Urdorf

Virus trifft Fasnachtsherz mit voller Wucht – Gemeindepräsidentin nimmt Stellung

Urdorfer Fasnacht abgesagt: «Es ist uns nicht leicht gefallen»

«Es ist uns nicht leicht gefallen»: Sandra Rottensteiner, Gemeindepräsidentin von Urdorf, erklärt im Interview den Entscheid, alle Urdorfer Fasnachtsanlässe abzusagen.

Weil das Infektionsrisiko eingedämmt werden soll, fällt die Fasnacht in Urdorf, Weiningen und Bergdietikon aus. «Es tut uns mega leid», sagt Daniel Leutwiler, Zeremonienmeister der Clique Schäflibach in einer Videobotschaft. Die Urdorfer Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner erklärt im Video, wieso der Gemeinderat schweren Herzens die Absage verfügt hat.

Die ernste Miene passt jetzt, in der Fasnachtszeit, überhaupt nicht zu Daniel Leutwiler. «Es geht uns gar nicht gut», sagte der Zeremonienmeister der Clique Schäflibach gestern Mittag vor dem Urdorfer Gemeindehaus, nachdem er vom Gemeinderat erfahren hat, dass definitiv alle Urdorfer Fasnachtsanlässe abgesagt werden müssen. Auch der für heute geplante internationale Umzug mit 1600 Teilnehmern fällt aus – der Volksgesundheit zuliebe. Viel Arbeit geht so kaputt. «Unsere Fasnachtsplaketten können wir nicht verkaufen, die Knabengesellschaft bleibt auf ihren Fasnachtszeitungen sitzen und der Turnverein, der die Festwirtschaft betrieben hätte, hat auch Einbussen», so Leutwiler. «Nun müssen wir alle Teilnehmer über die Absage informieren. Das sind gegen hundert Telefonate.»

Auch sonst muss wegen der Absage viel organisiert werden. Die Clique Schäflibach hat dafür gestern einen Krisenstab auf die Beine gestellt. Das Corona-Virus habe man schon länger ernst genommen. «Wir gingen davon aus, dass uns gewisse Auflagen gemacht werden, zum Beispiel dass wir überall Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen müssen. Dass es aber gleich so eskaliert und alles abgesagt wird, damit haben wir nicht gerechnet», sagt Leutwiler. In einem Video auf «limmattalerzeitung.ch» richtete er sich gestern an ganz Urdorf und an alle Fasnachtsbegeisterten. Es tue der Clique «mega leid», dass die Fasnacht nicht stattfindet. Leutwiler spendet zudem allen Fasnächtlern Trost: «Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr umso mehr zusammen eins auf den Putz hauen können.»

Urdorfer Fasnacht abgesagt: «Es gut uns mega leid»

«Es tut uns mega leid»: Daniel Leutwiler, Zeremoniemeister der Urdorfer Clique Schäflibach, richtet sich in diesen traurigen Stunden an ganz Urdorf und alle Fasnachtsbegeisterten aus Nah und Fern.

Schon seit Dienstag befassten sich Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP), Sicherheits- und Gesundheitsvorstand Andreas Herren (SP) und Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde, sowie weitere Mitglieder einer Ad-hoc-Arbeitsgruppe mit der Frage, welche Massnahmen sich aufgrund der aktuellen Situation aufdrängen und ob die Fasnacht stattfinden soll. Sie entschieden sich, beim Gesamtgemeinderat die Absage zu beantragen. Noch bevor der Antrag gestern um 11 Uhr abgesegnet wurde, gab der Bundesrat bekannt, Anlässe mit 1000 oder mehr Teilnehmern zu verbieten. Damit war klar: Die kommunale Corona-Virus-Arbeitsgruppe schätzte die Lage richtig ein.

«Es ist ein einschneidender Entscheid. Es tut allen Beteiligten weh, auch dem Gemeinderat», sagte Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner gestern gegenüber der «Limmattaler Zeitung». «Der Gemeinderat steht letztlich in der Verantwortung gegenüber der Bevölkerung, den Gesundheitsschutz sicherzustellen», sagte zudem Müller. «Das Ziel in Sachen Corona-Virus muss es sein, die Infektionskette zu unterbrechen. Das mit der Fasnacht einhergehende Infektionsrisiko ist erheblich», ergänzte Herren, gerade weil der Urdorfer Fasnachtsumzug ein internationaler ist. «Hinzu kommt, dass offenbar über 70 Mitglieder der Clique Schäflibach am vergangenen Wochenende in Bellinzona am Rabadan-Fasnachtsumzug teilgenommen haben», benennt der Gemeinderat zudem einen weiteren Risikofaktor. Des Weiteren herrschen bei Fasnachtsanlässen gedrängte Platzverhältnisse und die Rückverfolgbarkeit der Teilnehmenden ist nicht möglich.

