Limmattal
«Wachen und Begleiten» macht das Sterben seit 10 Jahren erträglicher

2003 wurde die Organisation «Wachen und Begleiten» gegründet. Der Verein begleitet schwer kranke und demente Menschen, hält Wache bei Sterbenden zu Hause und Entlastet die Angehörigen durch die Übernahme pflegerischen Handreichungen.

Jürg Krebs
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Begleiterinnen wissen: Eine tröstliche Hand ist die beste Medizin.

Begleiterinnen wissen: Eine tröstliche Hand ist die beste Medizin.

Limmattaler Zeitung

Es gibt Fälle, da verlängert die Medizin nur das Sterben. Der Umgang mit dem Tod ist eine Frage der Ethik und - sofern möglich - eine persönliche Entscheidung. Man kann ihn möglichst lange hinausschieben oder annehmen.

In dieser letzten Lebensphase von chronisch Kranken mit fortschreitendem Leiden ist Palliative Care eine gesamtheitliche Methode der Betreuung. Ihr fürsorglicher Arm zu Hause ist seit zehn Jahren der Limmattaler Verein «Wachen und Begleiten». Dessen Gründerin, Schwester Elisabeth Müggler, sagte 2004 in einem Interview mit der Limmattaler Zeitung zu den Vereinszielen: «Wir wollen für die letzte Lebensphase weniger eine Sterbens- als vielmehr eine Lebenshilfe bieten.»

«Würdig sterben»

Trotzdem: Es geht ums Sterben. Um den Tod. Bernadette Hans aus Unterengstringen, die für «Wachen und Begleiten» ehrenamtlich im Einsatz steht, sagt: «Der Tod gehört für mich auch zum Leben. Man kann ihn nicht ausblenden.» Mit anderen Worten: Nur wer den Tod akzeptiert, kann mit ihm umgehen.

Die Idee für eine Organisation, die Schwerkranke und Sterbende begleitet, entstand vor über zehn Jahren im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen zum Thema «Würdig sterben». Initiantinnen waren Elisabeth Müggler und Mirjam Meier. Meier war ehemals diakonische Mitarbeiterin der reformierten Kirche Dietikon.

Müggler, ehemals Leiterin der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege Theodosianum am Spital Limmattal, wurde für ihren Einsatz 2012 mit dem Schweizer Palliative Care Preis ausgezeichnet. Sie widmete den Preis umgehend ihren Kolleginnen von «Wachen und Begleiten»: «Ich staune, dass sich so viele Freiwillige dieser ganzmenschlichen Herausforderung stellen», sagte sie am Anlass.

Keine aktive Sterbehilfe

2003 wurde «Wachen und Begleiten Limmattal» gegründet. Am Montagabend wurde das Jubiläum mit einem Vortrag von Roland Kunz, Palliativmediziner und einer der Pioniere in der Schweiz, begangen. Kunz' Botschaft: «Unser Gesundheitswesen muss der Sorge für sterbende Menschen die gleiche Bedeutung geben wie der Bekämpfung von Krankheiten.» Präsidiert wird der Verein aktuell vom Birmensdorfer Peter Heinzer. Das Angebot des Vereins ist breit.

• Dazu zählt das Wachen bei Sterbenden zu Hause.
• Das Begleiten schwer kranker und dementer Menschen.
• Die Entlastung der Angehörigen durch das Übernehmen von pflegerischen Handreichungen sowie Präsenzzeiten tagsüber oder nachts. So können Angehörige Kraft schöpfen und Energie tanken.

Wichtig ist: «Wachen und Begleiten» bietet keine aktive Sterbehilfe an, wie dies Dignitas oder Exit tun. Gleichwohl können Palliativ Care und der Verein «Wachen und Begleiten Limmattal» Menschen helfen, möglichst in Würde und schmerzfrei zu sterben.

Tröstende Hand als beste Medizin

«Es genügt nicht, hier zu sein, man muss auch wirklich da sein», sagte der Philosoph Martin Heidegger einmal. Diese Haltung entspricht einer Handlungsdirektive des Vereins. Ganz für einen Menschen da zu sein, ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Für Bernadette Hans bedeutet dies: «Bei sehr unruhigen Menschen sitze ich am Bett und versuche sie mit Körperkontakt, Berührungen und Umarmungen zu beruhigen.» Manchmal ist eine tröstende Hand eben die beste Medizin, das wissen die Begleiterinnen.

Seit Mai dieses Jahres bietet der Verein «Wachen und Begleiten» Trauertreffen für Hinterbliebene an. Mit seinem Tod mag der Verstorbene Erlösung gefunden haben, für die Angehörigen beginnt mit der Trauerphase aber erst einmal das Abschiednehmen. Auch dabei helfen die Begleiterinnen des Vereins.

www.wabe-limmattal.ch