Nur noch wenige Tage und dann sitzt Vanessa Ukca im Flugzeug, um nach Namibia zu gehen. Was sie zurücklässt, sind Verwandte, Freunde und den Kindergarten Hofacker in Schlieren. Sechs Jahre lang arbeitete die Stadtzürcherin dort als Kindergartenlehrerin. Nun blickt sie einem Abenteuer entgegen: Die 32-Jährige wird für die nächsten drei Jahre in der Stadt Rundu leben. Als Teil der Bildungsdirektion der Provinz Kavango-Ost wird sie Lehrpersonen für Vorschulklassen beraten und weiterbilden.

«Ich freue mich wirklich sehr. Und doch habe ich gemischte Gefühle», sagt Ukca, «es ist halt die letzte Woche vor der Abreise. Das realisiert man gar nicht so.» Sie habe schon immer mit dem Gedanken gespielt, für ein Jahr im Ausland zu arbeiten. Eine Freundin machte sie dann auf die Stelle des Schweizer Hilfswerks Interteam aufmerksam. «Ich habe mich ziemlich schnell entschieden.»

Ukca bewarb sich und bekam die Stelle. Das war vor zwei Jahren. «Ich wollte vor meiner Abreise noch an meinem Englisch feilen und einige Weiterbildungen absolvieren, damit ich für die neue Aufgabe vorbereitet bin.» So begleitete sie Junglehrer beim Berufseinstieg, gab Deutschkurse und unterstützte Studenten bei ihren Praktika. «Ich bin in dieser Hinsicht immer mehr in die Richtung Erwachsenenbildung gegangen.» Trotzdem wird es eine Umstellung für die ehemalige Kindergartenlehrerin sein. Sie wird selten direkt mit Kindern arbeiten können. «Das werde ich sehr vermissen.»

Herausforderung Sprache

Ukca wird gleich mit mehreren Herausforderungen konfrontiert: Der Freundeskreis ist weit weg. «Es wird ein neues Erlebnis sein, Freundschaften in einem anderen kulturellen Kontext zu knüpfen.» Auch die Sprache stellt eine weitere Hürde dar. Denn auf das Kommunizieren auf Englisch hat sich Ukca vorbereitet. In der Provinz Kavango wird jedoch RuKwangali gesprochen. «Ich verstehe kein Wort davon, habe aber alles organisiert, damit ich es gleich lernen kann.»

Die zukünftige Ausbildnerin hat im Juni einen Vorbereitungskurs von Interteam besucht, in dem sie Informationen über ihren Einsatz und ihre dortige Funktion erhalten hat. Sie werde ein wenig Zeit haben, um sich ein Bild zu machen, um alle Abteilungen zu besuchen und um herauszufinden, was für Erwartungen an sie gestellt werden. «Ich muss verinnerlichen, was mein Auftrag von Interteam in der Schweiz und von der Bildungsdirektion in Namibia ist.» Gleichzeitig müsse sie die Bedürfnisse der angehenden Lehrpersonen berücksichtigen.

Durch ihren Einsatz in Namibia hofft Ukca, sich selbst weiterzuentwickeln. «Alles ist neu: Ich arbeite mit Erwachsenen, in der Ausbildung und in einem anderen Land.» Sie verfolge darüber hinaus ein internationales Bildungsziel – nämlich, dass jedes Kind eine Ausbildung bekommt. «Ich vereine persönliche und internationale Ziele.»

«Die Idee ist es überhaupt nicht, irgendein Konzept von hier dort zu übernehmen», sagt Ukca, «sondern miteinander eine Strategie zu erarbeiten.» Namibia habe einen eigenen Lehrplan. Das langfristige Ziel sei es, dass mehr Kinder und Jugendliche einen Schulabschluss machen. Die Schulabbruchrate sei heute sehr hoch. «Wir werden versuchen, die Jugendlichen früh für Bildung zu motivieren.»

«Wir sollten voneinander lernen»

Um einen solchen Auftrag umsetzen zu können, braucht man laut Ukca Geduld und Offenheit. «Es ist klar, dass nicht alles gleich läuft. Zu denken, dass der eigene Weg der einzig richtige ist, wäre ignorant.» Ein falscher Ansatz, der mehr Schaden als Gutes anrichte. «Wir sollten versuchen, uns im Ausland genau so zu integrieren, wie wir es hier von den Menschen erwarten. Nicht gleich reinfunken – lieber hinschauen und verstehen.»

Ukca macht sich in dieser Hinsicht keine Sorgen: Sie sei ohnehin offen und neugierig. «Ich bin nie eine Person gewesen, die das Gefühl hat, ihre Methode sei die beste.» Im Vorbereitungskurs wurde über diese Grundhaltungen geredet. «Ich möchte diese Reflexionen nutzen, wenn ich in Rundu bin.» Sie findet es wichtig, zu wissen, was in anderen Ländern auf der Welt laufe. «Wir sollten uns vergleichen und voneinander lernen.»

So wird Ukca sowohl an der Seite von lokalen Mitarbeitern als auch anderen Schweizern arbeiten. Ihre namibische Arbeitskollegin hat sie bereits bei einem Videoanruf näher kennen gelernt. Bis Ukca diese persönlich trifft, wird sie sich noch von ihren Freunden und Verwandten verabschieden. Einige Abschiedsfeste hat sie schon hinter sich. «Der Abschied am Flughafen wird noch einmal ein schwieriger Schritt.» Das werde die letzte Hürde sein. «Ich fühle mich bereit. Ich hatte schliesslich genug Zeit, um mich an den Gedanken zu gewöhnen.»
In einem Jahr hat Ukca vor, in die Schweiz zu kommen, um alle wieder zu besuchen. Was sie nach ihrem dreijährigen Einsatz machen möchte, ist noch offen: Vielleicht kommt sie zurück und fängt etwas Neues an. Vielleicht verlängert sie ihren Einsatz, sofern sie noch weitermachen möchte und man sie braucht. «Jetzt freue ich mich einfach auf meinen neuen Beruf und auf Rundu.»