Dietikon

Vom Maler zum Tenor: Hans Michael Sablotny rührt sein Publikum zu Tränen

Die Premiere des ersten abendfüllenden Soloprogramms des Dietiker Tenors war restlos ausverkauft – obwohl er ja nur sang.

Im Stadtkeller in Dietikon werden zusätzliche Stühle aufgestellt, obwohl es an der Abendkasse bereits keine Tickets mehr zu ergattern gibt. Es ist ein kleines Fest, an dem Hans Michael Sablotny mit seiner Performance am Dienstagabend gebührend zelebriert wird. Gefeiert wird nicht nur die gelungene Aufführung, sondern auch der Künstler selbst: für seinen eisernen Willen und sein Durchhaltevermögen im, wie er auf der Bühne auf unterhaltsame Weise präsentiert, manchmal brotlosen Beruf als Tenor.

Der ehemalige Maler animiert das Publikum zum Mitsingen

Der ehemalige Maler animiert das Publikum zum Mitsingen

In den Neunzigerjahren als Saisonarbeiter in die Schweiz gekommen, ist der ursprüngliche Maler aus Köln erst sehr spät in die Welt des Gesangs eingestiegen. «Mein Leben als Sänger wäre sicher anders verlaufen, hätte ich nicht erst mit Ende dreissig mit der klassischen Gesangsausbildung angefangen. Denn mit diesem Alter hören viele wieder auf», sagt er. Im Jahr 1997 zog es ihn und seine Frau nach Dietikon; seither wohnt er in der Stadt. «Wo soll ich denn sonst hin?», scherzt er nach seinem Auftritt. Es gefiele ihm hier sehr gut, er habe ein gutes Umfeld. So lobt Sablotny auch die Zusammenarbeit mit der Kulturkommission Dietikon, die zum Abend eingeladen hatte.

Hans Michael Sablotny singt im Dietiker Stadtkeller

Hans Michael Sablotny singt im Dietiker Stadtkeller

Auf der Bühne überzeugt der Künstler mit starker Stimme, gekonnter Mimik und einem Repertoire von Pop bis Klassik. Der Tenor zeigt sein ganzes Können in seinem ersten abendfüllenden Soloprogramm. Seit über zehn Jahren als treue Begleiterin spielt am Klavier Annkatrin Isaacs.

Er sei ein 1.90 Meter grosser Mann mit 115 Kilo Tränen in den Augen, sagt Sablotny, nachdem die Zuschauer für zwei Stunden in seine Welt eingetaucht sind, mitgesungen und mitgefiebert haben. «Es ist einfach jedes Mal so, wenn ich an ein Konzert von Hans Michael Sablotny gehe: Ich habe ihn schon paar Mal auch in Operetten gesehen und es ist immer dasselbe – ich bin zu Tränen gerührt», sagt Besucherin Christine Gloor und wischt sich eine Träne von den Augen. Er habe eine Glanzleistung geboten, meint auch Jürg Stanke über Sablotnys Programm und bekennt sich als ein grosser Fan.

Hans Michael Sablotny berührt das Publikem

Hans Michael Sablotny berührt das Publikem

Schwieriges Sängerdasein

«Es war ein sehr unterhaltsamer Abend, an dem Sablotny all seine Facetten aufleben lassen konnte – ich bin sehr beeindruckt», sagt Corina Cavegn, die mit ihm zusammen bereits im Duett auf der Bühne gestanden ist. Die Thematik rund um das schwierige Dasein als Sängerin kann sie bestätigen. Besonders wenn keine Absicherung mit einem zweiten Beruf besteht, die einen gewissen Spielraum lässt, sei es schwierig.

Am Ende zeugt der Applaus von einem begeisterten Publikum, sodass aus dem Programmtitel «…aber Sie singen ja nur!» ein «...bitte singen Sie weiter!» wird. Nach der zweiten Zugabe regnet es schliesslich rote Rosen auf die Bühne herab, während Sablotny zu Hildegard Knefs «Für mich solls rote Rosen regnen» zum letzten Mal ansetzt.

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