Volkshochschule
Volkshochschule Dietikon: «Der Kurs muss verständlich sein»

Unter Anwesenheit ihres Gründers feierte die Volkshochschule Dietikon im Gemeinderatssaal ihr 80-Jahr-Jubiläum. Vor allem dank dem uneigennützigen Engagement vieler Stiftungsratsmitglieder hat die Volkshochschule bis heute überlebt.

David Hunziker
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Ernst Joss ist Stiftungsratspräsident der Volkshochschule Dietikon.

Ernst Joss ist Stiftungsratspräsident der Volkshochschule Dietikon.

Anina Gepp

Die lokalen Volkshochschulen des Kantons Zürich hatten es nicht leicht in den letzten Jahren: Nachdem der Kanton Gelder gekürzt hatte, ging ihre Zahl von ursprünglich 41 auf 10 zurück.

Eine der Überlebenden ist die Volkshochschule Dietikon (VHSD), die am Samstag im Gemeinderatssaal ihr 80-jähriges Bestehen feierte. «Vor allem dank dem uneigennützigen Engagement vieler Stiftungsratsmitglieder hat unsere Volkshochschule bis heute überlebt», betonte ihr Präsident Ernst Joss in seinem Referat.

Unterstützung der Dietiker Behörden

Wichtig sei auch die Unterstützung der Dietiker Behörden gewesen, so Joss. Es war während Markus Notters Amtsperiode als Stadtpräsident im Jahr 1991, als die Stadt Dietikon damit begonnen hat, die VHSD finanziell zu unterstützen.

Seine beiden Nachfolger haben daran nichts geändert. Dennoch stellte der Alt-Regierungsrat in seinem Referat die Frage, ob eine Volkshochschule mit lokalen Versammlungen heute noch Sinn mache.

Schliesslich seien grössere Zentren heute einfach zu erreichen und das Internet überall verfügbar. «Diese Frage muss ich dennoch klar mit Ja beantworten», sagte Notter, «denn eine Volkshochschule bietet nicht nur individuelle Wissensvermittlung, sie ist auch eine Bildungsgemeinschaft.»

Blick in die Geschichte

Mit einem kurzen Blick in die Geschichte präzisierte Notter seine Antwort: «Nach dem Schweizer Generalstreik im Jahr 1918 prägten soziale Gegensätze die Schweiz. Man fürchtete um den Zusammenhalt der Bevölkerung», führte Notter aus.

Nicht zufällig seien die ersten Schweizer Volkshochschulen ein Jahr nach dem Streik gegründet worden. «Die Volkshochschule setzte sich zur Aufgabe, Bildung für alle anzubieten.

Sie sollte soziale Schichten zusammenbringen.» Auch heute halte Notter die soziale Integration für ihre wichtigste Aufgabe.

Auch Ernst Joss betonte: «Uns ist vor allem wichtig, dass unsere Kurse für den normalen Bürger verständlich sind.» Das gelte auch für schwierige Themen, wie Einsteins Relativitätstheorie, die einst in einem Kurs erläutert wurde.

100-jährige Karl Klenk

Die Geschichte der VHSD ist auch die Geschichte ihrer bemerkenswerten Präsidenten: Nachdem er sie mit einem Kollegen zusammen geründet hatte, leitete der heute 100-jährige Karl Klenk die VHSD für 30 Jahre.

Die Amtsperiode von Peter Müdespacher dauerte gar 40 Jahre. Er verlieh der Volkshochschule ihre heutige Gestalt. «Wir gingen damals ein Risiko ein und investierten unser ganzes Geld in ein breiteres Angebot», erzählt Müdespacher, der gerade 80 Jahre alt wurde. «Das Risiko hat sich voll ausbezahlt, die Kurse stiessen auf grosses Interesse.»

Schliesslich meldete sich auch der Gründer selbst noch zu Wort: «Als ich 1934 den ersten Kurs mitorganisierte, war Hitler gerade an die Macht gelangt.

Er hatte die seltsame Ansicht, die arische Rasse sei den anderen überlegen», erzählt Klenk. «Also haben wir einen Kurs über die Rassen organisiert. Ein Forscher der Uni Zürich brachte eine riesige Kiste voller menschlicher Knochen mit. Wir verglichen die Rassen und kamen zum Schluss: Sie sind alle gleichwertig.»