In einem Spital sei es keine Frage, ob Kunst am Bau sein könne – diese müsse vielmehr sein, sagte Markus Bärtschiger am Mittwochabend. Der Präsident des Verwaltungsrates des Spitals Limmattal und Schlieremer Stadtpräsident (SP) verwies darauf, dass zwar primär Ärzte und Personal für die Gesundung der Patienten verantwortlich seien. Zur Heilung bedürfe es aber auch einer guten Umgebung, da spielten Kunst, Design oder Farben eine wichtige Rolle.

Deshalb bespielen die Verantwortlichen die kleinen, nicht begehbaren Innenhöfe im Neubau, die Licht in die Räume auf allen Etagen bringen, lustvoll und abwechslungsreich. Im Rahmen eines Wettbewerbes hatten die Einwohner des Limmattals ihre Vorschläge und Ideen einreichen können, wie sich die rund 10 auf 20 Meter grossen Höfe gestalten lassen.

Von den 42 Eingaben, die von Personen im Alter zwischen 12 und 89 Jahren gemacht wurden, haben nun Künstler und Fachleute drei aufgenommen und umgesetzt. Nun wurden diese Innenhöfe in Anwesenheit insbesondere der «Erfinder» und der «Umsetzer» eingeweiht.

Im Spital Limmattal sind drei nicht begehbare Innenhöfe eingeweiht worden (zwei weitere werden später gestaltet). Im Bild die "Erfinder" (Ideenlieferanten) und die "Umsetzer" (Künstler und Handwerker mit ihrem Team) der Innenhöfe. Hinterste Reihe Markus Bärtschiger (Verwaltungsratspräsident Spital Limmattal, Stadtpräsident Schlieren, SP).

Ungewohntes Bauen ohne Pläne

Mit der Idee einer «Chügelibahn» hätten sie Farbe, Bewegung und Verspieltheit in den Spitalalltag bringen wollen, erklärte Oliver Keller als Vertreter einer Kanti-Projektgruppe. Das reale Objekt erstellte dann Alain Schartner. Die Bahn entstand ohne Pläne, der professionelle Kugelbahnbauer aus Wettingen tüftelte und pröbelte beim Aufbau. Dies habe nicht allen restlos gepasst, erinnerte sich Bärtschiger. Einige Stellen, etwa die Feuerpolizei, hätten zunächst darauf beharrt, dass ein Plan vorgelegt werde.

Der Schlieremer Richard Peterhans hatte die Idee eines künstlichen Tannenwaldes eingereicht: Ein Begegnungsort wie der Wald strahle Ruhe aus, lade zum Verweilen und auch Vergessen ein, meinte er. Die bis sechs Meter hohen Metalltannen stammen vom Dietiker Jürg Bracher. Spitaldirektor Thomas Brack stiess zudem auf Holzfiguren von Rudolf Karrer aus Laufen-Uhwiesen, die nun ebenfalls im kleinen Innenhof stehen. «Dies passt gut zusammen», befand Peterhans.

Mit «Ruhe und Erholung» gegen den Alltagsstress der Spitalangestellten und die Sorgen von Patienten und Besuchern.

Mit «Ruhe und Erholung» gegen den Alltagsstress der Spitalangestellten und die Sorgen von Patienten und Besuchern.

Etwas anders als gedacht entwickelte sich der Vorschlag von Evgeniya Rohner. Die Urdorferin hatte ein «heilendes Farbenspiel» vor Augen – farbig beleuchtete Kugeln, die auf und ab schweben. Jürg Bracher hängte nun durchsichtige Glaskugeln fixiert im Innenhof auf. Viele Faktoren spielten bei der Umsetzung eine Rolle, sagte Bärtschiger.

Im Sonnenlicht schimmern sie farbig: Scheinbar frei schwebende Glaskugeln sorgen für ein «heilendes Farbenspiel».

Im Sonnenlicht schimmern sie farbig: Scheinbar frei schwebende Glaskugeln sorgen für ein «heilendes Farbenspiel».

So sei eine Beleuchtung schwierig, da Fremdlicht beispielsweise in den umliegenden Untersuchungszimmern stören könnte. Zudem landeten Helikopter auf dem Spitaldach; deren Abwinden müssten die Objekte in den Höfen auch standhalten. Was aus ihrer Idee wurde, begeistert Rohner: «Die Umsetzung mit den schimmernden Kugeln ist genial.»

Zwei weitere Innenhöfe stehen noch leer. Dort sollen die Ideen des Urdorfers Michael Hilf (Segelgarten) und der Geroldswilerin Tanya Böniger (Wäscheleine) verwirklicht werden.

Bei der Einweihung wurden die Innenhöfe von allen Seiten gelobt. Dennoch bezeichnete Bärtschiger die «Chügelibahn» als «Problem-Innenhof». Er sagte es aber schmunzelnd – denn das Problem ist, dass die Bahn derart beliebt ist.

Die Folge: Die Fenster zum Innenhof müssen deutlich häufiger als geplant gereinigt werden. «Es bleiben viele Abdrücke von Händen und Gesichtern an den Scheiben zurück», so Bärtschiger. Und dies nicht nur auf Kinderhöhe.