Dietikon

Vorhang auf: Ihr Herz schlägt für die Kleinkunst

Simone Neff, Präsidentin des Vereins Theater Dietikon, im Stadtkeller Dietikon.

Simone Neff, Präsidentin des Vereins Theater Dietikon, im Stadtkeller Dietikon.

Der Verein Theater Dietikon gilt als einer der drei kulturellen Leuchttürme der Stadt. Dieser leuchtet dank der Präsidentin Simone Neff und ihrem Team immer heller.

Es war ein voller Erfolg: Als der Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart vor rund einer Woche mit seinem Erzähltheater «Der Trafikant» im Dietiker Stadtkeller auftrat, war der Raum bis auf den letzten Platz besetzt. «Die Karten waren innert Kürze ausverkauft», sagt Simone Neff. Seit rund vier Jahren ist sie die Präsidentin des Vereins Theater Dietikon und konnte den Dietiker Schauspieler für ein Heimspiel gewinnen. Der Stadtkeller erwies sich als perfekt für das Stück, das ganz ohne Mikrofone auskam. Und der Verein, der das Limmattal mit viel Kultur bereichert, konnte einen neuen Höhepunkt erleben.

Trotz seiner bescheidenen Grösse ist der Stadtkeller die Hauptspielstätte des Vereins: 48 Sitzplätze führen in dem schmalen Keller vom Eingang her hinunter zur Bühne. «Die Künstlerinnen und Künstler spielen gerne bei uns. Gerade im Stadtkeller schwärmen sie von der Nähe zum Publikum», sagt Neff. Bei der Neugestaltung des Raums durch die Stadt Mitte der 1990er-Jahre war der Verein massgeblich in die Planung involviert. Heute hat das Theater Dietikon eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt. «Wir haben uns verpflichtet, den Stadtkeller achtmal pro Jahr mit kulturellen Angeboten zu bespielen.»

Der Stadtkeller ist aber nicht mehr der einzige verfügbare Spielort. Mit dem im Januar eröffneten Kulturort Gleis 21 wurde eine erste Co-Produktion in die Wege geleitet: «Wir freuen uns, dass wir Ende März zusammen mit dem Gleis 21 den Puppenspieler Michael Hatzius und seine Echse begrüssen können», so Neff. Zudem wird die nächste Ausgabe der beliebten Reihe «Öises Dietike» mit der Journalistin Helene Arnet, ebenfalls organisiert vom Theater Dietikon, ausnahmsweise im neuen Kulturort stattfinden, und nicht wie üblich im Ortsmuseum.

Der Vorstand wächst

Neff ist seit zehn Jahren im Vereinsvorstand. 2015 übernahm sie als Präsidentin die Nachfolge von Irene Brioschi, die als Vereinsgründungsmitglied das Präsidium viele Jahre innehatte und heute die Kulturbeauftragte der Stadt Dietikon ist. Der Vereinsvorstand sei gut aufgestellt und die Zusammenarbeit funktioniere bestens, so Neff. Mit der nächsten Generalversammlung darf sich der Vorstand zudem auf Verstärkung freuen: Die rund 80 Vereinsmitglieder können im März Karin Ament und Sonja Laughton in den Vorstand wählen. Beide sind keine Unbekannten in Dietikons Kulturszene und standen schon für diverse Vereins-Anlässe im Einsatz. Werden sie gewählt, gesellen sie sich zu Neff, Daniel Ament (Kassier und Mitgliederverwaltung), Elisabeth Rebmann und Agnes Matt.

Steht ein Anlass an, sind alle Vorstandsmitglieder gefragt. Sei es das Verkaufen von Tickets, die Künstlerbetreuung oder das Betreuen der Bar – alles Aufgaben, die die Vorstandsmitglieder übernehmen. «Ich habe ein super Team», sagt Neff. Sie ist aber jene Frau, die die Zügel in der Hand hält. «Das Amt der Präsidentin ist quasi eine 20-Prozent-Stelle», sagt Neff, die diese Aufgabe ehrenamtlich ausführt; der Verein hat keine Angestellten.

Geht es etwa um die Gestaltung der Drucksachen wie Flyer und Poster, oder um das Aktualisieren der Website, macht sich Neff persönlich ans Werk. «Dank meines Berufs als Architektin habe ich die dafür notwendige Infrastruktur, um diese Aufgaben zu übernehmen.»