«Wir könnten es 
uns nie verzeihen»

Auch in Weiningen werden am Sonntag keine kleinen Superhelden und Prinzessinnen durch die Strassen ziehen: Der Elternverein hat seinen traditionellen Kinderfasnachtsumzug abgesagt. Der Entscheid fiel am Freitagmittag – und schweren Herzens, wie Präsidentin Petra Düsel sagt. Das Veranstaltungsverbot, das der Bundesrat verfügt hat, betrifft zwar Grossanlässe mit mehr als 1000 Besuchern. Im Kanton Zürich bleiben, zumindest bis Anfang nächster Woche, alle Events erlaubt, die weniger Leute anziehen. «Bei uns laufen mehrere hundert Kinder mit», sagt Düsel. Und am Strassenrand würden Eltern, schwangere Frauen und ältere Personen den kunterbunten Umzug verfolgen. Die Sicherheit und Gesundheit aller stehe für den Elternverein Weiningen natürlich im Vordergrund. «Ob der Absage-Entscheid richtig oder falsch ist, lässt sich wohl nicht sagen. Aber wir könnten es uns nie verzeihen, würde sich gerade an unserem Fasnachtsumzug jemand anstecken», sagt Petra Düsel. Mit der Absage werde letztlich auch ein Beitrag geleistet, dass sich das Virus nicht weiter verbreiten kann.

Denselben Entscheid hat das Organisationskomitee des Kinderumzugs und des Maskenballs in Bergdietikon getroffen. Heute Samstag hätte es «rund gehen sollen», wie erfreut angekündigt wurde. Doch gestern Nachmittag musste der Zusatz angefügt werden: «Wegen des Corona-Virus muss die Kinderfasnacht dieses Jahr leider ausfallen. Wir bitten um Verständnis.»

Das Corona-Virus bremst auch die Fussballer aus: Die Schweizerische Fussballliga und der Schweizerische Fussballverband haben gestern sämtliche Spiele dieses Wochenendes abgesagt. Damit verschiebt sich der Saisonstart der ersten Mannschaft des FC Dietikon: Die angesetzte Partie gegen den FC Balzers wird zu einem späteren Zeitpunkt ausgetragen.

Der FCD hatte sich schon mit Desinfektionsstellen ausgerüstet

Der FCD hatte wegen des Virus bereits zuvor vereinsintern verschiedene präventive Massnahmen erlassen, wie Juniorenobmann Pascal Stüssi auf Anfrage erklärt. So wurden gestern auf der Sportanlage Dornau an den Eingängen und weiteren neuralgischen Stellen Desinfektionsstellen installiert.
Im Weiteren wird auf den traditionellen Handshake verzichtet, und die FCD-Mitglieder sind gehalten, nur die eigenen Trinkflaschen zu verwenden. Zudem trainieren die Jüngsten, die D- bis G-Junioren, vorderhand in der Halle und nicht im Freien. «Auf der Dornau gibt es weniger und vor allem auch kleinere sanitäre Anlagen», begründet Stüssi diesen Schritt. In den Turnhallen liessen sich damit unter anderem die neuen hygienischen Vorschriften – alle Junioren müssen vor und nach dem Training unter Aufsicht die Hände waschen – einfacher umsetzen. Auf einem Merkblatt, das an alle Trainer, Aktiven und Junioren ging, sind weitere Verhaltensregeln und Informationen aufgeführt. «Wir wollen nicht in Aufregung verfallen und Panik verbreiten», sagt Stüssi. «Wir nehmen aber die Lage ernst und reagieren entsprechend.»

Keinen Einfluss hat das vorerst für 14 Tage geltende Verbot für Grossveranstaltungen auf das Programm in der Dietiker Stadthalle, die Platz für mehr als 1000 Besucher bietet. Es seien in dieser Zeit nur Veranstaltungen geplant, bei denen die 1000er-Grenze nicht überschritten werde, sagt Jürg Meier, Präsident der Stadthallen-Genossenschaft. Dies schliesse aber die Möglichkeit nicht aus, dass ein Veranstalter seinen Anlass aus eigenem Antrieb noch absage. Dies sei letztlich der Entscheid des Veranstalters, sagt auch Sicherheitsvorstand Heinz Illi (EVP). Die rechtliche Ausgangslage sei klar; Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern seien verboten, bis 999 Teilnehmer blieben sie derzeit im Kanton grundsätzlich erlaubt. «Wir haben die Personen, die bei uns einen Anlass durchführen, auf diese Ausgangslage aufmerksam gemacht.»

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