Schlieren
«Vision» für das Schlieremer Zentrum ist nicht erwünscht

Am Workshop zur Zentrumsentwicklung gab das Volk dem Stadtrat eine Abfuhr. «Das Projekt für gestorben zu erklären würde aber die politischen Entscheidungskompetenzen dieser Veranstaltung überschreiten», erklärte Stadtpräsident Brühlmann-Jecklin.

Florian Niedermann
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Die Teilnehmer des Workshops befürchten Mehrverkehr im Zentrum.

Die Teilnehmer des Workshops befürchten Mehrverkehr im Zentrum.

Limmattaler Zeitung

«Destination Schlieren»: Ein urbanes Stadtzentrum

Die Immobilienfirma Halter erarbeitete mit dem Event-Veranstalter X-Tra ein Entwicklungskonzept für das Stadtzentrum mit dem Titel «Destination Schlieren». Dieses sieht am Stadtplatz eine Event- und Kongresshalle mit 3000 Sitz- oder 6000 Stehplätzen, eine unterirdische Parkgarage und ein Hochhaus mit Hotellerie-Betrieb vor. Die Halle würde auch der Stadt und den Vereinen zur Verfügung stehen. Die Realisierung übernähme Halter, X-Tra den Betrieb. Für die Finanzierung würde ein Investor gesucht. Der Stadtrat stellte das Projekt im Mai vor. Von der Umgestaltung des Zentrums versprach er sich eine Verbesserung des Images der Stadt über die Region hinaus, eine Belebung des Stadtkerns und einen deutlichen Impuls zur Urbanisierung der Stadt.

Lange Gesichter waren aufseiten des Schlieremer Stadtrats zu sehen. Am zweiten Workshop zur Zentrumsentwicklung, zu dem die Stadt einlud, erteilten die Bevölkerungsvertreter der Vision «Destination Schlieren» eine klare Abfuhr.

35 der 51 anwesenden Stadtbewohner stimmten dagegen, dieses Entwicklungsprojekt (siehe Box) weiterzuverfolgen. Stattdessen sprachen sie sich dafür aus, anstelle der Halle eine Grünfläche als Erweiterung des Stadtparks anzustreben. Zwar hat die Veranstaltung rein konsultativen Charakter. Doch Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) erklärte auf Anfrage, dass das Herzstück der Vision - die Event- und Kongresshalle - eher nicht weiterverfolgt werde.

Bereits am ersten Workshop von Ende Juni definierten Stadtbewohner aber alternative Stossrichtungen zur «Destination» für das Zentrum. Dazu gehörten ein Sport- oder Wellnessbetrieb, eine für kommunale Bedürfnisse dimensionierte Halle und ein erweiterter Stadtpark. Im zweiten Teil des Workshops untersuchten die Teilnehmenden die Chancen und Risiken der einzelnen Varianten. Es sollte geklärt werden, welche Nutzungsmöglichkeit die Bevölkerungsvertreter bevorzugen würden.

Verkehr stand im Zentrum

Das Verdikt der Bevölkerungsvertreter fiel am Ende klarer aus, als dies die Diskussionen erahnen liessen, die die Teilnehmer im Verlauf des Abends geführt hatten. Argumente, die dabei gegen die «Destination Schlieren» angeführt wurden, waren etwa der Mehrverkehr, den Anlässe in der Halle mit sich bringen würden, und die Sorge darüber, dass die Deckung der kommunalen Bedürfnisse den Interessen des Betreibers X-Tra hintangestellt werden könnten.

Auch eine redimensionierte Halle für bis zu 1500 Personen fand beim zweiten Partizipationsanlass keine Mehrheit mehr. Im Rahmen der Debatte wurde das Argument laut, dass eine solche Lösung die Stadt teuer zu stehen kommen könnte.

Da sich die Suche nach einem Investor für ein solches Projekt ohne vornehmlich kommerzielle Nutzung ungleich schwieriger gestalten dürfte als für eine Event- und Kongresshalle, käme die Stadt dafür auf. Ausserdem stellten sich die Fragen, ob eine solche Halle überhaupt genügend ausgelastet wäre und wer den Betrieb oder das Kulturmanagement darin übernehmen müsste.

Land für Zukunft freihalten

Sehr viele Befürworter fand im Gegensatz dazu die Idee des erweiterten Stadtparks. Die Teilnehmer des Workshops erachteten sie auch deshalb als attraktive Alternative, weil sie mit sehr kleinen Investitionen umgesetzt werden könnte.

Die Verfechter dieses Projekts punkteten dazu mit dem Argument, dass so das Land im Stadtzentrum für künftige Generationen freigehalten werde und nicht das ganze Areal verbaut sei.

Am Ende der Veranstaltung konnten die Teilnehmenden mithilfe roter Klebepunkte auf einem Flipchart ihre favorisierte Version der Zentrumsentwicklung kennzeichnen, um eine numerisch ersichtliche Absichtserklärung abzugeben. Dabei stimmte nur gerade rund ein Drittel für die «Destination Schlieren». 24 Stimmen erhielt hingegen die Erweiterung des Stadtparks.

Die Enttäuschung ob dieses Resultats war in Brühlmanns Gesicht nicht zu übersehen. «Wir müssen jetzt die Situation analysieren und dann entscheiden, wie wir mit der Zentrumsgestaltung weiter verfahren», sagte er.

Die Exekutive werde das Verdikt des Workshops nicht unbeachtet lassen. «Die Eventhalle ist wohl vom Tisch», so Brühlmann. In Bezug auf die favorisierte Idee des erweiterten Stadtparks sieht der Stadtpräsident allerdings noch viel Arbeit vor sich. «Es fehlt die angestrebte überkommunale Ausstrahlung und das identitätsstiftende Element», sagte er.

Den Grund dafür, dass die Bevölkerungsvertreter der Vision «Destination Schlieren» so wenig Kredit gaben, liege darin, dass sehr viele Fragen im gegenwärtigen Planungsstand noch nicht geklärt waren, vermutet der Stadtpräsident.

Hätte man diesen Ängsten nicht vorgreifen können, indem man die Bevölkerung erst zu einem späteren Zeitpunkt involviert hätte? «Nein», sagt Brühlmann, «bei einem so grossen Projekt sind die Kosten für die vorbereitende Planung so hoch, dass wir so oder so einen Kredit hätten bewilligen lassen müssen.» Es sei deshalb angezeigt gewesen, die Bevölkerung frühzeitig einzubinden.

Halter will weiter entwickeln

Halter sieht sich trotz des klaren Votums am Workshop zur Zentrumsentwicklung nicht veranlasst, das Projekt aufzugeben, wie ihr Leiter Entwicklung, Gianfranco Basso, auf Anfrage erklärt: «Wir sehen die Entwicklung des Zentrums als noch nicht abgeschlossen.

Wir werden deshalb weiter daran arbeiten.» Es liege nun am Stadtrat, zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Auch für Brühlmann steht die weitere Zusammenarbeit mit dem Entwickler nicht infrage: «Wir werden das Gespräch suchen und das weitere Vorgehen besprechen.»