Schlieren
Virtamed ermöglicht Operieren in der virtuellen Realität

An den Simulatoren der Virtamed haben schon mehrere 1000 Ärzte Eingriffe geübt. Das 2007 gegründete Unternehmen stellt Virtual-Reality-Simulatoren her, mit denen angehende Chirurgen mit originalen Instrumenten Operationen trainieren können.

Sandro Zimmerli
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Virtamed in Schlieren, die Gewinner eines Swiss Economic Awards
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Asta Breitenmoser übt an einem Knie einen Eingriff und kann auf dem Bildschirm die Operation in einem virtuellen Gelenk verfolgen
Rund 150 Simulatoren hat Virtamed beslang weltweit verkauft

Virtamed in Schlieren, die Gewinner eines Swiss Economic Awards

Limmattaler Zeitung

Wer sich schon einmal einer Arthroskopie seines Knies unterziehen musste, der weiss, dass dabei ein feines optisches Instrument, das Arthroskop, ins Gelenk eingeführt wird. Dieses liefert dem Chirurgen Bilder, damit er den Eingriff auf einem Bildschirm verfolgen kann. Es ist gut möglich, dass der betreffende Arzt seine Fähigkeiten an einem Simulator der Schlieremer Firma Virtamed trainiert hat.

Das 2007 gegründete Unternehmen stellt Virtual-Reality-Simulatoren her, mit denen angehende Chirurgen mit originalen Instrumenten Operationen trainieren können. Bis heute hat sie weltweit rund 150 dieser Geräte verkauft. Vergangenen Freitag wurde die Firma an den Swiss Economic Awards in Interlaken mit dem ersten Preis in der Sparte Hightech/Biotech ausgezeichnet.

Patientensicherheit wird erhöht

Für den Gründer und CEO von Virtamed, Stefan Tuchschmid, eine grosse Ehre: «Der Preis ist eine schöne Auszeichnung für unsere Arbeit», sagt Tuchschmid. Er messe den Erfolg seiner Firma jedoch an anderen Faktoren. Dank den bislang verkauften Simulatoren hätten schon mehrere 1000 Ärzte ausgebildet werden können. «Dadurch leisten wir einen Beitrag zur Erhöhung der Patientensicherheit in Spitälern und Kliniken», so Tuchschmid.

Zu den Kunden von Virtamed gehören denn auch grosse Ausbildungsspitäler und Trainingszentren sowie Medizinaltechnikhersteller. Letztere testen an den Simulatoren ihre Instrumente, schulen Ärzte und nutzen die Geräte an Kongressen, um ihre Produkte vorzuführen. In den Spitälern können sich Chirurgen die Fertigkeiten für verschiedenste minimalinvasive Eingriffe aneignen. «Unser Ziel ist es, dass das Training möglichst realitätsnah und mit den Originalinstrumenten stattfindet, die auch im Operationssaal zum Einsatz kommen», sagt Tuchschmid.

Der Chirurg erhält viele Daten

Bei der Ausbildung von Piloten setze man schon lange Simulatoren ein. Auch bei der Schulung von Ärzten gebe es bereits seit einiger Zeit solche Geräte. «Die Idee ist als nicht bahnbrechend neu. Allerdings waren die bisherigen Simulatoren nicht sehr realitätsnah», so Tuchschmid. Deshalb seien vor allem die Softwareentwickler gefordert. Inzwischen vertreibe Virtamed Simulatoren mit dem weltweit höchsten Realitätsgrad.

Am Simulator kann ein Chirurg beispielsweise an einem künstlichen Knie einen Eingriff üben und gleichzeitig auf dem Bildschirm die Operation in einem virtuellen Gelenk verfolgen. «Der Vorteil des Simulators ist es, dass man den Eingriff Hunderte Male üben und verschiedene Komplikationen programmieren kann», sagt Asta Breitenmoser, Marketing Director bei Virtamed. Nach dem absolvierten Test seien auf dem Computer verschiedene Daten abrufbar. «Der Chirurg erfährt, wie lange er für den Eingriff brauchte, welche Bewegungen er machte, die dem Patienten Schmerzen zufügen könnten, und wo genau er sich im betreffenden Gelenk bewegte», so Breitenmoser.

Erfahrene Chirurgen helfen

Damit die Simulation möglichst realitätsgetreu ist, setzt Virtamed auf die Hilfe von erfahrenen Spezialisten, besonders aus der Uniklinik Balgrist Zürich. «Wir sind keine Ärzte, sondern Ingenieure. Deshalb ziehen wir bei der Entwicklung der Simulatoren Chirurgen bei, die solche Eingriffe schon Hunderte Male gemacht haben», sagt Tuchschmid, der selber ein Ingenieurstudium an der ETH absolvierte.

Dort gründete er Virtamed auch. «Unsere Firma ist ein klassisches ETH-Start-up-Unternehmen», so Tuchschmid. Finanzielle Unterstützung erhielt er vor sechs Jahren von der Zürcher Kantonalbank und privaten Investoren aus dem StartAngels Network.