Bezirksgericht Dietikon
Vorbestrafte Hundehalterin kommt mit einer Verwarnung davon

Eine nicht angeleinte Labrador-Dogge einer Hundetrainerin hat an der Limmat bei Dietikon einen Hund in den Fluss hineingetrieben. Dafür wurde die Betreuerin gestern verurteilt, aber statt einer Strafe gabs nur eine Verwarnung.

Attila Szenogrady
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Das Gerangel mit Hunden endete glimpflich. (Symbolbild)

Das Gerangel mit Hunden endete glimpflich. (Symbolbild)

Walter Schwager

Von Hundehaltern würden fast übermenschliche Fähigkeiten bei der Voraussehbarkeit verlangt, sagte der zuständige Einzelrichter Bruno Amacker anlässlich der Urteilseröffnung. Trotzdem habe das Gericht die geltenden Gesetze anzuwenden. Er sprach die Limmattaler Hundetrainerin wegen Übertretung des Hundegesetzes schuldig. Im Gegensatz zum Dietiker Statthalteramt, das die über 60-jährige Frau bereits im Herbst 2012 mit 500 Franken gebüsst hatte, verzichtete das Bezirksgericht auf eine Strafe und liess es bei einem Verweis bewenden. Sie muss infolge des Schuldspruchs einzig die Gerichtskosten von 700 Franken tragen.

Die Hundetrainerin war indes kein unbeschriebenes Blatt. So hatte ein Hund von ihr im Juli 2011 in einem Stadtzürcher Waldgebiet einen Zwergpudel zu Tode gebissen und auch dessen Besitzerin verletzt. Kurz darauf liess die Limmattalerin ihren bissigen Vierbeiner einschläfern. Am 30. August 2011 kassierte sie einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung. Keine zehn Tage nach dem Strafbefehl wurde die Hundetrainerin erneut in ein Strafverfahren verwickelt. Diesmal war sie am Nachmittag mit zwei Hunden am Limmatuferweg in Dietikon unterwegs.

Die Labrador-Dogge und die weibliche Malinois waren nicht angeleint. Plötzlich tauchte eine Gruppe mit angeleinten Hunden auf, worauf die Lage laut Strafbefehl eskalierte. So gingen die beiden Hunde der Beschuldigten auf einen Cocker Spaniel los und bedrängten diesen massiv. Es kam zu einem Gerangel. Wobei die Hundetrainerin laut Anklage weder verbal noch aktiv in die Situation eingriff. Zum Schluss flüchtete der Cocker Spaniel die Uferböschung hinunter in die Limmat. Als er zurückkehren wollte, wurde er erneut angegriffen. Erst danach konnte die Beschuldigte ihre Hunde endgültig an die Leine nehmen. Zu spät. So wurde sie von der schockierten Gegenseite verzeigt.

Freispruch verlangt

Vor Gericht sagte die Beschuldigte, dass sie sich korrekt verhalten habe. Sie räumte indes ein, dass es zu einem Gerangel gekommen sei. Wegen eines Gesprächs mit einer Passantin habe sie aber nicht bemerkt, wie es dazu gekommen sei. Auch ihr Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch. Er verwies auf eine Vorgeschichte. So hätte die Anzeige-Erstatterin und Besitzerin des Cocker Spaniels von der Vorstrafe der Beschuldigten gewusst und sei bei ihrem Anblick nervös gewesen, was sich auf den Cocker Spaniel übertragen habe. Darauf sei dieser zum Auslöser der Rangelei geworden. Die spätere Strafanzeige erklärte sich der Anwalt mit Neid und Bestürzung der geschädigten Hundehalterin.

Er forderte auch einen Freispruch, da kein Tier verletzt worden sei. Das Gericht kam zum Schuldspruch und hielt fest, dass schon eine Belästigung eines Tieres ausreiche. Es stützte sich sogar auf die Darstellungen der Beschuldigten. Diese habe nicht genau gesehen, was vor der Rangelei passiert sei, erklärte der Richter. Die Beschuldigte habe sich nicht darauf verlassen dürfen, dass nichts passiere. Das Delikt sei mit einer Parkbusse zu vergleichen. Deswegen sah das Gericht von einer Bestrafung ab.