Dietikon
Waffengeschäfte sind seit 2015 tabu – Geschäftsführer erklärt Investitionen in Nachhaltigkeit der SHP

Die Dietiker Pensionskasse SHP versichert 2,1 Milliarden Franken Rentenvermögen von Mitarbeitenden des Gesundheitswesens. Nachhaltige Investitionen, die für die 90 Jahre alte Kasse früher kein Thema waren, gewinnen immer mehr Bedeutung.

Lydia Lippuner
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Insbesondere Neukunden der Dietiker Pensionskasse SHP legen grossen Wert auf deren Nachhaltigkeit. (Symbolbild)

Insbesondere Neukunden der Dietiker Pensionskasse SHP legen grossen Wert auf deren Nachhaltigkeit. (Symbolbild)

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Die Kriegsgeschäftsinitiative, die das Volk Ende November ablehnte, sollte die Pensionskassen zu ethischem Anlegen verpflichten. Der Boom, das Geld in nachhaltige Aktienfonds und klimaschonende Firmen anzulegen, begann aber schon vor einigen Jahren. «Gerade Neukunden fragen seit einiger Zeit immer wieder nach unserer Nachhaltigkeit», sagt Rolf Bolliger. Er ist Geschäftsführer der Pensionskasse SHP mit Sitz in Dietikon. 1930 gründeten Krankenpflegerinnen die Vorsorgeeinrichtung, um ihre berufliche Versorge im Alter zu regeln. Noch heute versichert die Pensionskasse ausschliesslich Spital-, Heim- und Pflegepersonal.

Seit der Gründung der Pensionskasse veränderte sich die Art der Finanzanlagen stark. Vor zehn Jahren seien ökologisch- und sozialverträgliche Investitionen des Rentenvermögens noch kein grosses Thema gewesen, sagt Bolliger. Heute sehe es ganz anders aus und künftig werde das Thema wohl noch präsenter sein. «Vor ein paar Jahren gab es gar noch nicht so viele Möglichkeiten, nachhaltig anzulegen und dabei eine gute Rendite zu erzielen», sagt Bolliger. Das habe sich nun geändert. Es gebe zunehmend Fonds, die nur in nachhaltige Unternehmen investieren. Um die Finanzplanung den aktuellen Gegebenheiten anzupassen und langfristig zu planen, verabschiedet der Stiftungsrat der SHP regelmässig eine neue Anlagestrategie. Die nächste Anpassung ist 2021 vorgesehen. «Wir setzen nicht auf eine aktive Anlage des Vermögens, sondern investieren den grössten Teil des Geldes in passiv verwaltete Fonds», sagt Bolliger. Die SHP spekuliere mit dem Versicherungsvermögen von insgesamt 2,1 Milliarden Franken nicht auf hohe Gewinne durch Einzelaktien. Das Geld der Kunden werde vielmehr in Fonds angelegt, die analog zu den Schwankungen der Schweizer Börse verlaufen.

Weniger CO2-Ausstoss im BVK-Immobilienportfolio

Einige Gemeinden des Limmattals haben ihr Personal bei der BVK, der grössten Pensionskasse der Schweiz, versichert. Dort hat man sich Nachhaltigkeit ebenfalls auf die Fahne geschrieben: «Wir verstehen verantwortungsbewusstes Anlegen als Teil unserer treuhänderischen Sorgfaltspflicht und eines umfassenden Risikomanagements, um auch in Zukunft ­sichere Renten garantieren zu können», sagt Christian Brütsch, Mediensprecher der BVK in Zürich. Die BVK berücksichtige bei der Bewirtschaftung des Vorsorgevermögens deshalb neben den rein finanziellen Faktoren auch ökologische und soziale Aspekte. Beispielsweise reduzierten sie den CO2-Ausstoss ihres Immobilienportfolios in den letzten 30 Jahren um mehr als die Hälfte. Bei den Finanzanlagen setzt das Unternehmen auf bestehende, in der Schweiz anerkannte Richtlinien. «Sind wir in Unternehmen investiert, welche diese Kriterien schwerwiegend und systematisch verletzen, treten wir in den Dialog. So möchten wir als Miteigentümerin eine Verhaltensänderung bewirken», sagt Brütsch. Die Pensionskasse übe zudem ihr Stimmrecht aktiv aus. Bleiben Dialoge und Voten an der Generalversammlung erfolglos, werde das Unternehmen aus dem Portfolio ausgeschlossen.

