Viola Tami, Sie moderieren «The Voice of Switzerland». Am Samstag ist Finale. Ist ihre Favoritin noch dabei?

Viola Tami: Es sind so viele grosse Talente dabei, dass ich nicht einen Favoriten oder eine Favoritin bestimmen kann. Aber ich freue mich natürlich über das Frauenfinale.

Heisst das, dass Frauen besser singen können?

Das liegt wohl in der Natur. Vielleicht haben Frauen einfach mehr Talent? (lacht) Nein, im Ernst: Ich weiss nicht, woran das liegt. Aber es ist schon lustig, dass erst bei «Musicstar» und jetzt bei «The Voice» immer Frauen gewinnen.

Sie moderieren im Backstagebereich. Bekommt man da einen engeren Bezug zu den Kandidaten?



Ich sehe die Talents meistens schon ein paar Tage vor der Liveshow für die Onlineinterviews. Im Backstage trifft man sich auch immer wieder abseits der Kameras. Da lernte man sich die letzten Wochen schon etwas besser kennen.

Gab es jemanden, dessen oder deren Abschied Sie besonders getroffen hat?

Je kleiner der Kreis wird, desto schwieriger wird es. Sehr schade fand ich, dass Renato gegen Sarah im Battle antreten musste. Seine Stimme hat mir extrem gut gefallen. Aber auch Sarah ist eine Wahnsinns-Sängerin. In jenem Moment war ich traurig, dass nicht beide weiterkommen konnten.

Wenn Sie gezwungen wären, eine Stimme abzugeben, an wen würde sie gehen?

Ich kann mich wirklich nicht entscheiden. Sarah ist technisch wahnsinnig stark, Angie tönt wie die neue Céline Dion, Nicole bläst mit ihrer Stimme auch mich um, und mit Iris fiebere ich schon rein aufgrund meiner Tessiner Wurzeln mit. Zum Glück müssen andere diese Entscheidung fällen.

Castingshow-Gewinner verschwinden nach Sendeschluss oft von der Bildfläche. Wie schätzen Sie die Chancen der Siegerin ein, sich auch auf dem Markt zu behaupten?


Ich glaube, das hat gar nichts mit der Castingshow als solches zu tun. Man hört auch von vielen anderen Künstlern nach einer CD nichts mehr. Nur merkt man es bei denen nicht.

Sie sind auch Social-Media-Moderatorin, ein SRF-First. In Deutschland werden solche Moderatorinnen bereits wenig schmeichelhaft «Twitter-Tussis» genannt. Was halten Sie von der neuen Moderationsart?

Twitter-Tussi? Nett! (lacht) Ich fühle mich da jedoch nicht angesprochen. Mein Job bei «The Voice» beinhaltet wesentlich mehr als das. Und die Zahlen zeigen, dass das Format einem Bedürfnis der Zuschauer entspricht. Die Leute machen auf Facebook und Twitter rege mit, unser Youtube-Kanal zählt mittlerweile über 1,5 Millionen Klicks. Es war auch für mich spannend, mein Wissen zu vertiefen.

Ein Digital Native sind mit 31 Jahren ja nicht gerade.

Nein, ich musste auch ein paar Dinge dazulernen. Aber ich würde mich allgemein nicht als auf den Kopf gefallen bezeichnen. Ich weiss mir zu helfen, ob das nun das Auffüllen des Scheibenputzerwassers bei meinem Auto oder neue Herausforderungen im Beruf betrifft. Es ist doch schön, wenn man bei einem Job Einblick in etwas Neues bekommt.

Sie haben sich im zarten Alter von 18 Jahren selbst schon als Sängerin versucht. Hätte es damals ein Format wie «The Voice» bereits gegeben, hätten Sie mitgemacht?

Ich glaube schon, dass ich das in diesem Alter gemacht hätte. Heute, so ganz ohne Neulingsbonus, wäre mir der Erwartungsdruck zu gross. Ich hätte die Nerven nicht mehr. Früher habe ich mir weniger Sorgen gemacht, zu scheitern. Doch da gab es all diese Sendungen noch nicht.

Dann singen Sie heute nur noch unter der Dusche?

Ich singe nach wie vor gerne. In absehbarer Zeit ist aber keine CD von mir zu erwarten. Doch wer weiss, vielleicht werde ich ja bei der 13. Staffel von «The Voice» mitmachen? (lacht)

Dann wird es neue Staffeln geben?

Das wissen wir noch nicht.

Mit der Sendung ist ihre Bekanntheit noch weiter gestiegen. Werden Sie an ihrem Wohnort Oetwil in Ruhe gelassen?

Hier kennt man sich einfach. Dass ich beim Fernsehen arbeite, sorgt hier nicht für grosse Aufregung. Und wenn ich an der Volg-Kasse ein Kompliment für meine Frisur vom letzten Samstag bekomme, stört mich das nicht.

Wie gefällt Ihnen das Leben im Limmattal?

Mir gefällt es in Oetwil sehr gut. Es ist etwas abgelegen und trotzdem ist man schnell Zürich - das ist mir wichtig. Doch generell bin ich nicht an Orte gebunden, sondern an Menschen.

Sie und Ihr Mann Roman Kilchsperger sind beide berufstätig. Wie vereinbaren Sie Beruf und Familie?

Wer gerade zuhause ist, passt auf die Kinder auf. Mal hat Roman ein Projekt, mal ich. Dann schaut jeweils der andere. Es ist wie bei anderen Familien ein organisatorischer Aufwand, aber es klappt.

Wer ist mehr zuhause?

Unter dem Strich wohl schon ich. Aber ich zähle da keinen Stunden. Ich geniesse die Zeit zu Hause genauso, wie ich dies bei der Arbeit tue. Ich hatte auch das Glück, dass ich bei beiden Kindern eine Pause einlegen konnte, weil meine Arbeit projektbezogen ist. Alle läuft perfekt. Ich kann mich diesbezüglich wirklich nicht beklagen.

Stört es Sie manchmal, in der Öffentlichkeit als «Frau von Roman Kilchsperger» wahrgenommen zu werden?

Nein, wieso denn? Ich bin ja die Frau von Roman Kilchsperger. Ist doch schön. Meine Familie ist ein wichtiger Teil meines Lebens, das möchte ich auch nicht verstecken. Aber ich versuche, Fragen nach meiner Beziehung auf ein Minimum zu beschränken.

«The Voice» endet am Samstag. Wie geht es für Viola Tami weiter?

Zuerst geht es mit der ganzen Familie und Freunden in die Ferien. Danach werde ich wieder bei Energy Zürich hinter dem Mikrofon stehen. Und im Oktober beginnen die Proben für die «Kleine Niederdorfoper». Was noch dazukommt oder wegfällt, weiss man nie so genau. Mit einem Beruf wie meinem lernt man, damit zu leben, nicht zu wissen, was man die nächsten Monate macht. Doch das ist auch gut so, so wird es nie langweilig.