Birmensdorf

Vom Sportplatz Geren führt der Weg in die Zürcher VIP-Loge

An Spieltagen ist Roger Gemperle vor allem da, um Sponsoren und Partner der ZSC Lion zu betreuen.

An Spieltagen ist Roger Gemperle vor allem da, um Sponsoren und Partner der ZSC Lion zu betreuen.

Roger Gemperle, ehemaliger Präsident des FC Birmensdorf, arbeitet seit zehn Jahren bei den ZSC Lions. Dort ist er für das Marketing und Kommunikation verantwortlich und kümmert sich um die Geldgeber im Hintergrund.

Am vergangenen Samstag empfing Tabellenführer ZSC Lions im Hallenstadion Verfolger Biel zum Spitzenkampf. Die Stadtzürcher entschieden diesen mit 3:1 für sich und verteidigten damit ihre Position an der Spitze. Unter den 9500 Zuschauern weilte auch Roger Gemperle, der ehemalige Präsident des FC Birmensdorf. Dies nicht nur, weil er gerne Eishockey schaut und das Hallenstadion in den letzten Jahren zu einer Art zweiter Heimat für Ex-Bosse des FCB geworden ist (Gemperles Vorgänger Dieter Müller ist seit Jahren stolzer Besitzer einer Saisonkarte). Der Familienvater aus dem Limmattal arbeitet seit zehn Jahren für den Eishockeyklub.

«Es ist ein Traumjob», sagt Gemperle am Medieneingang zur Begrüssung – man glaubt es ihm gerne. Gemperle führt den Chronisten der Limmattaler Zeitung durch sein Reich. Zuerst geht es an Security-Leuten vorbei hinauf unter das Dach des Stadions. Im feudalen Business-Bereich der Star-Lounge, abgeschirmt vom gemeinen Volk und hinter Glasscheiben, gibts erst einmal einen Imbiss. «Greif zu, es schmeckt ausgezeichnet», sagt Gemperle schmunzelnd. Die Bedienung kredenzt ihm und dem Journalisten einen nicht ganz billigen Rotwein, Nachschlag sowie Dessert und Kaffee gibts nach Belieben. Wer das noch nie erlebt hat, fühlt sich ein wenig wie ein König. Natürlich hat alles seinen Preis. Eine Eishockeysaison in der Star-Lounge kostet einen fünfstelligen Betrag – Noblesse oblige.

Ach ja, Eishockey wird auch noch gespielt an diesem Abend. Unten auf dem Eis nimmt die Partie Fahrt auf, der ZSC geht durch einen Shorthander mit 1:0 in Führung. Derweil hängt Gemperle am Handy, ein wichtiger Gast scheint einen speziellen Wunsch zu haben. Sekunden nach dem Telefonat ist der Birmensdorfer wieder der gefragte Mann und entschuldigt sich für einen Moment. «Während den Spieltagen bin ich vor allem da, um Sponsoren und Partner zu betreuen. Ich schüttle Hände und habe ein offenes Ohr für alle, die mich brauchen», sagt Gemperle. Er ist adrett gekleidet, dunkler Rollkragenpullover und Sakko mit ZSC-Emblem.

FCB-Kicker mischen die Szene auf

Der Fussballer aus dem beschaulichen Birmensdorf arbeitet seit zehn Jahren für den Eishockey-Klub aus der Grossstadt Zürich – wie ist es dazu gekommen? «Wie so oft im Leben stand ein Zufall am Anfang», sagt Gemperle schmunzelnd. Von 2001 bis 2007 war er sechs Jahre im Dienst der Zürcher Vermarktungsfirma Sportfokus, die Markus Füglistaller gehört, einem der Aufstiegshelden des FC Birmensdorf im Jahr 1981. In dieser Zeit polierte der gebürtige Berner als Werbeverkäufer für die Young Boys Türklinken, erlebte die faszinierende Zeit mit, als der Verein vom alten Wankdorfstadion ins Neufeld und dann ins Stade de Suisse zügelte. Es folgte ein kurzes Gastspiel als Inserateverkäufer bei Ringier. Schliesslich erhielt Gemperle von Füglistaller den Tipp, dass die ZSC Lions jemanden für die Kommunikation suchen würden.

«Ich hatte einen Termin mit CEO Peter Zahner, dann war die Sache schnell geritzt», erinnert sich Gemperle. Am 1. April 2009 startete der Birmensdorfer in sein Abenteuer. 2017 ist er aufgestiegen, amtet seither als Chief Marketing Officer. «Ich bin verantwortlich für das Marketing der ganzen Organisation, auch für jenes der GCK Lions und vom Nachwuchs.» Gemperle schaut unter anderem, dass auf den Spielertrikots möglichst alle Werbeflächen verkauft werden können.

Neben zahlreichen anderen Aufgaben organisiert er einmal jährlich einen Trip in die USA. So flog Gemperle gestern Freitag mit einer 32-köpfigen Gruppe eishockeybegeisterter ZSC-Sympathisanten für fünf Tage nach New York. Auf dem Programm stehen – natürlich – Besuche an NHL-Partien. Am Samstagabend das Revierderby New Jersey Devils gegen die New York Rangers, am Montag die Partie der Rangers gegen die Vegas Golden Knights. Natürlich gibts für die Zürcher Delegation exklusive Supplements. «Wir werden uns in der Heimstätte der Rangers, dem Madison Square Garden, in den Spielerkabinen umschauen dürfen», freut sich Gemperle. Noch besser: Nach dem Spiel der Devils soll es zu einem «Meet and Greet» mit Nico Hischier kommen.

Zurück nach Zürich Oerlikon. Das erste Drittel ist zu Ende, ein weiteres Tor ist noch nicht gefallen. «Komm, gehen wir runter», sagt Gemperle während der Pause. Er schaue sich die Partien jeweils lieber von der Pressetribüne aus an. Noch schnell ein letzter Espresso in der edlen Umgebung, dann kehrt der Alltag wieder ein.

Bier aus Bechern statt Rotwein aus Gläsern

Unten in der Halle ist der Lärmpegel deutlich höher als oben, statt Rotwein aus Gläsern wird hier Bier aus Plastikbechern getrunken. Gemperle nimmt Platz – und schon ist er mitten in einem Gespräch mit Sandro Frei. Der 32-Jährige übernahm 2017 Gemperles Job als Medienchef der ZSC Lions und macht ganze Arbeit. So ist er auch verantwortlich für sämtlich Social-Media-Kanäle sowie das viermal jährlich erscheinende Klubmagazin «Overtime». In die Verlängerung müssen die Zürcher an diesem Abend jedoch nicht – Denis Hollenstein entscheidet die Partie mit seinem Tor zum 3:1 in der 55. Minute.

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