«Alte Männer und ihre verrückten Pläne,» sagt Astrid Huber mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht. Noch vor wenigen Minuten war sie mit Gartenarbeit hinter dem Birmensdorfer Einfamilienhaus beschäftigt, nun lehnt sie sich im Wohnzimmer mit verschränkten Armen über einen Stuhl und hört sich an, was ihr Ehemann in den kommenden zwei Jahren vor hat.

Und das ist beileibe nicht wenig: Diese Woche wird der ehemalige Tierarzt Alfred Huber sein Fahrrad und Hund Dimitri den dazugehörigen Anhänger besteigen und irgendwann Mitte 2018 bei den Stränden des Cape Agulhas – dem südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents – ankommen. Der langjährige Rotarier wird auf seinem Weg bei verschiedenen regionalen Klubs von Rotary International Halt machen, um Geld für ein Rotary-Schulprojekt in Südafrika zu sammeln.

Fragt man Huber, wie er darauf kam, dieses Unterfangen auf sich zu nehmen, führt er einige Beweggründe ins Feld. Er besuchte Ende der Nullerjahre das Schulprojekt eines Schlieremer Rotarierfreundes in Südafrika: «Dies hat mir stark imponiert.» Und die Strapazen einer Velofahrt? «Ich bin eigentlich kein grosser Velofahrer», sagt er unverblümt. In jungen Jahren fuhr er mit seiner Frau per Zweirad nach Spanien. Diese Reise habe er in guter Erinnerung, im Alltag nutze er das Fortbewegungsmittel jedoch kaum.

Vom Nordkap nach Birmensdorf

Den ersten Härtetest bestand Huber mit Bravour: Zwischen vergangenem Mai und November absolvierte er die erste Etappe, die sich über 7500 Kilometer vom Nordkap nach Birmensdorf erstreckt. Weil in seiner Praxis Not am Mann war, musste er die Arbeit nach seiner Rückkehr wieder aufnehmen. Nun ist die Nachfolge mit zwei Tierärztinnen geregelt und Huber mit den Gedanken schon woanders. Womöglich in den Tropenwäldern des subsaharischen Afrikas. Als begeisterter Ornithologe verbringt er viel Zeit in der Natur, um die unterschiedlichsten Vögel zu beobachten.

Die Route von Alfred Huber – in zwei Jahren will er wieder in der Schweiz sein

Die Route von Alfred Huber – in zwei Jahren will er wieder in der Schweiz sein

Astrid Huber ist froh, auf dieser Reise nicht dabei zu sein. Sie sagt dies zwar nicht, doch steht es ihr ins Gesicht geschrieben. «Ich interessiere mich eben neben der Natur auch für Städte und deren kulturelles Angebot», sagt sie und fügt an, dass ihr Mann diese hingegen gerne umfahre, um mehr Zeit in der Natur zu verbringen.

Sie begleitete ihn im vergangenen Mai mit einem Occasion-Camper ans Nordkap, wo das Abenteuer für Ehemann und Familienhund startete. Lediglich vier Fixpunkte, wo es ein Wiedersehen geben sollte, waren vereinbart: Tallinn, Prag, Dresden und Göppingen musste Huber zu bestimmten Daten erreichen, ansonsten war er in seiner Routenwahl vogelfrei.

«Vor allem die ersten Wochen waren intensiv. Von den 34 Tagen, die ich in Finnland unterwegs war, regnete es lediglich an einem nicht», sagt Huber. Da habe er hin und wieder an seinen Plänen gezweifelt. Genächtigt wurde auf Zeltplätzen – in Ausnahmefällen auch im Hotel. Dies gestaltete sich in Russland jedoch schwieriger, als ursprünglich gedacht. In St. Petersburg beispielsweise brachte Huber Stunden mit der Suche nach einem hundefreundlichen Hotel zu. «Doch in keinem war Dimitri als Gast erwünscht», sagt er.

Mitten in der Nacht habe er auf einer Parkbank sitzend via Whatsapp seine Frau und seine vier Kinder darüber unterrichtet, dass er nun wohl seine erste Nacht in einer öffentlichen Grünanlage verbringen werde. «Nach nur wenigen Minuten antwortete meine jüngste Tochter, dass sie im Internet ein Hotel gefunden habe, wo auch Dimitri willkommen sei, und sie mir sogleich ein Zimmer reserviert habe. Mit dem Velo sei es nur zehn Minuten von mir entfernt, teilte sie mir mit», so Huber lachend. Seine Erlebnisse an den verschiedenen Stationen von Norwegen über Russland bis nach Polen und Deutschland veröffentlichte er auf seiner Website.

Machen sich die Zuhausegebliebenen keine Sorgen um ihren Ehemann und Vater? «Durch unseren Whatsapp-Familien-Chat sind wir in regem Kontakt», so Huber. Für die anstehende Durchquerung des afrikanischen Kontinents sei aber mehr Anspannung zu vernehmen, als dies während der ersten Hälfte seiner Weltreise der Fall war.

Unklares Wiedersehen

Zudem weiss die Familie nicht, wann sie ihr Oberhaupt das nächste Mal sehen wird. Zwar werden alle vier Kinder wie auch Astrid Huber ihn – zumindest für gewisse Strecken – bis zum Schwarzen Meer per Camper begleiten. Für danach besteht jedoch die Möglichkeit, dass das nächste Wiedersehen erst in zwei Jahren stattfinden wird. «Er ist kein grosser Planer», sagt Astrid Huber.

«Es wird sicherlich hie und da eine Gelegenheit geben, sich zu treffen.» Seit ihr Mann davon abgesehen hat per Velo durch Syrien zu fahren und stattdessen eine Fähre zwischen der Türkei und dem ägyptischen Port Said nutzen will, schlafe sie ein wenig ruhiger. Wie es danach weitergehen wird, weiss Alfred Huber noch nicht. «Ich verlasse mich auf den gesunden Menschenverstand, wenn es um die Durchquerung von Wüste und Urwald geht», sagt er.

Einzig ein Fixpunkt während dieser Etappe ist bisher vorgesehen: Anfang Mai wird ein Rotariertreffen am österreichischen Achensee stattfinden, dort wird Huber auf seine Wohltätigkeitsweltreise aufmerksam machen, indem er wiederum die Spendentrommel rührt.