Theateria Dietikon
Von Pussyhats und Liebestropfen: «Goccia d’amore» feierte im Stadtkeller Première

Im Stadtkeller fand am Sonntag die Première des komödiantischen Liederabends «Goccia d’amore» der Theateria Dietikon statt. Die Stimmen aus dem Publikum waren gestern mehrheitlich positiv.

Tobias Bolli
Merken
Drucken
Teilen
Feierten Première: Thomas Lutz, Heidi Christen und Stefan Baier (von links).

Feierten Première: Thomas Lutz, Heidi Christen und Stefan Baier (von links).

Tobias Bolli

Im Kapuzenpullover stolpert er auf die Bühne, ruft nervös und halb in Panik nach seiner Mitschauspielerin. «Unfassbar!», schreit er. Sie solle endlich anrücken, die anderen beiden ebenso, schliesslich gelte es, das neue Stück einzuüben. Weit weniger hektisch betreten dann auch die verbleibenden Mitwirkenden die Bühne – und beginnen vor versammeltem Publikum über ihren Auftritt nachzudenken.

Bei diesem handelte es sich um die Première des komödiantischen Liederabends «Goccia d’amore». Scheinbar ausserhalb des Stücks, befand man sich doch schon innerhalb desselben, und durfte belustigt miterleben, wie nach und nach sein eigenes Entstehen in Szene gesetzt wurde. Grosse Pläne werden da geschmiedet. Die Première solle schliesslich Wirkung zeigen, Begeisterungsstürme nicht nur im Dietiker Stadtkeller auslösen.

Die Inspiration für den entscheidenden Auftritt lieferte dann «Goccia d’amore», der titelgebende Rotwein. Nicht weniger als eine Partei solle gegründet werden und gleich die Initialen des Tropfens tragen: GDA – «Geh da» – eine Partei, die für einen dynamischen, hochenergetischen Sprung in die Zukunft steht.

Frauen an die Macht

Es solle ganz um die Frau gehen, verkündete Stefan Baier, der zusammen mit Heidi Christen und Thomas Lutz das Nicht-Schauspielern schauspielerte und von Andreas Wilhelm bei den Liedpassagen begleitet wurde. Und so wurde denn - wenn auch zunächst unter männlicher Ägide – das Stück im Stück in Angriff genommen.

Stefan Baier, der federführend bei dieser Produktion war, beschreibt sich selbst als «kreativen Tausendsassa». Seit 25 Jahren leitet er Theaterprojekte, die vor allem Kinder und Jugendliche zum kreativen Austausch anregen sollen. Gerade das gemeinsame Schauspielern könne Menschen mit verschiedenen Hintergründen zusammenbringen und zu einer immensen gegenseitigen Bereicherung führen.

In «Goccia d’amore» gibt Baier einen Charakter, dem vor allem an sich, wenig an anderen, und am wenigsten an der einzigen Frau auf der Bühne gelegen ist. So sperrt er sich gegen den Gedanken, dass eine Partei für die Frauen auch von einer Frau angeführt werden könnte. Zuletzt aber lässt auch er sich einen Pussyhat überstülpen, jene rosafarbene Wollmütze, die zum Protestsymbol gegen Sexismus wurde.

«Verblüffend authentisch»

Die Stimmen aus dem Publikum waren gestern mehrheitlich positiv. «Ich finde es grossartig, wie sie aktuelle Themen aufnehmen», sagt Patrizia Bleiker aus Oberengstringen. Lobenswert findet sie auch die Schauspielkünste des Trios: «Sie wirken verblüffend authentisch auf der Bühne. Man vergisst, dass hier geschauspielert wird.»

«Goccia d’amore»: Nächste Aufführung am 15. Dezember um 20 Uhr in der Theateria an der Holzmattstrasse in Dietikon.