Schlieren
«Von dieser idyllischen Seite kennen Schlieren viele nicht – das ist schade»: Stadtführung durch den Dorfkern

Der ehemalige Stadtschreiber Peter Hubmann zeigt das alte Schlieren – er kennt es wie seine Westentasche.

Alex Rudolf
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Das Ortsmuseum hatte einst der Familie Meier gehört, wie sich Peter Hubmann erinnert.

Das Ortsmuseum hatte einst der Familie Meier gehört, wie sich Peter Hubmann erinnert.

Limmattaler Zeitung

In kurzen, prägnanten Sätzen berichtet Peter Hubmann, einer der Schlieren kennt wie kaum ein anderer, über das Alte Schulhaus gleich zwischen Stadthaus und Stürmeierhuus. Es sei um das Jahr 1600 etwa für 70 Schüler gebaut worden, erzählt er und blickt mit einem Lächeln zum kleinen Riegelbau hinüber. Heute wäre derart wenig Platz unvorstellbar. Hubmann führt morgen auf dem Rundgang «Das Zentrum - einst und heute» durch die Stadt. Erstmals seit den 1990er-Jahren hat Schlieren somit wieder eine Stadtführung. Den Auftrag dazu gaben der Freizeit Verein Vivat Schlieren und die Stadt Schlieren: «Es gibt viel zu sehen, was etwa Neuzuzüger nicht wissen über ihre Wohngemeinde», sagt Hubmann. Damit meint er etwa die drei Glocken bei der Reformierten Kirche, die versteckt hinter einer Hecke liegen. «Diese wurden überflüssig, da sich die Kirchgemeinde im Jahr 1937 zur Einweihung der neuen, grossen Kirche ein neues Geläut leistete. Offensichtlich war man finanziell so gut aufgestellt, dass der damalige Gemeinderat ein Einschmelzen verhinderte», so Hubmann. Der alte Ortskern rund um das Stürmeierhuus und das Stadthaus ist seine Lieblingsecke. «Von dieser idyllischen Seite kennen Schlieren viele nicht – das ist schade», sagt er.

Prioritäten lagen woanders

Nur wenige Meter weiter liegt das alte Pfarrhaus, das fast zeitgleich mit dem Alten Schulhaus gebaut wurde, jedoch als gemauerter Massivbau um ein vielfaches geräumiger und repräsentativer ist. «Daran sieht man sehr gut, wo die Prioritäten zu jener Zeit lagen», so Hubmann schmunzelnd. Den Kirchplatz gebe es in seiner heutigen Form seit 1985. Stadt und Kirche, denen jeweils Landstücke des Gebiets gehören, einigten sich damals darauf, einen einheitlichen, von der Stadt finanzierten Platz zu bauen, der allgemein zugänglich ist. «Zwar finden hier regelmässig Adventssingen, Herbstmarkt und verschiedene andere Aktivitäten statt, doch könnte er auch ein wenig mehr genutzt werden», sagt der Stadtführer.

An der Limmat aufgewachsen

Peter Hubmann sitzt in der von Toni Brühlmann-Jecklin präsidierten Kommission für Ortsgeschichte. Früher arbeitete er für die Stadt – erst als stellvertretender Gemeindeschreiber, dann während rund 25 Jahren als Schlieremer Stadtschreiber, bis er 2007 in den Ruhestand trat. Kennt er die Stadt daher wie seine Westentasche? «Das wäre wohl übertrieben, aber ich bin hier in Schlieren unweit der Limmat aufgewachsen und habe mich immer für die Stadt interessiert», sagt er. Auch seien während seiner langen Tätigkeit bei der Stadt alle bedeutenden Vorlagen in irgend einer Form über seinen Tisch gegangen. Neben ihm führen auch andere Persönlichkeiten wie etwa der ehemalige Stadtpräsident Peter Voser durch die Strassen Schlierens.

Den Stadtpräsidenten freuts

Interessierte können aber nicht nur das Zentrum genauer unter die Lupe nehmen. Es werden auch Führungen über den Schlierenberg und durch das Wagi-Areal angeboten. Weiter gibt es eine Stadtrundfahrt mit dem Velo. Für Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) ist es erfreulich, dass Schlieren nun endlich wieder über eine Stadtführung verfügt und verweist darauf, dass es als eine Integrationsmassnahme für Neuzuzüger gesehen werden könne. Denn: «Menschen identifizieren sich automatisch besser mit einem Ort, wenn sie dessen Geschichte kennen», sagt er.

«Ich habe mich immer für die Stadt interessiert.» Peter Hubmann, Schlieremer Stadtführer

«Ich habe mich immer für die Stadt interessiert.» Peter Hubmann, Schlieremer Stadtführer

Limmattaler Zeitung

Diese Geschichte sammelt sich unter anderem auch im Ortsmuseum, das von der Vereinigung Heimatkunde Schlieren betrieben wird. Hubmann weiss, dass das 1874 erstellte Gebäude von vier Generationen der Familie Meier bewohnt wurde. 1981 tauschten die Meiers das Gebäude gegen ein Stück Land im Stadtzentrum ein, doch hatten sie den Wunsch, dass keine andere Familie hier wohnen sollte. «Mit der Einrichtung eines Ortsmuseums konnten sie sich aber einverstanden erklären.»

Auch für Zusammenkünfte

Einen strikten Ablauf, worüber er an den Führungen sprechen wird, habe er nicht. «Zwar verfüge ich über einige Scripts des ehemaligen Stadtpräsidenten Heiri Meier, aber es kommt darauf an, wer an einer Tour teilnimmt. Hat es einige alteingesessene Schlieremer, sind auch diese eingeladen, ihre Erinnerungen zu teilen.»

Eine Führung dauert rund anderthalb Stunden und wird mit einem Apéro abgeschlossen. Die für Juni angesetzten Rundgänge wie auch die Velofahrt durch die Stadt sind bereits ausgebucht, wie der Verein auf Anfrage mitteilt. Eine neue Chance, Schlieren an einem Stadtrundgang besser kennenzulernen, bietet sich im September. Für dann hat der Verein wieder alle Angebote ausgeschrieben. Die Kosten für Vivat-Mitglieder betragen 15 Franken, für Nichtmitglieder 25 Franken. Hubmann verweist aber darauf, dass in der Zwischenzeit auch Führungen für privaten Gruppen – etwa für Klassenzusammenkünfte oder für Firmen – möglich seien.