Beim Flötenspiel wird deutlich, wie eng Musik und Vogelgezwitscher miteinander verbunden sind. In der Musikgeschichte haben sich viele Komponisten von den gefiederten Sängern inspirieren lassen. Der in Unterengstringen wohnhafte Flötist Ivan Denes beschäftigt sich in seinem Projekt «8 Birds» mit dieser Verbindung zwischen Musik und Natur. Mit dem Ensemble Le Pli präsentiert er morgen Abend erstmals die Früchte seiner Arbeit im Zürcher Museum Bellerive im Rahmen der Ausstellung «Der textile Raum». 


In den Räumen des Museums erwartet die Besucher kein gewöhnliches Klassikkonzert – Bühne und Bestuhlung sind hier fehl am Platz. Stattdessen sind die Musiker während den Spielen viel in Bewegung und binden den Raum mit in die Klangwahrnehmung ein. Wie im Wald können die Besucher sich einzelnen Klangquellen bewusst nähern oder entfernen. «Die Zuhörer sollen ihre eigene Erfahrung mitprägen können», sagt der 27-jährige Denes.


Gekommen, um zu bleiben?
Der bolivianisch-schweizerische Doppelbürger gründete eigens für das Projekt «8 Birds» das Musikensemble Le Pli gemeinsam mit den Flötistinnen Carla Claros Rollano, Constanze Chmiel und Susanne Kobel sowie der Sängerin Marie-Thérèse Albert. Unterstützt werden die Musiker vom Künstler Urs Bachmann, der den Auftritt visuell begleitet und erweitert. «Es wäre schön, wenn sich daraus eine feste Musikgruppe entwickelt», sagt Denes. Fest geplant sind zumindest weitere Darbietungen von «8 Birds» im Herbst 2016 und Frühling 2017.
Der Auftritt im Museum Bellerive kommt nicht von ungefähr. Vor zwei Jahren präsentierte Denes hier das Abschlussprojekt seines Masterstudiums an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Nach einer weiteren Zusammenarbeit waren die Verantwortlichen des Museums endgültig überzeugt und fragten Denes von sich aus erneut an.

Hätten Sie’s erkannt? Ivan Denes imitiert mit seiner Querflöte verschiedene Vögel.

Inhaltlich bahnte sich das neue Programm bereits innerhalb des Studiums an. An der ZHdK arbeitete er mit einer Vogelforscherin an einem experimentellen Projekt zwischen Naturwissenschaft und Kunst. Mit dem Auftritt ist das Projekt Vogelgesang für den Musiker noch nicht abgeschlossen: «Ich arbeite weiterhin am Thema und würde das Ganze gerne in ein künstlerisches Forschungsprojekt aufgleisen.» Die Schnittstelle zwischen Forschung und Kunst fasziniert ihn.
Seit seinem Abschluss an der ZHdK vor zwei Jahren hat Denes neben der Zusammenarbeit mit dem Museum weitere Projekte aufgegleist. So arbeitete er vergangenen Sommer als Hauptorganisator an ein Flötenfestival in Bolivien mit, wo er bis zum Bachelorabschluss lebte.

Flötist oder Vogel? Ein wissenschaftliches Experiment.


Weitergeben ist wichtig
Seit September 2015 absolviert Denes den Masterstudiengang an der Schweizer Akademie für Musikpädagogik. «Wissen weitergeben ist vielleicht gesellschaftlich relevanter, als nur auf die Kunst zu setzen», begründet er. Auch beim Flötenfestival in Bolivien nehmen die Arbeit und der Austausch mit Nachwuchsmusikern eine wichtige Rolle ein. Zurzeit unterrichtet er vier Musikschüler und tüftelt mit Freude an Möglichkeiten, seinen Unterricht möglichst spannend zu gestalten. «Bei kreativen Lehrern sind die Schüler viel motivierter, weil auch die Übungen Spass machen», sagt der Querflötenspieler. Egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene, gerne würde Denes noch mehr Schüler unterrichten und sich so ein finanzielles Standbein aufbauen. Denn dies würde es ihm auch weiterhin ermöglichen, neue Kunstprojekte frei von finanzieller Abhängigkeit zu verfolgen.

«8 Birds» Musik und Vogelgesang / Musik und Raum.
Samstag, 16. Januar, 19.00 Uhr, Museum Bellerive, Zürich.