Dietikon

Von der Pflegerin zur Polizeichefin: «Die Polizei hat mich nie ganz losgelassen»

Hat zuletzt im Verkehrszug Urdorf gearbeitet: die neue Bezirkschefin Katharina Kohler.

Katharina Kohler folgt als Bezirkschefin auf Martin Litscher. Sie ist die erste Frau in diesem Amt. «Das ist für mich aber kein grosses Thema», sagt Kohler.

Katharina Kohler lernte schon früh, zu welchen Untaten die Menschen fähig sind. Ihr Vater war Rechtsmediziner in Zürich. Er hatte viel mit der Polizei zu tun. «Ich habe gemerkt, wie spannend dieser Bereich ist. Das hat mich dann nie ganz losgelassen», sagt Kohler. So entstand der Berufswunsch Polizistin. Viele Wege führen zu diesem Beruf, jener von Kohler ist besonders abwechslungsreich.

Nach der Matura ging sie zuerst auf Reisen – und in verschiedene Berufswelten, um die Reisen zu finanzieren: Sie arbeitete unter anderem in einem Tankstellen-Shop und bei einem Party-Service. Auch schwerstbehinderte Menschen hat sie gepflegt. Mit 23 Jahren war es dann so weit: Kohler begann die Polizeischule. 16 Jahre später hat sie an ihrem Beruf noch genauso Freude. Dabei geht es ihr nicht um die Action, sondern um die Spontanität: «Ich mag es, um 8:00 Uhr nicht zu wissen, was um 8:05 Uhr passiert. Das macht die Arbeit so abenteuerlich, fordernd und spannend.»

Auch als Bezirkschefin bleibt ihr die Unvorhersehbarkeit erhalten. Drei Beispiele: Bei grösseren Ereignissen rückt auch das Bezirkskader aus, in anderen Fällen muss Kohler vom Bezirksgebäude aus über Sofortmassnahmen entscheiden. Zudem ist sie Diensthundeführerin.

Gefahndet und fotografiert

Vielfältig war auch Kohlers bisherige Polizeikarriere: So arbeitete sie am Hauptbahnhof, machte später eine Stage beim polizeilichen Unfallfotodienst, war bei der Fahndungsabteilung tätig und ermittelte in den Abteilungen für Jugend- und Sexualdelikte.
Seit 1. März führt Kohler nun als Nachfolgerin von Martin Litscher 45 Mitarbeitende der Kantonspolizei im Bezirk Dietikon, die auf den Posten in Dietikon, Schlieren, Unterengstringen und Birmensdorf arbeiten. Der Verkehrszug Urdorf untersteht hingegen direkt dem neuen Regionalchef Martin Litscher.

In Urdorf arbeitete bis Ende Februar auch Kohler. Als Gruppenchefin führte sie zehn Mitarbeitende. «In Urdorf entstand meine Verbundenheit zum Limmattal», sagt Kohler, die im Bezirk Affoltern aufgewachsen ist. Heute wohnt sie im Bezirk Bremgarten.
Ihre Beförderung zur Bezirkschefin hat etwas Historisches: Noch nie zuvor hatte in Dietikon eine Frau dieses Amt inne. Aber Kohler winkt ab: «Das ist für mich kein grosses Thema, sondern normal.» Darum nur noch dies: Rund 20 Prozent beträgt der Frauenanteil bei der Kantonspolizei Zürich.

Dank ihres Jobs sieht Kohler oft hinter die Fassade der Menschen und erfährt viel über deren Schicksale. Wie jeder Polizist muss sie sich aber abgrenzen und auch Empathie zeigen können. Wie ist das? «Die grossen Fälle berühren mich nicht persönlich. Dafür bleibt gar keine Zeit. Und ich wusste ja schon von meinem Vater her, auf was ich mich einlasse», sagt Kohler. Es gibt aber auch kleinere Fälle. «Wenn ein Mensch zuhause stirbt und das wochenlang niemand bemerkt, dann gibt das einem schon zu denken», so Kohler.

Ihr ist wichtig, dass die Polizei, die anderen Blaulichtorganisationen, die Behörden und die Bürger eine gute Zusammenarbeit pflegen. «Wir sind angewiesen auf Informationen und Feststellungen aus der Bevölkerung. Sie ist unser wichtigster Partner und unsere wichtigste Trägerschaft», macht Kohler klar.

Katharina Kohlers Vorgänger als Bezirkschef war Martin Litscher. Er ist zum Regionalchef Limmattal/Albis befördert worden. Lesen Sie hier das grosse Interview mit dem ranghöchsten Limmattaler Polizisten.

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