Cabaret Rotstift

Vom Schwingkeller geht es auf Schweizer Bühnen

Weil sie Geld für einen Skilagerfonds sammeln wollen, gründen mehrere Schlieremer Lehrer 1954 das Cabaret Rotstift – das Projekt wird zu einer Erfolgsgeschichte.

Das Publikum will sie nicht gehen lassen. Immer wieder müssen sie zurück auf die Bühne. Dann, erst nach mehreren Minuten Applaus, fällt der letzte Vorhang. Das Cabaret Rotstift ist Geschichte. An diesem 8. Mai 2002 stehen Werner von Aesch, Jürg Randegger und Heinz Lüthi im Salmensaal ein letztes Mal gemeinsam auf der Bühne. Für ihre Abschiedsvorstellung sind sie dorthin zurückgekehrt, wo 48 Jahre zuvor alles begann – nach Schlieren.

Es ist an diesem Abend nicht die einzige Parallele zur Gründungszeit. Die Einnahmen werden zugunsten eines wohltätigen Zwecks gespendet. Der Erlös der beiden letzten Auftritte, insgesamt 40'000 Franken, geht an die Urdorfer Stiftung für Behinderte Solvita. 1954, als das Cabaret ins Leben gerufen wird, kommt das Geld den Schlieremer Schülern zugute. Um auch Kindern aus minderbemittelten Familien die Teilnahme am Skilager zu ermöglichen, gründen mehrere Lehrer und Kindergärtnerinnen das Ensemble, mit welchem sie Geld für einen Skilagerfonds einspielen wollen.

Das erste Programm «Zyt isch Gäld» wird im Schwingkeller im Moos von Hedi Baumann, Isolde Füllemann, Werner von Aesch, Max Bürgi und Röbi Lips sowie Walter Witzig als Texter und Conférencier aufgeführt. Der Auftritt lässt aufhorchen. Das Ensemble absolviert einige Tingelvorstellungen ausserhalb von Schlieren. Es müssen deshalb Themen gesucht werden, die auch in anderen Gemeinden funktionieren.

«Jimmy Muff» wird geboren

Auf Wunsch der Schulpflege kommt 1956 ein zweites Programm zustande. «Mir striiched aa, mir striiched duur...» heisst es. Inzwischen werden auch Radio und Fernsehen auf die Kabarettisten aufmerksam. In einer speziellen Radiosendung stellt Charles Ferdinand Vaucher das Cabaret Rotstift vor. Das noch in den Kinderschuhen steckende Fernsehen bringt gar eine Live-Sendung.

Damit startet eine Zusammenarbeit, die viel zur Popularität der Kabarettisten beiträgt. Mit Ausnahme von drei Produktionen werden sämtliche Programme der «Rotstifte» vom Fernsehen übernommen. Anfänglich sind es Live-Sendungen, später Aufzeichnungen.

Cabaret Rotstift - Die Zähtuusigscht ("Wäge dem gaht doch d'Wält nöd under!")

Cabaret Rotstift - Die Zähtuusigscht ("Wäge dem gaht doch d'Wält nöd under!")

1957 wechselt das Ensemble vom Schwingkeller in den Singsaal Hofacker. Im selben Jahr stösst für das dritte Programm «Das isch dänn zvill» Fredy Lienhard dazu. Er bleibt bis 1965, zuerst als Texter, danach auch als Darsteller.

Während seines Engagements entsteht die Figur «Jimmy Muff». Sie tritt erstmals 1959 im Programm «Hütet euch» auf. Der «proletarische Bohémien» kommentiert mit kernigen Sprüchen vor allem Sportanlässe und taucht in den späteren Programmen immer wieder auf. Populär wird die Figur auch durch Auftritte im «Café Endspurt», einem Magazin des Schweizer Radios DRS.

1965 formiert sich das Cabaret Rotstift, das in den vergangenen Jahren in wechselnden Zusammensetzungen aufgetreten ist, neu. Von nun an ist es ein reines Männerensemble. Es besteht aus den Gründungsmitgliedern von Aesch, Bürgi, Lips und dem neu dazugestossenen Zürcher Lehrer Jürg Randegger.

Es folgt eine äusserst produktive Phase, die unter anderem den wohl berühmsteten Sketch des Cabarets Rotstift hervorbringt: «Am Skilift» (1970). 1974 scheidet Max Bürgi aus dem Ensemble aus, ab 1977 wird er durch den Weininger Lehrer Heinz Lüthi ersetzt. Nach dem Rücktritt von Röbi Lips tritt das Cabaret Rotstift ab 1981 in der bis heute wohl bekanntesten Formation von Aesch, Randegger und Lüthi auf. Im Jahr 1986 folgt ein weiterer Höhepunkt. Die drei Kabarettisten erhalten den «Prix Walo».

Am Skilift – Cabaret Rotstift

Am Skilift – Cabaret Rotstift

Mit dem letzten von insgesamt rund 20 Programmen, «Happy End!», verabschiedet sich das Cabaret Rotstift 2002 von der Bühne. Etwa 300'000 Franken an Spenden sind bis da für Schlieremer Ski- und Klassenlager zusammengekommen.

Lesen Sie hier den Artikel zur neusten Produktion «Rotstift Reloaded».

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