Unterengstringen
Vom «Meierhof» in die «Blumenau» – und dann?

Die lange Suche nach einem neuen Gemeindehaus neigt sich allmählich dem Ende entgegen. Wenn heute die Ausstellung zu den vier Projekten an der Dorfstrasse eröffnet wird, ist das in Unterengstringen der Startschuss für entscheidende Wochen.

Sandro Zimmerli
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Im November wird über den Nachfolger des «Hauses zur Blumenau» als Gemeindehaus entschieden. mke

Im November wird über den Nachfolger des «Hauses zur Blumenau» als Gemeindehaus entschieden. mke

Limmattaler Zeitung

Zu Ende sein dürfte diese Phase am 27.November (s.Box). Dann wird an der Urne definitiv über ein neues Gemeindehaus befunden. Die Stimmbürger fällen dann nicht nur einen Entscheid zu einem neuen Verwaltungsgebäude, sie beenden auch eine unendlich lang anmutende Geschichte.

Dienstleistungszentrum geplant

Diese beginnt in den 1990er-Jahren. Die Verwaltung – bis 1940 residierte der Gemeindeschreiber im «Meierhof» oberhalb des Klosters Fahr – befindet sich zu diesem Zeitpunkt rund 20 Jahre im heutigen Gemeindehaus, dem «Haus zur Blumenau». 1998 macht der damalige Gemeindeschreiber den Gemeinderat darauf aufmerksam, dass die Raumverhältnisse im Gemeindehaus eng und keine Raumreserven mehr vorhanden sind. Wegen des plötzlichen Unfalltodes des Gemeindeschreibers wird die Lösungssuche aber um zwei Jahre vertagt.

2001 wird die Diskussion über den Raumbedarf wieder aufgenommen. Der Gemeinderat prüft Erweiterungsmöglichkeiten am heutigen Standort, sieht aber kein geeignetes Ausbaupotenzial. Auf einen Neubau am bisherigen Standort wird unter anderem verzichtet, weil das Raumvolumen nicht wesentlich erweitert werden kann.

Weil alle, seit den 1970er Jahren begonnenen Projekte rund um die Liegenschaft «Sennenbüel» gegenüber dem jetzigen Gemeindehaus ein Dorfzentrum zu erstellen, scheitern, entschliesst sich der Gemeinderat den heutigen Standort aufzugeben und einen Neubau bei der Freizeitanlage Büel zu planen. Entstehen soll ein Gemeinde-Dienstleistungszentrum, in dem neben der politischen Gemeinde auch die Primarschule, die Reformierte Kirchgemeinde und die Kantonspolizei untergebracht sind. Die Kosten für die Gemeinde werden mit rund 11,865 Millionen Franken angegeben.

Aus einem Architekturwettbewerb geht 2003 schliesslich das Projekt «Bella Vista» als Sieger hervor. Nach einiger Kritik, vielen ist Dimension des Projektes nicht geheuer, sucht der Gemeinderat nach Einsparungsmöglichkeiten. Im Herbst desselben Jahres wird das redimensionierte Projekt an einer Gemeindeversammlung vorberaten. Trotz teilweise heftiger Kritik spricht sich die Versammlung deutlich für ein Gemeindehaus «light» aus.

Die Urnenabstimmung ist auf den 30. November angesetzt. Dort wird das Projekt schliesslich mit 896 zu 377 Stimmen abgelehnt. Als Sofortmassnahme bewilligt der Gemeinderat im folgenden Jahr für Sanierungsarbeiten am bestehenden Gemeindehaus einen Kredit über 168 000 Franken. Weitere Diskussionen sind bis nach den Gesamterneuerungswahlen im Frühjahr 2006 sistiert.

Keine Einmietung ins Castrol-Haus

In Gang kommt die Diskussion aber erst 2007. Die Exekutive erklärt, dass man «nur» noch die Verwaltung in einem neuen Gemeindehaus einzuquartieren gedenke. Anfang 2008 Jahr präsentiert sie vier Varianten. Eine erste bestünde darin, dass sich die Gemeinde in das Castrol-Haus an der Zürcherstrasse einmietet. Die Mietkosten beliefen sich auf rund 370 000 Franken jährlich.

Eine andere Möglichkeit ist die Errichtung eines neuen Gemeindehauses bei der Gemeindescheune an der Dorfstrasse. Die Kosten lägen bei knapp 5,4 Millionen Franken. Für diesen Fall gäbe es drei Finanzierungsformen. Die Gemeinde baut das Haus in Eigenregie, verkauft es an einen Investor und mietet es zurück. Oder sie verkauft das Projekt im Baurecht an einen Investor und mietet das Gebäude langfristig zurück.

An einem Informationsabend spricht sich eine Mehrheit der Besucher für die Einmietung ins Castrol-Haus aus. Doch die Verhandlungen scheitern. Die neue Idee sieht vor, das alte Gemeindehaus abzureissen, durch einen Investor am selben Ort ein neues erstellen zu lassen und sich dort einzumieten.

An der vorberatenden Gemeindeversammlung im Dezember 2009 wird Kritik an den Plänen des Gemeinderates laut, sich in einen Neubau am alten Standort einzumieten. Zu teuer und am falschen Ort, so die Vorwürfe. Es werden Stimmen laut, selber ein Gemeindehaus zu bauen. Trotz der Kritik werden aber keine Änderungsanträge gestellt. Die Vorlage geht so an die Urne, wie sie vom Gemeinderat präsentiert wird.

Anfang 2010 reagiert der Gemeinderat auf die Kritik an der Mietlösung in einem Neubau und verschiebt die für den März geplante Abstimmung. Im Frühjahr taucht eine neue Variante auf. Eine Immobilienfirma will das neue Gemeindehaus an der Zürcherstrasse, schräg gegenüber dem jetzigen Standort, bauen. Die Verwaltung soll sich dort einmieten. An der Rechnungsgemeindeversammlung sprechen sich die Stimmbürger gegen den Standort Zürcherstrasse aus. Bewilligt wird dafür ein Planungskredit von 225000 Franken für den Neubau eines Gemeindehauses an der Dorfstrasse. Vier Projekte werden nun präsentiert.