Foodwaste

Vuille will Lebensmittel an Dietiker Flüchtlinge verteilen

Diese Zivilschutzanlage soll der Stadt Dietikon im Notfall als Unterkunft für rund 50 zusätzliche Flüchtlinge dienen – auch sie könnten gratis Lebensmittel beziehen. Aru

Diese Zivilschutzanlage soll der Stadt Dietikon im Notfall als Unterkunft für rund 50 zusätzliche Flüchtlinge dienen – auch sie könnten gratis Lebensmittel beziehen. Aru

Dietikon muss ab Januar mehr Flüchtlinge versorgen – auch mit Essen. Die Stadt hält einen Ausbau des Projekts «Teller statt Kübel» für möglich.

Die Idee ist einleuchtend: Die rund 50 zusätzlichen Flüchtlinge, welche die Stadt Dietikon infolge der Syrienkrise ab Januar unterbringen muss, sollen gratis Lebensmittel beziehen können, die sonst im Abfall landen würden. «Diese Menschen sind sicher mehr als froh über kostenloses Essen, das sonst niemand mehr will», sagt die Birmensdorfer Anti-Foodwaste-Aktivistin Hélène Vuille. Sie fragte daher die Sozialabteilung der Stadt Dietikon an, ob das bestehende Projekt «Teller statt Kübel» auf die neuen Asylsuchenden ausgedehnt werden könnte. Der Dietiker Sozialvorstand Roger Bachmann (SVP) teilt nun auf Anfrage mit, dass die Stadt einen Ausbau des Foodwaste-Projektes als möglich erachtet. «Konkretes kann allerdings im Moment noch nicht gesagt werden.»

Die Initiative «Teller statt Kübel» hat Vuille mit dem Dietiker Jean-Marc Sujata und in enger Zusammenarbeit mit der städtischen Sozialabteilung aufgebaut. Die Autorin beliefert schon seit Jahren verschiedene soziale Institutionen in der Stadt Zürich und anderen Gemeinden mithilfe von freiwilligen Helfern wöchentlich mit Tagesfrischprodukten der Migros. In Dietikon verteilen Sujata und sein Team den Bedürftigen bereits seit August jeweils am Dienstagabend im reformierten Kirchgemeindezentrum Sandwiches, Wähen oder Cremeschnitten der Migros Tivoli in Spreitenbach, die ansonsten im Abfall landen würden: Die Grossistin darf diese nach Ladenschluss nicht mehr verkaufen, sie sind aber problemlos noch geniessbar.

Zivilschutzanlage wäre Notlösung

Nachdem infolge des Kriegs in Syrien auch in der Schweiz mehr Flüchtlinge registriert wurden, hat der Kanton Zürich die Gemeinden verpflichtet, ab Anfang 2016 0,7 statt wie bisher 0,5 Prozent ihrer Wohnbevölkerung an Asylsuchenden unterzubringen. Dietikon muss daher ab 4. Januar 50 zusätzlichen Flüchtlingen Platz bieten. Erwartungsgemäss werden es vor allem junge, alleinstehende Männer sein. Die Stadt ist mit Hochdruck auf der Suche nach geeigneten Mietwohnungen, Privatunterkünften oder auch Hallen, in denen Ikea-Häuser als Notunterkünfte aufgestellt werden könnten (siehe Ausgabe vom 5. Dezember). Andernfalls käme als Notlösung eine Zivilschutzanlage in Oberdorf zum Zug.

Während es an einer geeigneten Unterkunft für diese 50 jungen Flüchtlinge also offenbar noch immer mangelt, würden die verfügbaren gratis Tagesfrischprodukte der Migros Tivoli locker ausreichen, damit auch sie solche beziehen könnten. Davon ist Vuille überzeugt. Der Filialleiter in Spreitenbach habe ihr bereits angeboten, dass Sujata und seine Helfer mehr als einmal wöchentlich vorbeikommen könnten, sagt sie: «Am Wochenende fallen jeweils noch viel mehr Lebensmittel an als unter der Woche. Es hätte also sicher genug für alle.» Ausserdem würden auch bereits drei Bäckereien ihre Tagesfrischprodukte zu «Teller statt Kübel» beisteuern. Ziel ist es laut Vuille, die Lebensmittelabgabe nach der Ankunft der zusätzlichen Asylsuchenden zweimal wöchentlich durchzuführen. «Natürlich ist das aber nur möglich, wenn wir auch einige Helfer dazugewinnen könnten», so die 62-Jährige.

Je nachdem, welche Unterkunft die Stadt für die Flüchtlinge finde, beeinflusse dies auch die Art, wie diese mit Tagesfrischprodukten versorgt werden könnten, erklärt Bachmann. Die sozialen Institutionen der Stadt Zürich werden von Vuille und ihren Helfern etwa direkt mit Lebensmitteln beliefert. Dies wäre auch bei einer allfälligen Asylunterkunft in Dietikon möglich. Doch laut dem Sozialvorstand ist hier vorgesehen, dass Asylsuchende, «wie auch andere Bezüger», ihre Lebensmittel selber bei der Abgabestelle in der reformierten Kirche abholen müssen.

Freiwillige, die das Projekt «Teller statt Kübel» unterstützen möchten, melden sich bei Jean-Marc Sujata: 079 321 84 54 oder per E-Mail an: mursaat93@gmail.com

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