Als am 7. Juli 1925 der Amateur Fotoclub Dietikon aus der Taufe gehoben wurde, gehörte auch ein Drogist zu den Gründungsvätern.

Das hatte seinen guten Grund: «Dieser hatte Zugang zu den Chemikalien, die es für die Entwicklung der Fotos brauchte», weiss Walter Hilpertshauser, Präsident des Fotovereins, der ab Samstag mit einer Ausstellung an der Heimstrasse 8 sein 90-jähriges Bestehen feiert.

Der 56-Jährige, der sich «mit dem ersten grossen Lohn nach der Lehre» eine Minolta gekauft hat, ist seit etwas mehr als dreissig Jahren im Verein. Am Anfang sei er vor allem vom Labor fasziniert gewesen, der Ort wo, wie in den Anfangszeiten, die Fotos entwickelt wurden, erzählt er.

«Das hatte für mich etwas Mystisches, wie aus einem weissen Blatt Papier eine Fotografie entstand», sagt der zurückhaltende Werkzeugbauer. Er vermisse diese analoge Zeit, «sehr sogar».

Diese Zeit als es vom Belichten bis zum Betrachten der Fotos mehr brauchte, als die Kamera bloss am Computer anzuschliessen. Eine Zeit, in der erst nach dem Entwickeln der Bilder klar wurde, ob diese etwas taugten oder nicht.

«Diese Spannung hat mir gefallen damals», erzählt Hilpertshauser. Die Digitalisierung der Fotografie — sie hat sich auch auf den Fotoclub ausgewirkt. Wegen der mangelnden Nachfrage wurde vor ein paar Jahren das vereinseigene Labor aufgegeben und mit ihm der Ort, wo sich die Mitglieder trafen und austauschten. Das findet Hilpertshauser schade. «Heute wurstelt jeder zu Hause vor sich hin.»

In der Dunkelkammer

Vor zwei Jahren hat sich der Clubpräsident in seinem Haus in der Fahrweid eine kleine Dunkelkammer eingerichtet. «Ich habe sie aber noch nie benutzt», sagt er fast schon entschuldigend.

Als selbstständiger Werkzeug- und Maschinenbauer bleibt ihm neben der Arbeit wenig Zeit für sein Hobby. Und das Fotografieren ist für ihn immer ein Hobby geblieben, «es zur Arbeit zu machen war nie Thema.»

Viel mehr sehe er es als Ausgleich zum Job, als Gelegenheit, «um hin und wieder rauszukommen». Hilpertshauser ist skeptisch, ob das professionelle Fotografieren auf die Dauer befriedigend ist. «Da kann man nicht mehr das machen, was einem gefällt.»

Ihm selber hat es der hohe Norden angetan — als Feriendestination, die landschaftlich interessante Motive bietet, «ganz ohne Hochspannungsleitungen und Hochhäuser». Seine Bilder etwa von den Färöer-Inseln zeigen die schroffe Schönheit Skandinaviens.

«Je karger eine Landschaft ist, desto stärker wirken Details wie zum Beispiel eine einzelne Blume», sagt Hilpertshauser. In den letzten Jahren hat er sich immer weiter in nördliche Gefilde vorgewagt; bis nach Franz-Josef-Land weit oberhalb des Polarkreises.

Nicht nur in Skandinavien, wo er auch schon einen Eisbären vor der Linse hatte, ist die Kamera stets griffbereit. «Ich versuche, wenn möglich immer eine dabei zu haben, wenn ich aus dem Haus gehe.»

Er wisse ja nie, ob ihm irgendwo ein interessantes Motiv vor die Nase hüpfe. Nur etwas hält der Hobbyfotograf nicht gerne fest: Sich selber. «Es gibt sehr wenige Bilder, auf denen ich zu sehen bin.» Darüber sei er ganz froh, weshalb er vermutlich auch hinter der Kamera gelandet sei. Verständlich, dass er nicht viel vom grassierenden Selfie-Kult hält. «Damit kann ich gar nichts anfangen.»

Auch der Flut an Smartphone-Bildern im Internet kann Hilpertshauser nicht viel abgewinnen. «Wer schaut die Millionen Fotos an, die täglich hochgeladen werden?» Nicht, dass das Fötelen mit Handykameras im Dietiker Fotoclub völlig tabu wäre. «Es gab auch schon Mitglieder, die haben ihre Bilder einzig mit dem Smartphone gemacht.» Nichtsdestotrotz sei Handy als Kamera in der Szene teilweise verpönt.

Tausend Meinungen

Hilpertshauser scheint mit seiner zurückhaltenden Art einer jener Fotografen zu sein, die man als stille Beobachter bezeichnen würde. Es seien aber längst nicht alle Mitglieder des Fotoclubs ruhige Menschen, sagt Holperthauser. «Es gibt auch Polteri.» Und dann gebe es auch Besserwisser, die sich an den regelmässig vom Club organiserten Workshops gar nichts sagen liessen.

Für Hilpertshauser liegt das teils auch in der Natur der Fotografie. «Es gibt Tausende von möglichen Herangehensweisen, um ein Foto zu machen», erklärt er. «Und deshalb auch Tausende Gelegenheiten für Meinungsunterschiede.»

Sehr unterschiedlich sind auch die Fotografien, die der Club ab Samstag im Limmatfeld ausstellt: Die Auswahl von rund 50 Bildern deckt von Menschen üner Architektur bis zu Insekten eine Vielzahl von Themen ab.

Die Ausstellung des Amateur Fotoclub Dietikon im Büro der Senevita AG wird am Samstag ab 13.30 Uhr mit einer Vernissage eröffnet. Sie läuft bis am Sonntag, 30.August.