angelegte Waffenrückgabe, die einmal im Jahr und an verschiedenen Stützpunkten stattfindet, ist auch in Urdorf ergiebig: 213 Waffen werden registriert. Darunter 19 Armeepistolen, 62 Karabiner oder 42 private Pistolen und Schusswaffen. Aber auch 60 Kilogramm Munition oder 120 Kilogramm Hieb- und Stichwaffen, so die Bilanz.

Diese Schusswaffen sind bereit für die Schrottpresse

Diese Schusswaffen sind bereit für die Schrottpresse

Trouvaillen kommen ins Museum

Trouvaillen, wie Hauptmann Marcel Suter von der Kantonspolizei Zürich gewisse «Schätze» nennt, sind diesmal rar. Suter leitet den Aktionstag und kann als mögliche Anwärter für das Kriminalmuseum höchstens zwei Karabiner mit einem Zielfernrohr nennen. Die Ausbeute ist trotzdem breit: Eher klein, aber nicht minder gefährlich ist etwa eine sogenannte «Chüngeli-Pistole», die ebenfalls in der Schrottpresse landet, oder ein Feuerzeug, das fast James Bond-technisch auf Knopfdruck ein scharfes Messer rausschnellen lässt.

Waffen haben für viele der ehemaligen Besitzer einen durchaus emotionalen Wert. «Wir realisieren besonders bei älteren Semestern, dass eine gewisse Wehmut bei der Abgabe besteht», weiss Suter. Nicht nur bei Armeewaffen, sondern auch bei ausgedienten Gewehren, die etwa an Erlebnisse im Schiessverein oder an die Jagd und die damit erlegten Tiere erinnern.

Für manche dürfte daher der Schritt zur Abgabe kein Leichter sein. Denn auch heute noch üben Waffen eine, mitunter auch gefährliche, Faszination aus. Neben ihrer ursprünglichen Bestimmung zum Schutz werden sie jeden Tag im Kino oder Fernsehen verherrlicht, Künstler besingen und thematisieren die tödlichen Werkzeuge und selbst in vielen Spielzeugläden findet man für den Nachwuchs täuschend echte Pistolen. Ganz zu Schweigen von den virtuellen Waffen, die wie selbstverständlich in Computerspielen eingesetzt werden.

Abgabe jeden Tag möglich

Doch das «Spiel» mit der Waffe ist bitterer Ernst. Schlagzeilen über Familiendramen oder Suizide sprechen für sich. Dem trägt auch der Kanton Zürich Rechnung, die im Oktober die Plakatkampagne «Wie geht’s Dir?» lancierte. Diese widmet sich explizit der Suizidprävention. Selbstmorde sowie Versuche der Selbsttötung, stehen laut der Gesundheitsdirektion oft im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen. Gerade bei Männern sind Waffen je nach Studie die häufigste oder zweithäufigste Suizid - Methode.

Deswegen betont auch der Kanton, wie wichtig das Einsammeln nicht mehr verwendeter Waffen sei. Dafür muss man nicht den jährlichen Aktionstag abwarten: «Waffen können jeden Tag auf der Polizeistelle oder im Zeughaus abgegeben werden», betont Carmen Surber, Mediensprecherin der Kantonspolizei.