Gestern hat das Bezirksgericht Dietikon seine Verhandlungstätigkeit wieder aufgenommen. Und schon der zweite Fall handelte von einem Ereignis auf der Autobahn, die jeder und jede kennt. Involviert waren zwei BMW-Lenker. Eine Aargauerin und ein Mann aus einer baden-württembergischen Grenzgemeinde am Rhein. Der 21-Jährige war unterwegs in Fahrtrichtung St. Gallen, als die Frau vor ihm verkehrsbedingt stark abbremsen musste. Also reagierte er und bremste ebenso.

Sodann stellte sich aber die Frage, ob er früh genug abgebremst hatte. Denn die Frau ist überzeugt, dass der BMW des Mannes das Heck ihres BMWs touchiert hat. Auch einen «Knall» will sie gespürt haben – so hatte sie es zur Polizeipatrouille gesagt, die nachher dazugerufen wurde.

Doch der Lenker des hinteren Wagens sah das anders: Mindestens einen halben Meter Abstand habe er auch nach dem Bremsen noch gehabt, gab er gestern gegenüber dem Einzelrichter Bruno Amacker an. Nach dem Bremsen wollte er weiterfahren. Aber die Frau gab ihm per Handzeichen zu verstehen, dass er ihr auf den Pannenstreifen folgen solle. «Als sie ausstieg, hatte sie schon das grüne Unfallprotokoll in der Hand. Ich habe mich geweigert, dieses auszufüllen», so der Beschuldigte. Auch die Tochter der Aargauerin sei ausgestiegen: «Sie sagte ihrer Mutter, sie soll keinen Aufstand machen.» Klar ist: Man entschloss sich, zur Klärung die Polizei zu rufen.

Die Spur war silbern

Diese untersuchte das Heck des vorderen und die Front des hinteren Autos. Dellen fand sie keine – aber Mikrospuren, die sie zur Untersuchung an das Forensische Institut Zürich weiterleitete. Dieses kam zum Schluss, dass es sich bei den Mikrospuren am Heck des vorderen BMWs um silberne Farbsplitter handelte. Diese waren vom gleichen Material wie der silberne Rahmen des Nummernschildhalters des hinteren Autos. Es müsse daher zu einer Spurenübertragung respektive einem Kontakt zwischen den beiden Autos gekommen sein – so zitierte das Dietiker Statthalteramt in seinem Strafbefehl das Fazit des Forensischen Instituts. Das Statthalteramt bestrafte den Autofahrer mit 250 Franken Busse wegen mangelnder Aufmerksamkeit, deretwegen er zu spät bremste und somit sein Fahrzeug nicht beherrschte. Dies ist eine Verkehrsregelverletzung. Zur Busse hinzu kamen 250 Franken Gebühren und 280 Franken forensische Kosten.

Der Beschuldigte argumentierte gestern, dass viele Autos mit silbernem Nummernschildhaltern unterwegs sind. Deshalb müssten die Farbsplitter nicht zwingend von seinem Nummernschildhalter stammen. Darauf wies auch sein – aus Deutschland erschienener und in der dort üblichen Anwaltsrobe gekleideter – Verteidiger hin. Das Gericht anerkannte dies zwar. «Aber wir erachten diese Möglichkeit als nur theoretisch», sagte Amacker. Es gebe keine vernünftigen Zweifel daran, dass die Splitter vom Nummernschild des Beschuldigten stammten. Denn nicht nur Farbe und Material stimmten überein, sondern auch die Höhe des Nummernschildes mit jener der Mikrospuren auf dem Heck – also fast: Der Unterschied von wenigen Zentimetern rührte daher, dass sich das hintere Auto beim Bremsen vorne etwas absenkte.

So bestätigte das Gericht den Entscheid des Statthalteramts. «Es ist zwar zu einer minimen, aber doch zu einer Berührung gekommen», sagte Richter Amacker. Zu den 780 Franken, die das Statthalteramt dem Unfallverursacher auferlegte, kommen nun noch 600 Franken Gerichtsgebühr hinzu. So weit also der zweite Dietiker Gerichtsfall im Jahr 2018.

Anderer Beschuldigter erschien nicht

Der erste Gerichtsfall des Jahres hingegen wurde gestern nicht verhandelt, da der Beschuldigte nicht auftauchte. Dieser soll im rechten Limmattal unter anderem mehrere Gebäude besprayt, also Sachbeschädigung begangen haben. Er wird erneut vorgeladen, auf dass die Verhandlung in den nächsten Monaten stattfindet.