Um die Dietiker Stadtratssitze gibt es diesmal ein grosses Gerangel: 13 Kandidierende bewerben sich für einen der sieben Sitze in der Exekutive. 6 der Bisherigen wollen es nochmals wissen: Stadtpräsident Otto Müller (FDP), der sich als Einziger für das Präsidium bewirbt, Jean-Pierre Balbiani (SVP), Roger Brunner (SVP), Rolf Schaeren (CVP), Heinz Illi (EVP) und Esther Tonini (SP). Einzig Sozialvorstand Johannes Felber (CVP) tritt nicht mehr an. Seine Partei will ihn durch Reto Siegrist ersetzen. Die SP stellt mit Sven Koller und Peter Wettler gleich zwei weitere Kandidaten auf und die SVP schickt neu Roger Bachmann ins Rennen. Die Grünen treten mit Lucas Neff an, die AL mit Ernst Joss und die DP versucht, mit Martin Müller einen Platz im Stadtrat zu ergattern. Die Limmattaler Zeitung präsentiert alle Kandidierenden im Überblick.

Der Ruhige: Jean-Pierre Balbiani (SVP, bisher) 

Der 62-jährige Treuhänder mit eigener Firma ist nicht dafür bekannt, sich in den Vordergrund zu drängen. Seit 2004 ist Jean-Pierre Balbiani im Stadtrat; zuerst zwei Jahre lang als Werkvorstand. 2006 wurde er Schulpräsident. Dass es ihm gelang, während dieser Zeit die Schulsozialarbeit wieder einzuführen, darf als Highlight gelten, während die verlorene Abstimmung um das Mietschulhaus Limmatfeld ein Tiefschlag war. Balbiani, der seit 1954 in Dietikon wohnt und zwei erwachsene Kinder hat, war von 1994 bis 2003 im Gemeinderat. In seiner Freizeit segelt und fotografiert er und ist seit 50 Jahren Mitglied der Stadtmusik.

Der Kalkulierte: Roger Bachmann (SVP, neu)

Finanzen sind ein wichtiger Teil von Roger Bachmanns Welt: Der 43-Jährige ist Abteilungsleiter Finanzen auf einer Gemeindeverwaltung und ein kompetenter und restriktiver Finanzpolitiker. Bachmann, der seit 13 Jahren Gemeinderat ist, sitzt zudem gleich in drei Rechnungsprüfungskommissionen: in derjenigen des Parlaments, die er seit 2004 präsidiert, seit 2004 in derjenigen des Spitals Limmattal und seit 2012 ist er auch noch in der RPK der reformierten Kirchgemeinde. Der aktuelle Fraktionschef der SVP, der seit Geburt in Dietikon wohnt und zwei Kinder hat, verbringt seine Freizeit gerne mit der Familie und beim Sport.

Der Gemütliche: Roger Brunner (SVP, bisher)

Den 51-Jährigen, der einen unaufgeregten Politstil pflegt, bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Als Bauunternehmer ist Roger Brunner, der seit 2006 im Stadtrat ist, im Bereich Infrastruktur am richtigen Ort. Sein Ressort führt er unauffällig und solide, ohne gross aufzufallen - weder durch Fehler noch durch Highlights. Zuvor war der geschiedene Vater von zwei Kindern (15 und 13 Jahre alt) schon zwölf Jahre lang im Gemeinderat, den er im Jahr 2003 präsidierte. Von 1993 bis 1995 war Brunner, der seit Geburt in Dietikon lebt, Präsident der SVP Dietikon, von 2000 bis 2001 präsidierte er die SVP-Fraktion im Gemeinderat.

