Dietikon

Vom Collegium Musicum auf die Bühne des Bernhard-Theaters

Mit neun Jahren begann Ursin Wüst mit dem Cellospielen. Seither war er bei verschiedenen Orchestern tätig und spielt aktuell zum ersten Mal in einem Musical.

Mit neun Jahren begann Ursin Wüst mit dem Cellospielen. Seither war er bei verschiedenen Orchestern tätig und spielt aktuell zum ersten Mal in einem Musical.

Ursin Wüst hat seinen ersten grossen Auftritt in «Heidi und Johanna Spyri» im Zürcher Bernhard-Theater. Dafür probt er gemeinsam mit den anderen Musikern jeden zweiten Samstag sechs bis sieben Stunden lang.

Wenn Ursin Wüst mit dem Bogen sanft über die Saiten seines Violoncello streicht, wird seine Leidenschaft für das Instrument offensichtlich. Seit zwei Jahren spielt der Lehrlingsausbildner für Metallbaukonstrukteure bereits im Collegium Musicum Urdorf mit.

Davor war der in Dietikon ansässige Cellist Teil der Musikschule im Knonauer Amt. Seinen ersten wirklich grossen Auftritt bestreitet er nun im Musical «Heidi & Johanna Spyri», das ab dem 8. April vom Estrich-Theater-Ensemble im Bernhard-Theater in Zürich aufgeführt wird.

Für das Mitwirken in dieser Produktion wurde er von einem Kollegen angefragt, der ebenfalls im Urdorfer Orchester spielt. Bereits nach dem ersten Treffen mit den Amateur-Musikern war ihm klar: «Da will ich mit dabei sein.»

Im Musical des preisgekrönten Dramaturgen Shaun McKenna aus England wird, parallel zur mittlerweile weltbekannten Heidi-Geschichte von Johanna Spyri, die eher unbekannte Lebensgeschichte der Autorin erzählt.

Die rund 22 Darsteller werden vom zehnköpfigen Orchester, dem Wüst angehört, begleitet. Das Besondere daran: Jedes Instrument kommt darin nur einmal vor. Für Wüst bedeutet das konkret: «Das Publikum hört jeden Ton, den ich spiele.»

Dies im Gegensatz zu grösseren Orchestern, wo ein falscher Ton möglicherweise im Klang der anderen Cellisten untergehe.

Unermüdliches Proben

Seit Anfang Jahr probt das Orchester jedes zweite Wochenende. Stück für Stück haben sie sich an den für Laien anspruchsvollen Stoff herangewagt. Insgesamt werden dem Publikum 45 Lieder präsentiert; einige nur zwei bis drei Linien kurz, andere bis zu vier Seiten lang.

Vor etwas mehr als drei Wochen hatte das Orchester alle Stücke soweit vorbereitet, dass die Proben mit den Sängern beginnen konnten. An der Höschgasse 4 in Zürich, wo dem Estrich Theater in unmittelbarer Seenähe ein Proberaum zur Verfügung steht, proben sie jeweils sechs bis sieben Stunden lang.

Vorbei sind die Zeiten, als sich die Truppe noch in einem Estrich traf.

Weder Wüst und seine Musikerkollegen, noch die Darsteller werden für ihren Aufwand entlöhnt. Doch das stört ihn überhaupt nicht. Für ihn ist das Mitwirken im Musical ein guter Ausgleich zum Beruf des Lehrlingsausbildners, der so gar nichts mit Musik zu tun hat. «Ich hatte nie den Anspruch, ein Profi zu werden», sagt er.

Mit neun Jahren entdeckte er die Liebe zum Cello an einem Instrumentenvorstellungstag, den er mit seinen Eltern besuchte. Erst im Nachhinein habe er erfahren, dass mehrere Personen in der Verwandtschaft dasselbe Instrument spielten.

«Vielleicht hat mich das unbewusst beeinflusst», meint er. An dem Streichinstrument gefällt ihm besonders gut, dass es sowohl die hohen, als auch die tiefen Oktaven gut abdeckt. Im Unterschied zu einer Geige sei es auf einem Cello einfacher, schnell einen guten Ton zu treffen, erklärt er.

Schon in der Schulzeit bevorzugte Wüst das Musizieren in einer Gruppe. «Um ein Cello-Solo zu spielen, muss man schon fast ein Profi sein», sagt der Säuliämtler. Für ihn hat jede Musik ihren besonderen Reiz, es gibt keine einzelne Richtung, zu der er sich besonders hingezogen fühlt.

Nur ganz moderne Kompositionen gefallen ihm weniger; er möge es nicht, wenn Töne ohne Sinn aneinandergereiht werden, sagt er. Die Musik im Musical hingegen gefällt ihm gut.

Sie sei gut geschrieben und habe etwas Schweizerisches. Das Horn spielt stellenweise fast wie ein Alphorn. Doch gebe es auch knifflige Stellen und von der Tonlage her seien die Stücke schwierig, sagt er.

Abläufe sind anspruchsvoll

Im Unterschied zu reinen Orchesterauftritten müssen sich Musiker und Sänger in einem Musical sehr genau aufeinander abstimmen. «Das richtige Timing ist essenziell», sagt Wüst, «wir müssen die Lieder im exakt gleichen Augenblick wie die Sänger beginnen und auch wieder beenden.»

Das verlange viel Konzentration. Die Mitwirkenden können aber auf die Expertise des musikalischen Leiters Stefan Mens zählen. Der professionelle Dirigent und Komponist hat das Stück vom Englischen ins Schweizerdeutsche übersetzt. Er wird das Musical während den insgesamt 13 Aufführungen in den Monaten April und Mai dirigieren.

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