Fünf Schlieremer Firmen erhielten gestern viel Besuch: Denn der 15. Tag der Wirtschaft startete mit Firmenbesichtigungen. Eine davon fand bei Lumentum Switzerland AG statt. Diese stellt Ultrakurzpulslaser her. Und sie hat die von der Uitiker Physikerin und ETH-Professorin Ursula Keller gegründete Firma Time-Bandwidth Products aufgekauft.

Keller, die 2018 den europäischen Erfinderpreis gewonnen hatte, nahm denn auch an der Podiumsdiskussion im Schlierefäscht-Event-Zelt teil. Diese drehte sich um Innovation. «Die Zukunft beginnt heute!», lautete das Motto.

«Für grosse Firmen ist es schwierig, das Innovationspotenzial umzusetzen. Darum brauchen wir eine Kultur von Start-up-Firmen. Es muss richtig brodeln», antwortete Keller auf die Frage von Moderatorin Regula Elsener, was es brauche, um für die Zukunft bereit zu sein. In Schlieren rennt Keller offene Türen ein. Denn hier brodeln viele Start-ups.

«Ein Unternehmen ist dann bereit für die Zukunft, wenn es realisiert, dass es unbedeutend oder nicht mehr da ist, wenn es in zehn Jahren immer noch so arbeitet wie heute», ergänzte der Mediziner, Komiker und Mitglied des Advisory Board von Swiss Healthcare Start-ups, Fabian Unteregger. Auch sei Zusammenarbeit wichtig. «Die grossen Firmen können den kleinen Stabilität geben und die kleinen können den grossen den nötigen Drive geben.»

Veronica Lange, Chief Digital Office bei UBS, betonte, wie wichtig es ist, sich überhaupt mit der Zukunft auseinanderzusetzen. Doch es gibt Hürden. «Menschen denken nicht exponentiell, sondern linear. Es ist unheimlich schwer einzuschätzen, wann der aufsteigende Moment für eine neue Lösung oder Technologie beginnt.» Denn oft gehe es um Innovationen, von deren Möglichkeit man schon lange gehört hat. «Aber man weiss nicht, wann es so weit ist. Und plötzlich kommt einer und setzt die Puzzlesteine richtig zusammen. Das war zum Beispiel beim iPhone so. Das war keine neue Technologie, sondern die geschickte Kombination bestehender Technologien», so Lange. Man müsse stets beobachten, am Ball bleiben und neue Dinge ausprobieren – und sich überlegen, welchen Einfluss Innovationen aufs eigene Geschäftsfeld haben könnten.

Mit dem Lötkolben in den Kinderhänden fängt es an

Das sieht auch Claudia Pletscher so. Die Leiterin Entwicklung und Innovation bei der Post plädierte dafür, den Kunden ins Zentrum zu stellen; dessen Bedürfnisse und dessen Verhalten änderten sich ständig. «Es braucht direkten Kontakt mit den Kunden und eine schonungslose Selbstanalyse», so Pletscher.

Fabian Unteregger plädierte zudem dafür, das Stigma des Scheiterns hinter sich zu lassen. Als er sein ETH-Diplom erhielt und sich als Komiker selbstständig machen wollte, hätten 99 Prozent der Leute gedacht, das funktioniere nicht. «Je mehr Leute aber etwas probieren und zeigen, dass es funktioniert, desto mehr können wir die Nein-Sager und Verhinderer überzeugen.»

Keller wies zudem auf die Rolle der Ausbildung hin. Wenige würden sich für den Mint-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) interessieren. «Heute haben ja viele Kinder noch nie einen Lötkolben in der Hand gehabt» sagte sie. Man müsse in der Primarschule ansetzen, damit die Kinder wissen, für was sie Mathematik lernen und was ein Ingenieur arbeitet.

Begrüsst wurde das volle Zelt vom Schlieremer Stadtpräsident Markus Bärtschiger, der sich zudem mit einer Flasche Weininger bei Regierungsrat Ernst Stocker für dessen Einstiegsreferat bedankte. Nachdem Unteregger von seiner Start-up-Experten-Rolle in die Komiker-Rolle geschlüpft war, klang der Tag der Wirtschaft mit einem Apéro aus, ehe sich die Teilnehmenden in die Festmeile und zu den Konzerten verabschiedeten. Schon beim Apéro konnten sie zur kleinen Bühne schauen und dem Auftritt der Schwyzerörgeler vom Föhrewäldli lauschen.