WM-Final
Vor dem WM-Highlight: Beim Trikot enden die Gemeinsamkeiten

Der Deutsche Volker Merz und der Argentinier Rolando Baumann fiebern mit Familie und Freunden vor dem Fernseher mit. Beide sind optimistisch, dass sie nach Abpfiff morgen werden jubeln können.

Carla Stampfli
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Volker Merz (links) lädt seine Schweizer und deutschen Freunde nach Hause ein. Rolando Baumann verfolgt mit der Familie und einem Asado das Endspiel.

Volker Merz (links) lädt seine Schweizer und deutschen Freunde nach Hause ein. Rolando Baumann verfolgt mit der Familie und einem Asado das Endspiel.

Carla Stampfli

Das Highlight der Fussballweltmeisterschaft steht kurz bevor, morgen Abend kämpfen Argentinien und Deutschland um den Titel. Ob beim Public Viewing (siehe Box), mit Freunden oder der Familie, viele werden der einen oder der anderen Nationalmannschaft die Daumen drücken — so auch der Deutsche Volker Merz und der Argentinier Rolando Baumann, die jeweils mit ihren Liebsten das WM-Finalspiel verfolgen werden.

Public Viewings im Limmattal: 13 000 Fans auf dem Kirchplatz

Die WM in Brasilien neigt sich dem Ende zu. Die Organisatoren der Public Viewings in Dietikon, Schlieren und Urdorf ziehen aber jetzt schon Bilanz.
«Wir sind positiv überrascht», sagt Wayne van Rooyen, Geschäftsführer der Alpenrock Betriebs AG, die gemeinsam mit der Stadt Dietikon das Public Viewing auf dem Kirchplatz organisiert. Rund 13 000 Fans hätten bislang bei den Spielen im überdachten WM-Areal mitgefiebert. Am besten seien die Partien der Schweiz, von Italien, Deutschland oder Brasilien besucht worden. Rund eine halbe Tonne Pommes frites hat das Catering in den vier Wochen unter die Besucher gebracht. «Zum Trinken war vor allem Bier und Caipirinha gefragt», sagt van Rooyen. Auch die «Böllebar» in Urdorf hat bei den Fans Zuspruch gefunden.

«Wir sind zufrieden», sagt OK-Mitglied Michael Pauli. Je nach Wetter hätten zwischen 120 bis 800 Besucher die WM-Partien im Festzelt beim Zentrum Spitzacker verfolgt. «Vor allem die Spiele der Schweizer waren stets gut besucht». Gleich erging es der «Sommerbeiz» auf dem Stadtplatz in Schlieren. Rund 400 Fussballbegeisterte hätten bei der Schweizer Nati jeweils mitgefeiert. «Nach dem Ausscheiden haben wir jedoch grosse Einbussen hinnehmen müssen», sagt Marco Lazri, Geschäftsführer der «Sommerbeiz». (ces)

«Argentinien darf man nicht unterschätzen», sagt Volker Merz, der seit sechs Jahren mit seiner Frau und seinem Sohn in Birmensdorf lebt. Der 33-Jährige glaubt, dass der Final bis zum Schluss spannend bleiben wird. Denn: «Die Argentinier haben noch eine Rechnung offen», sagt Merz lachend und verweist auf die WM von 2010, bei der die deutsche Nationalmannschaft Argentinien im Viertelfinal mit 4:0 besiegt hat.

Der Mittelfeldspieler des FC Birmensdorf wird das Endspiel bei sich zu Hause gemeinsam mit Schweizer und deutschen Freunden verfolgen. «Hoffentlich werden wir jubeln», fügt er mit einem Schmunzeln an.

Stimme ist noch immer heiser

Auch für den Argentinier Rolando Baumann ist der Platz auf dem Sofa bereits fix gebucht. Er wird mit seiner Frau, seinen beiden Kindern und Verwandten vor dem Fernseher in Schlieren mitfiebern. «Falls Argentinien gewinnen sollte, wäre das eine Überraschung», sagt der 33-Jährige. Denn die Deutschen hätten mit dem 7:1-Sieg über Brasilien doch ein klares Zeichen gesetzt.

«Wenn wir das deutsche Mittelfeld durchbrechen können», so der Offensivspieler des FC Urdorf, dann sei die Partie offen. «Oder wir holen Maradona!», ruft Sohn Leo in die Runde. Für den 9-Jährigen gibt es keine Zweifel: Argentinien wird Weltmeister.

Sowohl Merz als auch Baumann haben fast alle WM-Spiele mitverfolgt. Der Argentinier hat während der Vorrunde gar Ferien bezogen. «Ich wäre sonst zu müde bei der Arbeit erschienen», sagt Baumann. Seine Familie sei eben fussballbegeistert — das zeigt sich auch an seiner Stimme, die nach dem Halbfinalsieg gegen Holland noch immer heiser ist. «Ja, wir haben laut gefeiert», sagt er lachend.

Beim Jubeln habe sich seine Frau sogar den Fuss verletzt. Auch Merz ist mit Vollblut dabei. «Die Emotionen gehen doch hoch», sagt er. Denn als Fussballspieler könne er sehr gut nachvollziehen, wie sich die Mannschaft in gewissen Situationen fühle.

Mitgefühlt hat die Familie Merz auch mit der Schweizer Nationalmannschaft; stets im rot-weissen Trikot gekleidet, hat sie sich alle Spiele der Nati angeschaut. «Wir hätten gern gehabt, dass sie weiterkommt», so der Deutsche. Auch Baumann, dessen Grossvater Schweizer war, findet es schade, dass die Schweizer im Achtelfinal gegen «seine» Mannschaft ausgeschieden sind. «Ein Teil von mir war traurig», sagt er.

Das Trikottragen ist Pflicht

Nichtsdestotrotz fiebern Rolando Baumann und Volker Merz dem Final von morgen Abend entgegen. «Falls es das Wetter erlaubt, grillieren wir im Garten», sagt Volker Merz. Spezielle deutsche Kost wird dabei aber nicht aufgetischt. «Dafür sind wir zu integriert», sagt der Wahl-Birmensdorfer lachend.

In Schlieren hingegen wartet auf die fussballbegeisterte Familie ein Finalabend mit Asado, einer traditionellen argentinischen Grillmahlzeit. Andere Rituale gebe es aber nicht, sagt Baumann und hält kurz inne. Doch, so der 33-Jährige, eine gebe es: «Nur mit einem Trikot kommt man in die Wohnung.»