Als Walter Bochsler seine Lehre begann, da habe man für einen Sack Beton noch eine Bewilligung aus Bern gebraucht. Zmittag sei jeden Tag beim Lehrmeister gegessen worden und Lohn habe es keinen gegeben.

So illustrierte der Urdorfer Schreinermeister den Wandel, der sich während der letzten Jahrzehnte im Lehrlingswesen vollzog. «Wir jammern ständig, dass wir in handwerklichen Berufen keine guten Lehrlinge mehr finden. Wir bekommen sie nicht, weil wir uns nicht aktiv um sie bemühen», konstatierte er an der Versammlung des Urdorfer Gewerbeverbands.

Daher schlug er via Antrag vor, ein drei- bis fünfköpfiges Gremium ins Leben zu rufen, das sich um die Lehrlingsförderung kümmert. Bochsler Vorstellung: Der Vorstand soll an der nächsten Generalversammlung in einem Jahr Gremium und Ideen zur Förderung präsentieren.

«Ich kann mir dabei vieles Vorstellen. Vielleicht würde ein Preis für die beste Lehrabschlussarbeit eine Motivation für die Jungen darstellen», monierte Bochsler in seiner Rede.

GV-Präsident Stefan Schmid stand die Ratlosigkeit nach Bochslers Worten ins Gesicht geschrieben. Zwar lobte er die Idee, die Bochsler vorgebracht hatte, aber der Antrag sei viel zu kurzfristig eingereicht worden.

Erst wenige Minuten vor der Sitzung habe er davon erfahren. «Daher konnte der Vorstand nicht über den Antrag beraten. Aus diesem Grund können wir der Versammlung auch keine fundierte Empfehlung abgeben», sagte er.

Nachdem er den genauen Wortlaut von Bochsler schriftlichem Antrag jedoch im Plenum vorlas, konstatierte er, dass darin der Vorstand innert eines Jahres zur Präsentation eines «fixfertigen» Projekts verpflichtet wird. Einem derartigen Leistungsdruck wolle er das Gremium nicht aussetzten, merkte Schmid an und empfahl den Antrag zur Ablehnung.

Bochsler ergriff das Wort aus dem Publikum und verwies darauf, dass es keineswegs in seinem Sinn war, den Vorstand unter Zeitdruck zu setzten. «Aber ich will, dass ihr abklärt, was möglich und von den Lehrlingen gewünscht ist.

Das sollte innert 365 Tagen möglich sein», sagte er aufgewühlt. Präsident Schmid verwies darauf, dass dies aber so nicht im Antrag stehe, sondern dass das Projekt Jugendförderung in einem Jahr stehen müsse.

«Das Anliegen, unsere Lehrlinge zu fördern unterstütze ich voll und ganz. Aber nicht in dieser Form», so Schmid. Daher nehme er das Anliegen informell entgegen, werde in den nächsten Vorstandssitzungen darüber diskutieren. Aber bei der Empfehlung zur Ablehnung bleibe es.

Antrag sei trotzdem ein Erfolg

Nun schaltete sich Gregor Biffiger, Präsident des Limmattaler Gewerbeverbands, ein und fügte an, dass der Antrag als ungültig erklärt werden solle. «Da dem Vorstand nicht die Vorberatungsfrist von 30 Tagen zur Verfügung stand, ist der Antrag formell nicht zulässig.» Dem pflichtete Stefan Schmid bei, erklärte den Antrag für ungültig und liess die Versammlung in der Folge nicht darüber befinden.

Walter Bochsler hielt nach der Versammlung fest, dass er den Antrag noch immer als Erfolg verbuche. Denn: «Es ging mir stets darum, dass wir Gewerbler uns für unseren Nachwuchs einsetzten. Dieses Anliegen habe ich platziert und ich hoffe nun, dass der Vorstand Ideen hat, wie man dies am besten machen könnte. Bereits sei er gespannt, was an der nächsten GV dazu gesagt werde.»