Der Hartnäckige: Ernst Joss (AL, neu)

Er ist einer der umtriebigsten Parlamentarier: Ernst Joss reicht Vorstösse ein wie kaum ein Anderer. Daneben fällt der Physiker vor allem durch seine Hartnäckigkeit auf: Liegt ihm ein Thema am Herzen, lässt er nicht so schnell locker. Der 67-jährige Vater von zwei erwachsenen Kindern - Tochter Rosmarie sitzt für die SP im Gemeinderat - lebt seit 1984 in Dietikon. Er ist insgesamt bereits 18 Jahre lang Gemeinderat, wobei er früher der SP angehörte. 2006 kandidierte er nicht mehr, ein Jahr später verliess er die SP im Streit und schloss sich der AL an, für die er seit 2010 wieder im Gemeinderat sitzt. In seiner Freizeit fährt er Velo oder wandert.

Der Diskrete: Heinz Illi (EVP, bisher)

Sicherheit ist seine Welt: Heinz Illi ist nicht nur von Beruf Sicherheitsverantwortlicher der Verkehrsbetriebe Zürich, er ist auch im Stadtrat für das Ressort Sicherheit und Gesundheit zuständig. Der 56-Jährige ist seit 2006 Exekutivmitglied, davor war er Schulpfleger und Gemeinderat. Politisch fällt Illi wenig auf und agiert eher im Hintergrund - er ist kein Freund der grossen Auftritte. Sein wichtigstes Thema in der vergangenen Legislatur war der Kampf gegen das Littering. Illi, der seit Geburt in Dietikon wohnt, ist verheiratet und hat vier Töchter im Alter zwischen 17 und 28 Jahren. Seine Freizeit verbringt er beim Velofahren, Skifahren oder in den Bergen.

Der Jugendliche: Sven Koller (SP, neu)

Der 37-Jährige ist der Jüngste im Kandidatenfeld und der Einzige, der die Unter-40-Jährigen vertritt. Als Schulpsychologe und Vater von zwei Töchtern im Alter von 6 und 8 Jahren hat Sven Koller einen direkten Zugang zu den Themen Schule und Jugend, denen er sich auch mit Vorliebe annimmt. So drehen sich seine bisherigen politischen Vorstösse um Jugendarbeit, sprachliche Integration oder Schulraum. Koller, der seit 2005 in Dietikon wohnt, ist erst seit 2011 im Gemeinderat vertreten und in der Dietiker Öffentlichkeit entsprechend noch wenig bekannt. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Musik, Sport und Kultur.

Der Angriffige: Martin Müller (DP, neu)

Früher war der IT-Consultant engagiertes Mitglied der FDP, die er auch von 2000 bis 2008 präsidierte und für die er zwei Jahre lang im Parlament sass. Ende 2009 trat er im Streit aus der Partei aus, nachdem diese ihn nicht mehr für die Wiederwahl nominieren wollte. 2010 kandidierte er als Parteiloser erfolglos für Stadt- und Gemeinderat. Später trat er der Demokratischen Partei bei. Der 49-Jährige ist dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und kritisiert die aktuelle Exekutive gern auf seinem Blog oder in Leserbriefen. Der Vater von zwei erwachsenen Kindern wohnt seit 1994 in Dietikon. Seine Hobbys: Motorradfahren, Pilze suchen, Stadtjugendmusik.

Der Vorsichtige: Otto Müller (FDP, bisher)

Der ehemalige Sekundarlehrer ist seit 1998 im Stadtrat, wo er zuerst Sozialvorstand, dann Finanzvorstand war. Seit 2006 ist Otto Müller (60) vollamtlicher Stadtpräsident. Politisch agiert er eher vorsichtig: Er ist diplomatisch und unaufdringlich und geht ungern Risiken ein. Besonders wichtig ist ihm die Entwicklung im Limmatfeld und die Planung des Niderfelds und der Limmattalbahn. Er ist zudem Präsident der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL). Müller, der seit 1979 in Dietikon wohnt, ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne, von denen zwei für die FDP im Gemeinderat sitzen. Als seine Hobbys bezeichnet Müller Lesen, Wandern und Sport.