Neue Talente

Die wichtigste Aufgabe für den Vorstand ist allerdings das Suchen und Engagieren der Künstlerinnen und Künstler, sprich: das Gestalten des Programms. Zwar ist der Verein gut vernetzt, doch sind es auch neue Talente, die vom Theater Dietikon eine Chance erhalten. «Ich und die Vorstandsmitglieder reisen jeweils im April an die Schweizer Künstlerbörse nach Thun, um neue Gesichter und Programme zu entdecken», sagt Neff.

Die Künstlerbörse ist seit 1975 das wichtigste Treffen für die Kleinkunstszene in der Schweiz und ermöglicht Veranstaltern, sich in drei Tagen einen Überblick über die aktuelle Bühnenkunst zu verschaffen. Rund 80 Künstlerinnen und Künstler können sich dort mit 20-minütigen Auftritten präsentieren.

Viele von ihnen haben sich in Thun erfolgreich für das Vereinsprogramm in Dietikon empfohlen. So etwa der Kabarettist und Liedermacher Olaf Bossi, der am Freitag, 1. März im Stadtkeller auftritt (siehe unten). Oder Judith Bach, die eine Hälfte des Duos «Luna Tic», die im Juni nach Dietikon kommt und ihren ersten Solo-Abend «Claire alleene» vorstellt. «Ich bin sehr gespannt auf den Auftritt von Judith Bach. Wir alle waren begeistert von ihr», sagt Neff.

Natürlich sei es etwas anderes, wenn ein Künstler zwei Stunden statt nur 20 Minuten auftrete. «Eine gewisse Spannung ist immer da, wenn wir jemanden engagieren, den wir noch nicht abendfüllend erlebt haben.»

In der Vergangenheit standen schon viele renommierte Kleinkünstler auf der Bühne des Stadtkellers oder auf der grösseren Bühne am Freilufttheatertag, der auch vom Verein organisiert wird. Zu ihnen gehören Ursus und Nadeschkin, Dominic Deville oder Renato Kaiser. Die Vorstandsmitglieder verfolgen die künstlerische Entwicklung der engagierten Künstler mit grossen Interesse.

Aus kulturellem Haus

Das Herz von Neff schlägt für die Kleinkunst. Allerdings würde sie niemals alleine auf der Bühne ein Programm zum Besten geben. Sie sei lieber vor, hinter oder neben der Bühne. «Wobei es mir durchaus Spass macht, vor Publikum eine kurze Ansprache zu halten oder in einem Chor zu singen», sagt sie.

Kultur spielte immer eine grosse Rolle im Leben der Dietikerin. Ihr Vater Peter Walser war Mitbegründer der städtischen Kulturkommission. Er und seine Ehefrau Doris Walser-Wilhelm sind auch Kulturpreisträger der Stadt Dietikon 2005. «Ich erlebte viele kulturelle Anlässe dank meiner Eltern.» Ihr Bruder Florian Walser, ebenfalls von der Kultur geprägt, zog es hingegen auf die Bühne, besser gesagt in den Orchestergraben. Seit 1990 ist er Klarinettist im Tonhalle-Orchester Zürich.

Das Vereinsleben kann Neff auch gut mit ihrem beruflichen Leben vereinbaren. Zusammen mit ihrem Ehemann Lucas Neff führt sie ein Architekturbüro in der Fahrweid. Die Mutter dreier Kinder lernte eigentlich Handbuchbinderin und kam später durch ihren Mann in die Welt der Architektur. «Zu Beginn leitete ich das Sekretariat und machte die Buchhaltung, bis ich nach und nach weitere Aufgaben im Betrieb übernahm.» Ihr Ehemann war es übrigens auch, der den Stadtkeller gestaltete. So schliesst sich der Kreis.

Vieles hat Neff noch mit ihrem Verein Theater Dietikon vor, der sich über Mitgliederbeiträge, Spenden und Sponsoren finanziert. Die Stadt leistet weiter eine Defizitgarantie. Seit Anfang Jahr ist zudem das Dietiker Kultur-Generalabonnement auch beim Theater Dietikon gültig. «Wir hatten deswegen spürbar mehr Publikum als üblich», sagt Neff. Es gibt daher viel zu tun für die Präsidentin und ihr Team. Bald findet die nächste Künstlermesse statt und das Programm für die zweite Jahreshälfte, das jeweils mit dem Freilufttheatertag beginnt, will geplant werden.

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