Mit 3064 zu 1366 Stimmen beziehungsweise 69 Prozent verwarf das Dietiker Volk gestern die Initiative «Nein zur Limmattalbahn bleibt Nein – Kommunale Ausgaben für die Limmattalbahn vors Volk». Diese hatte eine Änderung der Gemeindeordnung verlangt. Ausgaben, die von der Limmattalbahn mitverursacht werden, sollen vors Volk kommen – einmalige Ausgaben ab einer Höhe von 50 000 Franken und wiederkehrende Ausgaben ab 20 000 Franken. Das würde bedeuten: mehr Finanzkompetenz fürs Volk, weniger für Stadtrat und Gemeinderat. Aber daraus wird nichts.

Das ist keine grosse Überraschung. Ein Abstimmungskampf war ausgeblieben. Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) zeigte sich zufrieden. «Das Resultat zeigt, dass bei der Bevölkerung durchaus Vertrauen in die Exekutive und die Legislative vorhanden ist, auch was den Umgang mit Steuergeldern betrifft», analysierte er. «Man darf somit sagen, dass die politischen Instanzen der Stadt Dietikon gestärkt aus dieser Abstimmung herausgehen.» Die Stimmbevölkerung habe gemerkt, dass die Initiative eine «Augenwischerei» sei, nachdem die kantonale Stimmbevölkerung der Limmattalbahn bereits zweimal zugestimmt hat und eine Einflussnahme der Stadt Dietikon daher nur beschränkt möglich sei. Er sprach auch vom «Vertrauen, das die Bevölkerung in unser System hat». Zugleich sei es wichtig, dass Stadtrat und Gemeinderat den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern signalisieren würden, dass die vorhandenen Ängste und Befürchtungen ernst genommen werden. Der kürzlich vorgestellte Stadtentwicklungsdialog sei der richtige Weg. So gelinge es, dass sich alle Einwohner in Dietikon wohlfühlen.

«Es ist sehr deutlich herausgekommen, darüber bin ich froh», bilanzierte zudem SP/AL-Fraktionspräsident Ernst Joss. «In meinen Augen war das die sinnloseste Initiative, über die ich jemals abgestimmt habe. Eigentlich hätten die Limmattalbahn-Gegner sie zurückziehen sollen, nachdem sich das Dietiker Volk bei der kantonalen Initiative für die Limmattalbahn aussprach», so Joss. In der Schweiz sei es nun mal so, dass ein gefällter Entscheid von allen akzeptiert werden müsse. «Jetzt müssen wir schauen, wie es herauskommt, wenn die Limmattalbahn gebaut ist. Das Tram Schwamendingen möchte in Schwamendingen heute auch niemand mehr missen.»

«Das Kriegsbeil begraben»

«Es ist sehr erfreulich. Ich bin erleichtert, dass die meisten Dietikerinnen und Dietiker das Kriegsbeil begraben haben. Jetzt können wir nach vorne schauen», sagte CVP-Fraktionspräsident Gabriele Olivieri. Auch er findet, dass mit dem Stadtentwicklungsdialog ein guter Weg eingeschlagen wurde. Mit den Gegnern müsse man bilateral sprechen – und stets ein Ohr haben für sie.

Auch SVP-Ortsparteipräsident Rochus Burtscher erinnerte daran, die Gegner nicht zu vergessen: «Das Resultat ist klar. Trotzdem müssen wir schauen, dass wir die über 1000 Nein-Stimmenden wieder an Bord holen, damit wieder alle am gleichen Strick ziehen.»

Initiant Bernhard Schmidt (parteilos) hatte das Nein erwartet. «Das Thema Limmattalbahn ist jetzt vorbei. Aber dass unsere Behörden uns im Stich gelassen haben, ist noch nicht vom Tisch. Das wird in nächster Zeit noch nachwirken», so Schmidt. Er werde sich auch künftig dafür einsetzen, dass in Sachen Wachstum ein Umdenken stattfinde. «Meine Vision ist, dass man bei der Fahrt mit der Limmattalbahn über das Niderfeld nach Spreitenbach die schönen Äcker bestaunen kann.» Vor zehn Jahren hatte das Dietiker Volk Ja gesagt zur Niderfeld-Einzonungsvorlage. Es sollen dort 4000 Arbeitsplätze und Wohnraum für 3000 Personen entstehen.