Dietikon

Vom Schauspiel zum Kaffee — sie hat ihre Leidenschaft mit dem Zuzug in die Schweiz entdeckt

Sie ist mit vielen Gästen per Du und wird bereits von vielen Kunden bereits beim Eintreten begrüsst.

Sie ist mit vielen Gästen per Du und wird bereits von vielen Kunden bereits beim Eintreten begrüsst.

Bibiana Marcisovska schmiss ihren Job als Schauspielerin hin, den sie bei einem Casting für eine TV-Show kurz zuvor erhalten hatte, und baute sich im Limmattal ein neues Leben auf.

Die Kaffeebestellung am Bahnhof Dietikon wird oft von Bibiana Marcisovska entgegengenommen. Sie fällt auf mit ihren roten lockigen Haaren und ihren strahlenden Augen. «Ich liebe meinen Job, es wäre nicht gut, wenn mir die Arbeit keinen Spass macht», sagt sie. 2013 entschied sie sich, ihr Heimatdorf Levoča in der Slowakei zu verlassen und in die Schweiz zu ziehen. Sie schmiss ihren Job als Schauspielerin hin, den sie bei einem Casting für eine TV-Show kurz zuvor erhalten hatte, und baute sich im Limmattal ein neues Leben auf. 

«Das Servieren wird mir nie zu viel», sagt sie. Obwohl es in der Anfangszeit schwierig gewesen sei, weil sie damals fast kein Deutsch verstanden habe. Besonders dann, wenn auf Schweizerdeutsch bestellt wurde und von den Gästen Synonyme verwendet wurden: «Eine Schale, ein Milchkaffee, ein Kaffee mit Milch – ich verstand nur Bahnhof», erzählt die 30-Jährige lachend. Für sie sei die korrekte Aussprache nach wie vor wichtig: «Wenn ich sprachlich noch Fehler mache, dann bitte korrigieren, sonst bleibt es immer falsch», betont sie.

Sie will hoch hinaus und kämpft für die Zukunft

Eigentlich hat Marcisovska Sozialarbeit studiert. Der Entscheid, ob dieses Diplom anerkannt werden kann, ist zurzeit noch hängig. Und so arbeitet sie seit November 2013 im Caffè Spettacolo und hat im Service eine neue Leidenschaft gefunden. Mittlerweile ist sie als Schichtleiterin tätig: «Ich mag es sehr, auch neue Kaffeesorten auszuprobieren.» Innerhalb des Unternehmens gehe sie zudem jeder Weiterbildungsmöglichkeit nach. So sei sie oft die Erste, die sich für einen ausgeschriebenen Kurs anmelde. «Wer weiss, ob mir das ein oder andere Zertifikat in der Zukunft was bringt. Ich will noch viel mehr beruflich erreichen und dafür kämpfe ich», sagt sie. Es sei toll, dass sie solche Möglichkeiten nutzen könne.

«Was mir wirklich weh macht, ist, wenn mir jemand das Gefühl gibt, als Ausländerin hier nicht zu Hause oder willkommen zu sein», sagt sie. Aber das komme selten vor. Meist ist das Gegenteil ist der Fall. Während einem Besuch an ihrem Arbeitsort wird schnell klar: Die Frage von Kunden, wie es ihr gehe, beantwortet Marcisovska mehrmals am Tag. Sie ist mit vielen Gästen per Du und wird bereits von vielen Kunden bereits beim Eintreten begrüsst. «Die Arbeit mit Leuten ist mir sehr wichtig und wir haben Stammkunden, die immer dasselbe bestellen. Bei ihnen muss gar nicht mehr fragen, was sie wollen», erzählt sie. Vier Jahre lang wohnte sie in Dietikon, bevor sie kürzlich nach Wohlen zog. «Meine Eltern haben sich schon sehr gewundert, als sie einmal zu Besuch waren und mich so viele Personen auch auf der Strasse begrüssten.»

Mindestens zwei Mal im Jahr fliegt sie zurück in die Slowakei oder wird von ihrer Familie in der Schweiz besucht. Sie könne sich gut vorstellen, einmal ein Café in ihrer Heimat zu eröffnen: «In der Slowakei gibt es diese Idee des Kaffees mit einem frischen Gipfel als Frühstück nicht», erzählt sie. Deshalb sei ihr bereits die Idee gekommen, diese Tradition dort zu verbreiten. Eigentlich wollte sie 2014 nach nur einem Jahr bereits zurück, aber niemand im Café habe sie ziehen lassen wollen. Und daran habe sich bis heute nichts geändert.

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Autor

Cynthia Mira

Cynthia Mira

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