Schwingen
Vom Täfelibueb zum Teilnehmer am «Eidgenössischen»

Mit 16 Jahren war Thomas Kammermann in Tuchfühlung mit den Heroen. Mit 25 Jahren ist er einer von ihnen: Thomas Kammermann vom SK Glatt- und Limmattal fährt ans «Eidgenössische» nach Burgdorf.

Raphael Biermayr
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Für das Leichtgewicht Thomas Kammermann (vorn) bedeutet jeder Kranzgewinn besonders harte Arbeit.key

Für das Leichtgewicht Thomas Kammermann (vorn) bedeutet jeder Kranzgewinn besonders harte Arbeit.key

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Der zweifache Saison-Kranzer Kammermann wurde vom Nordostschweizer Verband (NOS) für das «Eidgenössische» in Burgdorf selektioniert.

Vor neun Jahren in Luzern amtete der Nachwuchsschwinger vom SK Rothenburg noch als Täfelibueb: Er zeigte den Zuschauern mittels Einstellen der Startnummern und Drehen der Tafel an, wer mit wem zusammengreift.

«Das war eindrücklich mitzuerleben», sagt der Zentralschweizer, dessen Weg wegen seines Studiums nach Zürich respektive zum SK Glatt- und Limmattal führte.

Die Selektion rundet einen perfekten Sommer ab für den 1,84 Meter grossen Athleten. Vor einigen Wochen machte der Maschinenbaustudent seinen Abschluss an der ETH, darf sich nun Ingenieur nennen.

Seine Masterarbeit handelt von der «Optischen Charakterisierung von Schweröltropfen durch Phasen-Doppler-Anemometrie».

Oder, etwas einfacher: Kammermann prüft mithilfe von Lasermesstechnik die Schweröleinspritzung bei Schiffs-Diesel-Motoren, um Letztere zu optimieren.

Vor zwei Jahren Neukranzer

Mit der gleichen Akribie wie auf seinen Abschluss hat Kammermann auch auf sein erstes «Eidgenössisches» hingearbeitet.

Nach Kranzgewinnen am Zürcher und Schaffhauser Kantonalen wars eigentlich nur noch eine Formsache. «Dennoch glaubt man es erst, wenn man es liest», sagt der Sennenschwinger, der mit 90 Kilogramm eher zu den Leichtgewichten bei den Aktiven gehört.

Auch deshalb ist jeder Kranzrang für ihn mit besonders harter Arbeit verbunden. Erst 2011 gewann Kammermann sein erstes Eichenlaub (am Schaffhauser Kantonalen), ein Jahr später holte er am Zürcher Kantonalfest das zweite seiner Karriere.

Entsprechend macht der Oerliker keine hochtrabenden Pläne hinsichtlich seiner Auftritte in Burgdorf. «Mit einem Kranz zu liebäugeln, wäre vermessen.

Ich will so viele Gänge wie möglich bestreiten.» Am «Eidgenössischen» wird nach dem vierten und sechsten Gang ein Schnitt vorgenommen.

Bis zum Saisonhöhepunkt am Wendewochenende von August zu September wird Kammermann mit den Selektionierten des NOS-Verbands noch die Schwingfeste auf dem Ricken und dem Bachtel bestreiten.

Darüber hinaus garantieren Zusammenzüge der Nordostschweizer hochstehende Trainings sowie die Möglichkeit zum Austausch für die Novizen mit den Routiniers.

Kammermann kann nebst seinen eigenen Erfahrungen als Täfelibueb und später als Zuschauer noch auf einen weiteren Ratgeber zurückgreifen:

Sein Vater Walter qualifizierte sich im Jahr 1986 für das «Eidgenössische» in Sion.