Freitagabend, kurz vor acht Uhr, es ist still auf dem Schulhausareal Büel. Einzig ein Pfeil, der vor dem Gemeindesaal die Treppe herunter zeigt, weist auf das bevorstehende Comedyprogramm und die anschliessend stattfindende Mittefasten-Bar hin.

Doch die Ruhe trügt, kaum öffnen sich die Türen zum Gemeindesaal, ist klar, dass hier der Beginn eines für die Unterengstringer grossen Wochenendes feierlich eingeläutet wird. Die rund 250 Sitzplätze sind fast alle besetzt und die Zuschauer warten in ausgelassener Stimmung darauf, die Bauchmuskeln strapaziert zu bekommen.

Komikerin Anet Corti präsentiert ihr Programm «win-win». Dabei verspricht sie einen satirisch-komödiantischen Abend, an dem der Zuschauer durchaus auch über sich selber und seine beruflichen Erlebnisse lachen darf. Corti nimmt also bevorzugt die Arbeitswelt auf die Schippe und sorgt mit ihren drei unterschiedlichen Figuren für viele Lacher.

Die erste Rolle, die gleich zu Beginn etwas verloren auf die Bühne stakst, ist Chefsekretärin Betty Böhni, oder wie sie sich nennt: «TschuniorSales-Assischtent». Böhni sucht eine neue Stelle und geht zu diesem Zweck zu einer Personalvermittlung.

Dort steht sie vor einem grossen roten Knopf, und eine Computerstimme aus dem Off zählt die wichtigsten Kompetenzen in der heutigen Arbeitswelt auf. Immer wenn sie eine Kompetenz erfüllt, soll sie den Knopf drücken.

Dieses Spielchen nimmt immer mehr Fahrt auf, bis es zum völlig chaotischen Durcheinander aus Computerstimme, Böhnys Knopfdrücken und ihren verzweifelten Erklärungsversuchen ausartet.

«Aber nei, i hans doch anderscht gmeint», versucht die Sekretärin sich zu rechtfertigen, doch die Stimme aus dem Off ist ihr längst mehrere Schritte voraus. Kurz vor dem Nervenzusammenbruch spuckt die Maschine schliesslich doch noch eine passende Stelle bei der Strittmatter AG heraus und Betty Böhni macht sich auf den Weg zu ihrem neuen Arbeitsort.

Bei der Strittmatter AG wartet die zweite Figur des Programms, die Empfangsdame Erika Eggenschwiler. Eine resolute Frau, die immer einen Kopfhörer mit Mikrofon zum Telefonieren trägt und sich mit Phrasen wie «Tscha-tschau, ja tschau tschau, tscha-tschau, tschüss» von ihren Anrufern verabschiedet.

Bald darauf lernt das Publikum die dritte Person im Bunde kennen, Praktikantin Sandrine Sutter. Von Verwandten wurde sie dazu verdonnert, bei der Strittmatter AG in der Deutschschweiz ein Praktikum zu machen, doch ihr Traum ist es, die Aufnahme zur Castingshow «Star Academy» in Paris zu schaffen.

Dort will sie singen, gewinnen und ein Star in allen Französisch sprechenden Ländern dieser Welt werden. Vorerst muss sie aber noch die Post verteilen und sich über die etwas gar tiefen und ausführlichen Blicke eines älteren Kollegen ärgern.

Die Zuschauer freuen sich sichtlich über die Satire der Arbeitswelt. Eine in Schwarz gekleidete Dame meint: «Solche Situationen kenne ich aus eigener Erfahrung bestens.» Und ein älterer Herr freut sich, dass das Programm dieses Jahr offenbar auch jüngere Semester anspricht: «Der Altersdurchschnitt ist eindeutig tiefer als sonst üblich.»