Kloster Fahr
Von der Allee zum grossen Obstgarten

Die Schwestern vom Kloster Fahr und Zivildienstleistende pflanzten 60 neue Hochstammbäume – die meisten davon Apfelbäume. Dabei handelt es sich um alte Sorten.

Sandro Zimmerli
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Limmattaler Zeitung

«Tobiässler» oder «Herbstreinette» sind nur zwei von bald 50 alten Apfelsorten, die in den nächsten Jahren rund um das Kloster Fahr wachsen werden. Der Grundstock dazu wurde gestern gelegt, als die vor zwei Jahren neu gepflanzte Obstbaum-Allee entlang des Weges beim Meierhof um eine zweite Reihe ergänzt wurde. «Wir freuen uns, dass wir die Allee erweitern können», sagte Priorin Irene, die gemeinsam mit ihren Mitschwestern bei der Pflanzaktion anpackte.

Tatkräftige Unterstützung erhielten die Schwestern von den «Zivis» des Vereins Naturnetz. Die gemeinnützige Naturschutzorganisation ist seit 2008 im Kloster Fahr zu Hause. Mit Gruppen von Zivildienstleistenden führt es Projekte in der Gestaltung, Schaffung und Pflege von naturnahen Gebieten durch.

Vor 300 Jahren kultiviert

Das gestrige Projekt umfasste die Pflanzung von rund 60 Bäumen, die meisten davon Apfelbäume. Zudem wurden noch einige Zwetschgen- und Birnbäume gesetzt. «Insgesamt sind es 26 alte Apfelsorten», so Benjamin Kämpfen vom Verein Naturnetz.

Es handle sich dabei um seltene Sorten, die teilweise schon vor 300 Jahren kultiviert wurden, die man heute aber in keinem Supermarkt kaufen könne. Zusammen mit den, vor zwei Jahren gepflanzten Bäumen, können im Kloster Fahr bald rund 50 verschiedene Apfelsorten geerntet werden. «Aus den Äpfeln wird in rund sieben Jahren zum ersten Mal Most hergestellt», erklärte Kämpfen. Priorin Irene versprach dann die Helfer von einst zu einer Degustation einzuladen. «Wir werden sicher einen Anlass finden, um den Most gemeinsam zu probieren», sagte sie.

Die Herstellung von Most ist aber nur eines von verschiedenen Zielen, die mit der Pflanzung der Hochstammbäume verfolgt wird. Mit den 60 neuen Bäumen entlang der bestehenden Allee, sowie weiteren zu pflanzenden Bäumen in den umliegenden Weiden, wird der Bestand des Klosters auf 220 anwachsen.

Dann, so Kämpfen, hoffe man vom Kanton in die Kategorie der grössten Obstgärten aufgenommen zu werden. «Noch vor 30 Jahren gab es im Kanton Zürich gegen 500000 Hochstammbäume. Diese Zahl ist mittlerweile auf rund 150000 gesunken», hielt Kämpfen fest.

Mittelfristig wolle der Kanton den Bestand wieder auf 350000 erhöhen. Deshalb würden Obstgärten unterstützt. «Als grosser Obstgarten gilt ein Bestand von 150 Bäumen. Wird man in diese Kategorie aufgenommen, beträgt die maximale Unterstützung 70 Franken pro Baum», sagte Kämpfen.

Teil des Vernetzungsprojektes

Ein anderes Ziel der Pflanzaktion ist die Wiederansiedlung von seltenen Vogelarten. «Hochstammbäume zeichnen sich durch eine Stammhöhe von mindestens 1,8 Metern aus. Sie sind damit als Lebensraum von verschiedenen Vogelarten geeignet», hielt Kämpfen fest.

So hoffe man, dass sich der Gartenrotschwanz in den Baumkronen einniste. Das sei ein selten gewordener Vogel, der früher im Gebiet des Klosters gebrütet habe, heute aber verschwunden sei.

Damit sind die neuen Bäume ein weiteres Puzzleteil bei der Umsetzung des Vernetzungsprojektes, das vor drei Jahren von der Gemeinde Unterengstringen in Zusammenarbeit mit dem Kloster ins Leben gerufen wurde.

Hauptanliegen des Projektes ist die Vernetzung der unterschiedlich genutzten Flächen wie Wald, Landwirtschaft und Siedlung rund ums Kloster. Dies hat den Vorteil, dass ökologisch noch wertvollere Zonen entstehen. Zudem erhalten die Bewirtschafter Zusatzbeiträge von Bund und Gemeinde; seit 2001 gewährt der Bund Entschädigungen für ökologische Ausgleichsflächen, die in einem vom Kanton genehmigten Vernetzungsprojekt liegen.

Zum Massnahmenkatalog, um ein solches Vernetzungsprojekt umzusetzen, gehören der Erhalt und die Förderung der bestehenden Populationen sowie die (Wieder-)Ansiedlung gefährdeter Tier- und Pflanzenarten.