Weiningen
Von Auto überfahren: Der Limmattaler Biber hat ausgenagt

Das geschützte Tier, das sich im Frühling an der Limmat niederliess, wurde überfahren. Am 28. September fand die Jagdaufsicht der Gemeinden Geroldswil, Weiningen und Oetwil, den Kadaver auf der Fahrweidstrasse.

Sophie Rüesch
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Nach solchen Nagespuren suchte man diesen Winter vergeblich.

Nach solchen Nagespuren suchte man diesen Winter vergeblich.

Sandro Zimmerli

Lange währte es nicht, das Glück des ersten Limmattaler Bibers seit 20 Jahren. Erst im März dieses Jahres wurde das geschützte Tier erstmals im Binzerliweiher gesichtet. Wie in der aktuellen Winiger Ziitig zu lesen ist, fand die Jagdaufsicht der Gemeinden Geroldswil, Weiningen und Oetwil bereits am 28. September einen überfahrenen Kadaver auf der Fahrweidstrasse. Es war ein Biber. «Er wurde wohl in der Dämmerung überfahren», sagt Wildhüter Martin Peter, dessen Kollege das Tier am Morgen tot auffand.
Für Tobias Liechti von der Umweltplanungsfirma Creato ist klar: Es handelt sich um den Biber, der sich im Frühling dieses Jahres im Gebiet zwischen dem Spreitenbacher Chessel und den Geroldswiler Auen niedergelassen hatte. Liechti wusste bis gestern noch nichts vom Fund des toten Tieres. «Doch jetzt macht alles Sinn: Wir haben bei Kontrollgängen in den vergangenen Wochen keine frischen Spuren mehr entdeckt.»
Dabei müsste die Anwesenheit des Bibers gerade im späten Herbst und frühen Winter besonders sichtbar werden. Denn sobald es kälter wird, bereitet er sich mit dem Anlegen von Baumrindenvorräten und Zweigen auf die Überwinterung vor. «In dieser Zeit müsste es deutliche Nagespuren im Revier geben», sagt Liechti. Er habe sich deshalb schon seit geraumer Zeit Sorgen um den Verbleib des Tieres gemacht.
Keine Spuren in der Fahrweid
Wie vom Tier selbst fehlt auch vom fehlbaren Lenker jede Spur. Der Kadaver wurde vom Kanton konfisziert, der nun die Abstammung des Tieres anhand genetischer Abklärungen bestimmen will. Doch was führte den Biber, der zwischen Spreitenbach und Geroldswil hauste, in die Fahrweid? «Mir ist schleierhaft, wieso er hier die Strasse überqueren wollte», sagt Jagdaufseher Peter. Nie seien in den kleinen Tümpeln der Fahrweid Spuren des geschützten Tieres gesichtet worden. Liechti hingegen hat eine mögliche Erklärung: «Vermutlich wollte der Biber von der Dornau her kommend dem Länggenbach, der unter der Fahrweidstrasse eingedolt ist, weiter folgen.» Deshalb habe das Tier die Strasse überqueren wollen - «und wurde ein Opfer des starken Verkehrs».
Haupttodesursache Verkehrsunfälle
Laut Biologe Andres Beck, der im Aargau für den Biberschutz zuständig ist, sei es nicht selten, dass Biber in Verkehrsunfällen sterben. Im Gegenteil: Sie sind, zumindest im Aargau, sogar die häufigste Todesursache. «Rund ein Drittel der 155 Biber, die im Kanton seit dem Jahr 1995 tot aufgefunden wurden, sind überfahren worden», sagt Beck. Dies sei besonders häufig auf Strassen, die sich in einem geringen Abstand zu einem Gewässer befinden, der Fall.
Dass der Biber so kurz nach seinem Erscheinen im Limmattal bereits tot ist, sei «natürlich sehr schade», sagt Liechti. Doch er macht sich keine Sorgen um den Biberbestand im Limmattal. Denn die guten Reviere an der Limmat im Aargau und an der Aare seien alle bereits ausgebucht. Und jedes Jahr, wenn der Nachwuchs von sesshaft gewordenen Biberfamilien ausgereift ist, werden neue Tiere obdachlos. Die Jungtiere werden in der Regel nach drei Jahren von ihren Familien ausgestossen und müssen sich ein neues Zuhause suchen. So ist sich Liechti sicher: «Es ist eine Frage der Zeit, bis der nächste einwandern wird.»