Dietikon
Vorgelesen wurde nicht nur auf Mundart: Auch Tamilisch und Türkisch kamen zum Zug

Liana Soliman
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Vorlesetag in Dietikon
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Susanne Fortunato, Bibliothekarin «Wir wollten, dass auch auf Albanisch und in anderen Sprachen vorgelesen wird, und so auf unser breites Angebot an fremdsprachigen Büchern aufmerksam machen.»
Yezda (10) «Ich kann Bücher auf Türkisch und Deutsch lesen. Das türkische Alphabet und das Lesen in dieser Sprache habe ich mir selber beigebracht. Meistens lese ich aber auf Deutsch. Türkisch ist für mich schwieriger.»
Agnes Matt, Leiterin der Bibliothek «Ich wünsche mir, dass Personen, die vorher nie gelesen oder vorgelesen haben, durch diesen Tag auf den Geschmack kommen und nun ihren Kindern zu Hause Geschichten erzählen.»
Vorlesetag in Dietikon Vorlesetag in Dietikon
Yolanda Meier «Oft hat man eine Richtung, die man gerne liest. Der Vorlesetag ermöglicht einen Einblick in etwas, das man vielleicht noch nicht kennt.»
Elona (10) «Ich lese gern und viel in meiner Freizeit. Ich spreche Albanisch, Italienisch und lerne jetzt seit einem Jahr Deutsch. Am liebsten lese ich auf Italienisch.»

Vorlesetag in Dietikon

Liana Soliman

Mutig setzt die zehnjährige Yezda an, um Parmak Cocuk, also das Märchen vom Däumling, auf Türkisch laut vorzulesen. Sie blickt konzentriert in das Kinderbuch und fährt mit ihrem Finger den Buchstaben nach. Und obwohl nur wenige im Raum wirklich verstehen, was sie sagt, hängen alle an ihren Lippen.

Es ist ein aussergewöhnliches Erlebnis. Denn nach der Erzählung auf Türkisch geht es weiter mit Albanisch, Schweizer Mundart, Portugiesisch, Deutsch und Tamilisch. «Es ist beeindruckend, wie viele fremdsprachige Frauen gekommen sind, die den Mut hatten, sich an diesem Projekt zu beteiligen», sagt Sandra Razic, die Integrationsbeauftragte der Stadt Dietikon. Auch Agnes Matt, die Leiterin der Bibliothek, stimmt zu: «Es ist auch bewundernswert, dass die Mädchen sich getraut haben, vor einem fremden Publikum vorzulesen.»

Matt hat zusammen mit Razic den Vorlesetag organisiert und die Sprachen auf diese sechs eingegrenzt. «Ich wurde gefragt, ob ich irgendwelche Frauen kenne, die bereit wären, in genau diesen Sprachen vorzulesen. So haben wir uns gezielt an diese Personen gewendet», sagt Razic. Die meisten der fremdsprachigen Vorleserinnen besuchten einen Deutschkurs und seien dort angefragt worden.