Dietikon
Villa-Abbruch: Der Bauherr sieht sich im Recht

Der Anwalt der Firma CRS beantragt bei der Stadt die sofortige Aufhebung des Baustopps auf dem Villengrundstück an der Römerstrasse.

Gabriele Heigl
Drucken
Teilen
Nur eine kleine Ecke der Villa Simon an der Römerstrasse hat dem Abbruch am letzten Freitag standgehalten.

Nur eine kleine Ecke der Villa Simon an der Römerstrasse hat dem Abbruch am letzten Freitag standgehalten.

GAH

Die Besitzerin des Grundstücks an der Römerstrasse 2 und 3, die vonseiten der Stadt Dietikon des unrechtmässigen Abbruchs einer Villa beschuldigt und aller Voraussicht nach auch verzeigt wird, hat am Montag einen Rechtsvertreter eingeschaltet. In seiner Einlassung zu Handen der Hochbauvorsteherin Esther Tonini erläutert Anwalt Konrad Willi, warum der Abbruch des Gebäudes nach seiner Einschätzung gegen kein Gesetz verstossen hat.

Des Weiteren ersuchte er darum, den Baustopp, den Tonini erwirkt hatte, aufzuheben; dies auch weil durch die nicht abgeschlossenen Abbrucharbeiten eine Verunreinigung des Grundwassers zu befürchten sei.

Wie bereits berichtet, birgt der Abriss der im Jahr 1929 erbauten Villa Simon in der Römerstrasse 2/Ecke Badenerstrasse am vergangenen Freitag Brisanz. Die Bauherrschaft, die Schwyzer CRS Management AG, sowie Architekt und Planer Lucas Neff waren spätestens seit September darüber informiert, dass die Stadt die Absicht hatte, die Villa eventuell auf die Inventarliste schutzwürdiger Gebäude zu nehmen.

Es gab Grundstücksbegehungen und -begutachtungen sowie Besprechungen mit dem Bauträger und dem Architekten, in denen es um die Villa und deren ungeklärten Status ging. Per Einschreiben teilte die Stadt dann CRS und Neff am 6. Oktober mit, dass der Abbruch nicht ohne vorherige Prüfung der Schutzwürdigkeit erfolgen dürfe und setzte eine Frist bis zum 31. Oktober, um mitzuteilen, ob der Abbruchsantrag zurückgezogen werde oder die Prüfung erfolgen solle. Auf Bitte der Bauherrschaft wurde diese Frist um zehn Tage verlängert.

Die CRS Management AG ist die Eigentümerin der gesamten Parzelle an der Römerstrasse 2 (das Villengrundstück) und 3. Ausser der Villa befinden sich noch Stallungen auf dem Gelände. Deren Abriss ist unstrittig, ebenso wie die Bebauung dieses Teils des Grundstücks mit zwei sechs- bis achtstöckigen Mehrfamilienhäusern. Anstelle der alten Villa möchte die CRS ein drittes Mehrfamilienhaus errichten. Unmittelbar beim Grundstück wird einmal eine Station der Limmattalbahn liegen.

Baustopp kommt zu spät

Ohne vorherige Rückmeldung an die Stadt rückte einen Tag nach Ablauf der Frist am 11. November um 8.30 Uhr der Abrissbagger der Weininger Abbruchfirma Richi an. Innerhalb von zweieinhalb Stunden war das Gebäude nur mehr ein Haufen Schutt und Steine – und das, obwohl die Stadt noch einen Tag vorher gegen den Abriss vorbereitende Arbeiten in der Villa interveniert hatte. Noch am Freitagmorgen sollte ein Baustopp verfügt werden, da gab es das Gebäude allerdings schon nicht mehr.

Der Baustopp, der weitere Abbrucharbeiten verhindern soll, erfolgte dann am Montag. Die Stadt hat angekündigt, ausser die CRS und Architekt Neff auch die Richi AG zu verzeigen. Derzeit laufen die juristischen Abklärungen.

Anwalt sieht städtisches Versäumnis

Der Anwalt des Bauträgers erläutert in seinem Schreiben, dass der Abbruch von Gebäuden ausserhalb von Kernzonen keiner Baubewilligung bedürfe. Es genüge, dass der Abriss der Behörde angezeigt werde. «Der Abbruch als solcher kann von der Behörde nicht verweigert werden», so Baurechtsanwalt Willi.

Er sieht dagegen ein Versäumnis der Stadt. Die Überarbeitung des Inventars der schutzwürdigen Bauten stelle keine planungsrechtliche Festlegung dar. «Hätte der Stadtrat einen Abbruch des Gebäudes verhindern wollen, dann hätte er vielmehr vorsorgliche Schutzmassnahmen anordnen müssen.» Aus rechtlicher Sicht sei gegen eine Fortführung der Arbeiten nichts einzuwenden, «zumal das Gebäude bereits vollständig abgebrochen wurde. Sein Fazit: «Mit der Beseitigung des Gebäudes ist eine nachträgliche Inventarisierung oder gar eine Unterschutzstellung ausgeschlossen.»

Mit Lucas Neff ist von dem Vorgang auch ein Stadtpolitiker betroffen, der seit 2007 für die Grünen im Dietiker Gemeinderat sitzt. Zum Abriss der Villa äusserte er sich am Montag mit Hinweis auf das laufende Verfahren nur knapp. Er verwies wie Anwalt Willi auf die Rechtmässigkeit eines Abbruchs ausserhalb der Kernzone.

Im Übrigen meinte er, dass mit dem Abriss keine automatische Wertsteigerung des Grundstücks einhergehe. Die Stadt möchte sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht mehr äussern.