Der Individuelle: Lucas Neff (Grüne, neu)

Als Grüner mit eigener Architekturfirma, Sympathien für Gewerbeanliegen und langjähriger Erfahrung als Militärkommandant lässt sich Lucas Neff in kein Schema pressen. Den Sozialdemokraten ist der 52-Jährige denn auch «zu bürgerlich», weshalb sie seine Kandidatur nicht unterstützen. Gerade weil der Fraktionschef der Grünen aber kaum ins Links-Rechts-Schema einzuordnen ist, dürfe er über seine Partei hinaus Stimmen holen. Zudem ist der Vater von drei erwachsenen Kindern, der seit 1984 in Dietikon wohnt, als Präsident des Stadtvereins gut vernetzt. Er sitzt seit 2007 im Gemeinderat. Seine Hobbys: Skitouren, Pflanzen, Fotografie.

Der Bedachte: Rolf Schaeren (CVP, bisher)

Der 56-Jährige wirkt stets bedacht und überlegt. Als stellvertretender Direktor und Dozent für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft FHNW ist Rolf Schaeren es sich gewohnt, vor Menschen zu sprechen - auch im Parlament verliert er nie die Ruhe. Der Vater von zwei erwachsenen Kindern war von 1982 bis 1990 im Gemeinderat und ist seit 2006 im Stadtrat für das Finanzressort verantwortlich. Er kandidierte 2006 auch als Stadtpräsident, konnte sich aber nicht gegen Otto Müller (FDP) durchsetzen - seither ist das Stadtpräsidium kein Thema mehr für ihn. In seiner Freizeit spielt Schaeren Tennis und Saxofon oder liest.

Der Vernetzte: Reto Siegrist (CVP, neu)

Der 53-jährige Banker, der Direktionsmitglied der Zürcher Kantonalbank ist, will im Stadtrat seinen zurückgetretenen Parteikollegen und Schwager Johannes Felber beerben. Die Chancen stehen gut: Zwar hatte Siegrist bisher noch kein politisches Amt inne, dafür ist der Vater von drei Kindern (zwei sind volljährig, eines 17 Jahre alt) ausgesprochen gut vernetzt in Dietikon. Siegrist, der seit seiner Geburt in Dietikon wohnt, ist Präsident der Genossenschaft Stadthalle und war früher Präsident der Stadtmusik Dietikon. Noch heute ist der Tuba- und Sousafonspieler Aktivmitglied. Daneben schwimmt Siegrist gerne und spielt Tennis.

Die Unauffällige: Esther Tonini (SP, bisher)

Die 55-jährige Primarlehrerin wohnt seit ihrer Geburt in Dietikon. Seit 2010 ist sie Mitglied des Stadtrats und betreut das Ressort Hochbau. Dabei wirkt sie relativ unauffällig - nicht nur, weil sie als einzige Sozialdemokratin in der bürgerlich dominierten Exekutive wenig Chancen hat, die Stossrichtung zu beeinflussen. In dieser Zeit hat Esther Tonini zwei Megaprojekte betreut: die Sanierungen des Altersheims Ruggacker und der Badi Fondli. Bevor sie in den Stadtrat gewählt wurde, war sie in der Schulpflege und von 2006 bis 2010 im Gemeinderat. Tonini, die verheiratet ist, verbringt ihre Freizeit gerne mit Lesen, Reisen und Kultur.

Der Unbequeme: Peter Wettler (SP, neu)

Der 67-jährige Kommunikationsberater sagt, was er denkt - auch wenn er damit aneckt. Im Parlament lässt sich Peter Wettler mit Vorliebe auf Wortgefechte mit der SVP ein und spart auch mit Kritik am Stadtrat nicht. Für seine Lieblingsthemen engagiert sich der Vater von vier Töchtern vehement: So kämpft er vor allem gegen Lärm aller Arten, für Alternativenergie und für eine Belebung des Zentrums. Wettler wohnt seit 1987 in Dietikon und ist seit 2000 Gemeinderat und seit 2002 Mitglied des Integrationsforums. Zudem ist er Mitglied des EKZ-Verwaltungsrats, Präsident der Klimaschutzorganisation Solarspar und Mitglied des Seniorenrats.