Nicht die Kirchpflege, nicht die Freunde und auch nicht die Presse. Niemand hat bisher das Buch des Urdorfer Pfarrers Max Kroiss gelesen. «Da bleibe ich strikt», sagt der gebürtige Bayer und verfällt anschliessend in ein ansteckendes Kichern, sein Markenzeichen.

Heute nach der Messe feiert er Buchvernissage seines Werkes «Eine junge Pfarrei von 1960 mit alten Wurzeln aus 1173». Es wird anschliessend gratis an Interessierte der Kirchgemeinde abgegeben.

Nach der Quintessenz seines Buches über die Katholiken Urdorfs gefragt, verweist Max Kroiss darauf, dass die Vergangenheit die Grundlage dessen sei, was wir heute sind. Mit vielen kleinen Anekdoten, er nennt sie Fussnoten, will der Pfarrer geschichtliche Geschehnisse illustrieren.

Pfarrer Max Kroiss erzählt über die Grundsteinlegung der Kirche Urdorf

Pfarrer Max Kroiss erzählt über die Grundsteinlegung der Kirche Urdorf

So beschreibt er, wie Rudolf von Habsburg im 13. Jahrhundert entlang der Reppisch am Killersteig auf einen Priester traf, der auf dem Weg zu einer letzten Ölung war. Dem Priester war jedoch der Weg versperrt, da die Reppisch über die Ufer anschwoll, worauf Rudolf von Habsburg ihm sein Pferd zur Überquerung des Flusses anbot. Die Auswirkungen dieses Aufeinandertreffens ziehen ihre Kreise weit über die Schweiz hinaus. «Diese Geschichte dient zum Vorbild der Eucharistieverehrung der Habsburger», erklärt der Pfarrer.

Mit Ankdoten gespickt

Als Quelle für sein Buch diente Max Kroiss einerseits das Pfarrblatt. Aber auch Erlebnisberichte fanden den Weg in das 200 Seiten umfassende Werk. So berichtet beispielsweise Nelly Boche-Huwyler, wie sie den Bau der katholischen Kirche erlebte. Mit der Beteiligung ihres Vater Joseph Huwyler, der in den 1950er-Jahren in der Kirchpflege war, kam der Bau zustande. «Es ist lustig, dass sie damals als Kind Briefe für den Bischof, in denen um Bewilligungen ersucht wurde, zur Post bringen musste.» Solche Anekdoten machen die Geschichte unterhaltsam, meint er.

Pfarrer Max Kroiss erzählt vom Verschwinden von Kreuzen.

Pfarrer Max Kroiss erzählt vom Verschwinden von Kreuzen.

Doch auch wie die Urdorfer Katholiken vor dem Bau der Kirche ihre Messe abhielten, schildert Max Kroiss ausgiebig. So seien die katholischen Arbeiter aus der Innerschweiz zunächst nach Dietikon oder Altstetten zur Messe gegangen. «Pfarrer Marbach richtete dann jedoch an der Schönheimstrasse einen Keller her.» Leider gebe es von den dortigen Gottesdiensten keine Fotos mehr.

Was Max Kroiss traurig stimmte, war der Umgang der Kirche mit ihren Kunstwerken während der ersten Jahrzehnte. So seien während dieser Zeit zwei Chorkreuze und ein Eisenkreuz von Albert Wider aus der Marienkapelle, ein von Joseph Huwyler gestiftetes Holzkreuz und ein Barockkreuz von Pfarrer Marbach verschwunden. «Was mit diesen Werken passierte, weiss ich nicht. Sie sind unauffindbar, was sehr schade ist», so Kroiss. Dies dürfte die einzige wertende Aussage sein, die das Buch enthält. «Ich habe mein Bestes gegeben, um die geschichtlichen Ereignisse so objektiv wie möglich wiederzugeben.»

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