Dialog und Ausschluss für eine bessere Ethik

Nebst den Forderungen nach umweltschonenden Geldanlagen werden auch immer wieder Fragen nach ethischer Finanzierung laut. Zuletzt forderte die Kriegsgeschäfte-Initiative, die Ende November vom Volk abgelehnt wurde, ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten. Die Schweizerische Nationalbank (SNB), die AHV und die IV sowie Pensionskassen und Stiftungen der beruflichen Vorsorge hätten folglich keine Unternehmen mehr finanzieren dürfen, die mehr als fünf Prozent ihres Jahresumsatzes mit Kriegsmaterial machen. Die Annahme der Initiative hätte aber nichts an der Anlagestrategie der SHP geändert. Denn bereits vor fünf Jahren habe der Stiftungsrat beschlossen, dass kein Geld in Unternehmen fliessen soll, die Waffen- oder Rüstungsproduzenten unterstützen. «Für uns war es ethisch nicht vereinbar, solche Investitionen zu tätigen», sagt Bolliger. Die BVK hat Kohleproduzenten und Unternehmen, die kontroverse Waffen wie beispielsweise Streumunition oder chemische Waffen herstellen, ebenfalls seit längerem aus ihren Portfolios ausgeschlossen. Auf die Frage, ob ein Ausschluss solcher Unternehmen eine ausreichende Massnahme sei, um die Finanzierung ethisch zu gestalten, sagt Tamara Hardegger, Geschäftsführerin des Schweizer Vereins für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK): «Ausschluss ist eine Strategie von mehreren. Besonders gut funktioniert sie aber in Kombination mit dem Dialog mit den Unternehmen, um Veränderungen zu bewirken.»

Keine Panik wegen einer Baisse aufgrund Corona

Die schwankenden Aktienkurse dieses Jahr waren für alle Anleger herausfordernd. Der Deckungsgrad der Pensionskasse SHP fiel im März von 103 auf 96,7 Prozent. Der Deckungsgrad besagt, zu wie viel Prozent die Verpflichtungen einer Vorsorgeeinrichtung an einem bestimmten Stichtag mit Vermögenswerten gedeckt sind. Der verhältnismässig tiefe Deckungsgrad war für Bolliger kein Grund zur Panik: «Wir betrachten die Investitionen und den Deckungsgrad über einen längeren Zeithorizont», sagt er. Der Deckungsgrad liege nun wieder auf 104,3 Prozent. Einzelne Monate seien nicht ausschlaggebend. Denn dank der passiven Anlagestrategie könne das Unternehmen das Risiko von grösseren Ausreissern grundsätzlich abfedern. Manche Situationen bleiben trotzdem dem Zufall überlassen, beispielsweise hatte die SHP im März einen Geld-Überschuss vom Anfang des Jahres, diesen konnten sie in der Crash-Phase im März investieren. «Wir erwischten einen tiefen Punkt für die Investition. Das war aber Glück, der Kurs hätte ja noch weiter fallen können», sagt Bolliger.

Auch die BVK blieb von den starken Schwankungen des Börsenmarkts in den letzten Monaten nicht verschont, ihr Deckungsgrad stand Ende Oktober bei 98,4 Prozent. Wie die SHP setzt sie aber auf eine langfristige Finanzierung. «Wir streben eine langfristige Reduktion der Portfoliorisiken an, ohne dabei auf Renditepotenzial zu verzichten», sagt Brütsch. So solle es gelingen, dass das Rentenvermögen sich vermehrt und gleichzeitig die Unternehmen in den Anlagefonds verantwortungsbewusster werden.

«Nachhaltig zu investieren und eine Rendite zu erzielen, ist der Normalfall und kein Gegensatz», sagt Hardegger von der SVVK. Eine Pensionskasse müsse Ertrag erzielen – und das langfristig gesehen. Dieses Prinzip harmoniere sehr gut mit einem nachhaltigen Ansatz.

So einige Pensionskassen sind hier zu Hause

Die SHP-Pensionskasse in Dietikon ist nicht die einzige über die Region hinaus tätige Pensionskasse, die ihren Sitz im Bezirk Dietikon hat. Mit der Migros-Pensionskasse, die rund 26 Milliarden Franken verwaltet, ist ein ganz grosser Name in Schlieren zu Hause. Auch die Pensionskasse Promea mit rund 800 Millionen Franken Kapital hat ihren Sitz in Schlieren. Die Promea hat ihren Ursprung im Metallbaugewerbe.

In Dietikon haben unter anderem auch die Pensionskasse von Media Markt sowie die­jenige der Dosenbach-Ochsner AG ihren Sitz. Diesen Herbst hat die Limmattaler Pensionskassen-Landschaft Zuwachs erhalten. Per 1. Oktober verlegte die Alvoso-Pensionskasse ihre Geschäftsstelle vom schwyzerischen Lachen an die Zürcherstrasse 104 in Schlieren, wie sie im November mitteilte. Ihr Hauptsitz befindet sich aber nicht in Schlieren. Diesen verlegte sie nämlich von Lachen nach Cham im Kanton Zug. Die Alvoso-Pensionskasse bezeichnet sich als Pensionskasse für kleinere und mittlere Unternehmen und verwaltet rund 422 Millionen Franken. (deg)