Sie ist Videokünstlerin, SP-Politikerin, Kommunikationsstudentin, Jodlerin und Betreuerin zweier Waisenhäuser in Kenia. Trotz der zahlreichen Aufgaben ist Yvonne Apiyo Brändle-Amolo aber eines geblieben: eine Perfektionistin. So hat sie lange gezögert, bis sie zugesagt hat, ihre Kunst an der Biennale in Venedig auszustellen.

Die Messe gilt als die bedeutendste in der Szene. Wenn sie mitmachen würde, so wusste die gebürtige Kenianerin, dann nur, wenn sie zu hundert Prozent hinter ihrer Arbeit stehen kann. «Eine grosse Ehre, aber auch eine riesige Herausforderung», sagt Brändle-Amolo.

Ihre Mutter sei es gewesen, die ihr dazu riet, sich diese Chance auf keinen Fall entgehen zu lassen. Und als Brändle-Amolo vernahm, dass sie im kenianischen Pavillon ausstellen darf, war auch sie vollends überzeugt.

«Ich möchte den Besuchern zeigen, welchen Einfluss die kulturellen Wurzeln auf die Bildung der eigenen Identität haben», sagt sie. Obwohl sie nun seit 14 Jahren in der Schweiz lebe, bleibe Kenia noch immer ihre zweite Heimat, mit der sie sich gleichermassen verbunden fühlt.

Gefertigt hat die Künstlerin in ihrem Atelier in Weiningen für die Biennale nun eine Gruppe von sechs Voodoo-Skulpturen. Die Figuren bestehen hauptsächlich aus Holz des Affenbrot- und Baobab-Baumes. Brändle-Amolo hat dieses in Kenia eingekauft und in die Schweiz mitgebracht. Das Affenbrotbaumholz wird in Afrika auch für medizinische Zwecke verwendet.

Das Thema Voodoo wählte Brändle-Amolo ganz bewusst. Es sei etwas, das den Menschen in Europa immer wieder Angst mache. So wie man sich oft vor dem Fremden fürchte. Dabei sei es doch egal, welche Religion, Nationalität oder Hautfarbe man habe. Bei ihr habe gerade dieses Zusammentreffen der afrikanischen Wurzeln mit der schweizerischen Lebensrealität zu einer neuen globalen kulturellen Identität geführt.

Skulptur mit Potenzproblemen

Als Inspiration für ihre Skulpturen nahm Brändle-Amolo bei einem Besuch in Kenia an einer echten Voodoo-Zeremonie teil. In Afrika hätten solche Messen eine ganz spezielle Bedeutung, so Brändle-Amolo. Alle Teilnehmenden kämen mit einem Problem zur Zeremonie von dem sie hofften, danach davon geheilt zu sein. Die Sitzung führt jeweils ein Voodoo-Priester. Ihn und fünf weitere Teilnehmende der Zeremonie hat Brändle-Amolo zurück in der Schweiz als Skulptur zu verkörpern versucht.

Die grösste aller Figuren trägt ein rot-gelbes Gewand. «Dieser Herr kam aufgrund von Potenzstörungen zur Zeremonie», verrät Brändle-Amolo. Welche Geschichte hinter den weiteren Figuren steckt, möchte sie vor Beginn der Ausstellung aber noch nicht verraten. Die letzte sei sogar noch in Arbeit. Lange habe ihr der Stoff dazu gefehlt.

Diesen habe sie für jede Skulptur individuell ausgewählt. Wichtig sei es ihr gewesen, dafür ebenfalls ausschliesslich afrikanische Stoffe zu verwenden. Doch weil ihr dieser bald ausging, musste sie sich anders helfen. «Zum Glück habe ich mittlerweile fast auf der ganzen Welt Freunde aus der Kunstszene», so Brändle-Amolo. So habe ihr ein Künstlerehepaar aus Amsterdam helfen können, die Stoffe rechtzeitig zu beschaffen.

Umständlich wird der Transport

Überhaupt – immer wieder sei während der Planung etwas schiefgegangen. Alleine der Transport der Skulpturen bis nach Venedig werde ein abenteuerliches Unterfangen. Da Brändle-Amolo den Transportbus eines Kollegen nun doch nicht leihen kann, muss sie auf einen Mobility-Mietwagen ausweichen.

Der Knackpunkt: Am nächsten Tag zur selben Zeit muss der Kleinbus wieder in Schlieren stehen. So macht die Künstlerin den Weg nach Venedig nun gleich zwei Mal. Einmal mit ihren Voodoo-Puppen im Gepäck und einmal alleine mit ihrem Koffer.

Trotz des ganzen Aufwands überwiegt aber die Vorfreude. «Ich bin jetzt schon ganz nervös», sagt sie. Ständig klingle das Telefon. Am liebsten würde sie ihr Handy einfach zur Seite legen und sich gar nicht damit beschäftigen, sagt Brändle-Amolo und lacht.

Die Skulpturen werden insgesamt sechs Monate an der Biennale ausgestellt sein. Danach wird die Künstlerin einige von ihnen verkaufen. Zwar habe sie gar nicht geglaubt, dass jemand daran Interesse haben könnte, doch es seien schon mehrere Anfragen eingegangen.

Yvonne Apiyo Brändle-Amolos Voodoo-Figuren können ab dem 9. Mai 2015 im kenianischen Pavillon an der Biennale in Venedig gesehen werden. Die Ausstellung dauert bis zum 22. November 2015.