Ortsmuseum
Vom ältesten Birmensdorfer bis zur ersten Glühbirne

Seit Anfang Mai öffnet das Ortsmuseum Birmensdorf jeden ersten Samstag im Monat für die neue Ausstellung Motto «Geschichte unseres Dorfes – von der Eiszeit bis zur Gegenwart» seine Pforten.

Yves Bollier
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Das Ortsmuseum bietet einen tiefen Blick in die eigene Dorfgeschichte.
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Die neue Ausstellung im Ortsmuseum Birmensdorf
Diese Pfeilspitze aus der Jungsteinzeit ist der älteste von Menschenhand erstellte Fund aus Birmensdorf.
Der alte Föhrenstrunk aus der Nacheiszeit keimte über 10'000 Jahre v. Chr.
Historische Pfähle aus der Baugrube des Wüeri-Zentrums.
Anhand der Ringe kann das Alter des Baumstamms erstaunlich genau definiert werden.

Das Ortsmuseum bietet einen tiefen Blick in die eigene Dorfgeschichte.

Yves Bollier

Im Ortsmuseum Birmensdorf lässt sich seit dem 8. Mai die neue Dauerausstellung «Geschichte unseres Dorfes – von der Eiszeit bis zur Gegenwart» bestaunen. In dieses Projekt wurde viel Zeit investiert, ganze drei Jahre sind vergangen, seit die Ausstellung lanciert wurde. Bruno Hutter, ehemaliger Lehrer und ehemaliges Vorstandsmitglied der Heimatkundlichen Vereinigung, erklärt seine Motivation hinter dem Projekt wie folgt: «Wir möchten die Schulklassen ins Museum locken, um ihnen die Geschichte ihrer Wohngemeinde anschaulich zu vermitteln. Zu meiner Zeit gab es für den Heimatkundeunterricht zu Birmensdorf kaum Unterlagen.» Erfreulicherweise seien am ersten Tag der offenen Tür bereits überraschend viele Besucher gekommen.

Die Ausstellung beginnt im Erdgeschoss. Dort findet der Besucher den ältesten Gegenstand der Sammung: einen gut erhaltenen Föhrenstrunk aus der Nacheiszeit vor. Sein Alter konnte anhand seines Jahrring-Musters genau bestimmt werden. Er keimte 10 524 vor Christus. Im ersten Stock nimmt die Geschichte von Birmensdorf dann ihren weiteren Lauf. Auf 13 Treppenstufen werden die verschiedenen Schreibweisen des Ortsnamens in der Vergangenheit gezeigt, von «Piripoumesdorf» im 9. Jahrhundert bis «Birmenstorff» im 16. Jahrhundert.

Im Treppenhaus thronen Tonvasen in einer Vitrine. Diese wurden zufällig bei Bauarbeiten gefunden und sind zeitlich etwa 700 v. Chr. einzuordnen. Bemerkenswert ist auch eine Pfeilspitze aus der Jungsteinzeit (ca. 2600 v. Chr.), das älteste von Menschenhand erstellte Relikt im Museum. In der gleichen Vitrine liegt ein Bronzedolch (ca. 1450 v. Chr.), der in einem Hügelgrab in der Rameren gefunden wurde.

Aus der Zeit der Römer stammt ein gebrannter Ziegel. Dieser ist insofern besonders, als das man die gravierte Inschrift «victor paridianus erymus» noch gut entziffern kann. Die Inschrift gibt Auskunft über die Hierarchie bei der Herstellung des Ziegels. Im Museum befindet sich aber lediglich eine Kopie des Ziegelsteins. Das Original bewahrt die Kantonsarchäologie Zürich auf.

Folgt der Besuche r der Ausstellung in chronologischer Reihenfolge, erfährt er von der Besiedelung der Alemannen und des damit verbundenen Namensursprungs mancher Limmattaler Dörfer, von der Christianisierung sowie von vielen spannenden Zeitzeugen, wie der Schenkungsurkunde von 876 oder der Tavernenordnung des Gasthauses «Sonne». Dieses findet 1359 erstmals Erwähnung und steht heute unter Denkmalschutz. Weiter begleitet die Ausstellung den Besucher durchs Mittelalter über die Reformation und die Industrialisierung bis hin zur Geschichte der ersten Glühlampenfabrik der Schweiz und zum Bau der Eisenbahn durch Birmensdorf.

So umfangreich und detailliert gestaltet die Ausstellung auch ist, ihr ganzes Pulver hat sie noch lange nicht verschossen. In der Museumsscheune, die als Lager des Museums dient, befinden sich noch zahlreiche andere Gegenstände. Diese werden nach und nach digital erfasst. Laut Bruno Hutter befinden sich bereits rund 7000 Gegenstände in der Datenbank. Käthi Keller, Präsidentin der Heimatkundlichen Vereinigung Birmensdorf geht aber davon aus, dass sich an «Geschichte unseres Dorfes – von der Eiszeit bis zur Gegenwart» für die nächsten zehn Jahre nicht viel ändern wird. Die Dauerausstellung kann bis im Oktober jeden ersten Samstag im Monat frei besucht werden.