Gastronomie

Von wegen «Beizlisterben»: Drei Lokale erleben ihren zweiten Frühling

Der «Löwen» in Weiningen.

Der «Löwen» in Weiningen.

Im Limmattal öffnen gleich drei Traditionslokale ihre Türen mit neuem Anstrich und neuen Besitzern – der Tendenz zum Trotz. Dabei wird auf neue und alte Stammkunden und auf gutbürgerliche Küche gesetzt.

Viele Landgemeinden beklagten in den vergangenen Jahren das Phänomen «Beizlisterben». Vornehmlich kleine Betriebe sehen sich dort oft in ihrer Existenz bedroht. Zwischen 2000 und 2013 schlossen in kleineren Gemeinden der Schweiz 25 Prozent der Gastrobetriebe, wie eine Erhebung der «Schweiz am Sonntag» aus dem Jahr 2013 zeigte.

Dass es auch anders geht, zeigt sich derzeit im Limmattal. Gleich drei traditionsreiche Lokale stehen kurz vor der Wiedereröffnung oder empfangen bereits seit einigen Wochen wieder Gäste. Eine Übersicht.

«Bahnhöfli» in Urdorf

Während 21 Jahren wurde das Traditionslokal von Wirt Otti Büchler betrieben, bis im Oktober 2013 Schluss war. Seit Ende November haben die Urdorfer das «Bahnhöfli» nun zurück. Eine alte Bekannte hat sich der Gastwirtschaft angenommen: Ursula Beutler.

Gemeinsam mit ihrer Schwester Silvia Steiner bewirtet sie ihre Gäste. Dabei ist es für Beutler eine Rückkehr zu ihren Wurzeln. Denn: «Bereits in den 1970er-Jahren arbeitete ich hier als Serviertochter», sagt sie. Während Jahren führte das Schwesternpaar das «Föhrewäldli» in der Fahrweid.

Unstimmigkeiten mit der Gemeinde führten jedoch zum Bruch, worauf Beutler und Steiner einen Neuanfang auf der anderen Seite der Limmat wagten. Dem Lokal verpassten sie einen neuen Anstrich, ein neues Interieur.

Mit sechs Mittagsmenus buhlen sie nun in Urdorf um Kundschaft, am Abend servieren sie Menus à la carte. «Wir setzten auf regionale Frischprodukte, die wir zu gutbürgerlichen Gerichten verarbeiten», so Beutler. Den Kunden gefalle es: «Die Urdorfer Stammkunden, sind froh, dass sie im ‹Bahnhöfli› wieder einen Treffpunkt haben», sagt sie. Doch auch Stammkunden des «Föhrewäldli» fänden regelmässig den Weg ins «Bahnhöfli».

Das «Bahnhöfli» in Urdorf.

Das «Bahnhöfli» in Urdorf.

«Löwen» in Weiningen

Genau seit dem 1. April brüllt auch der Weininger Löwe wieder. Das Traditionslokal «Löwen» öffnete seine Türen unter der Führung von Holenstein Gastro, nachdem das Lokal Ende Januar geschlossen wurde. «Die Leute haben darauf gewartet, dass das Lokal wieder öffnet», sagt Nicole Rallo-Holenstein, Sprecherin der Holenstein Gruppe.

Unter anderem betreibt die Gruppe auch die Bierhalle Wolf im Stadtzürcher Niederdorf oder das Wädenswiler Restaurant Du Lac. Zwar wurde das Weininger Lokal weder umgebaut noch das Mobiliar ausgewechselt, doch habe man die Räume mit einem neuen Anstrich und kleinen Handgriffen aufgefrischt, sagt sie.

Kulinarisch setzt Holenstein auf traditionelle gutbürgerliche Küche. Im Sommer gibt es Fleisch vom Grill, im Winter steht Fondue zuoberst auf der Karte. Dass Restaurants in ländlichen Gebiete keinen einfachen Stand haben, dessen ist sich Rallo-Holenstein bewusst. «Doch ist es derzeit nirgends einfach, ein Restaurant zu eröffnen. Wir hoffen, dass die Stammkundschaft des alten ‹Löwen› wieder den Weg zu uns findet», sagt sie.

«Waldesruh» in Uitikon

In Uitikon geht voraussichtlich Anfang Mai das Restaurant Waldesruh bei der SZU-Haltestelle Uitikon-Waldegg wieder auf. Neu wird es jedoch «Waldesruh da Daniele» heissen. Dem neuen Geschäftsführer und Koch, Daniele Pagliei, ist klar, dass er eine Uitiker Institution übernommen hat.

Daher habe er sich dazu entschieden, den Namen beizubehalten, wenn auch leicht abgeändert, sagt Pagliei. Derzeit ist er mit den Umbauarbeiten beschäftigt. Das Lokal für rund 150 Gäste mit Innen- und Aussenplätzen soll schlicht daherkommen: «Kein Schnickschnack bei der Dekoration. Der Fokus liegt auf dem guten Essen», sagt er.

Bereits seit sechs Jahren betreibt Pagliei das Restaurant «Paneolio» nahe des Bahnhofs Wiedikon in Zürich. Kulinarisch erwarten seine Uitiker Gäste italienische Spezialitäten. Burrata pugliese (apulischer Kuhmilchkäse) und Bistecca Fiorentina (Rindfleisch nach florentiner Art) seien die Steckenpferde der Menükarte.

Das «Waldesruh» in Uitikon.

Das «Waldesruh» in Uitikon.

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