Ist es im Winter zu kalt zum Joggen? Schädigt zu viel Sport nicht die Gelenke? Und was kann man eigentlich gegen einen Krampf unternehmen? Die Fragen, die die Schlieremer an Weltstar Viktor Röthlin richteten, waren ganz praktischer Natur. Sie erhofften sich von ihm nützliche Tipps für ihr eigenes Training.

Natürlich zog auch der Name des Schweizer Spitzenläufers, der seine Karriere im Jahr 2010 mit dem Europameister-Titel im Marathon krönte, viel interessiertes Publikum ins «Lilie-Zentrum». Dort hielt Röthlin, der auch als Physiotherapeut arbeitet, am Mittwochabend einen Vortrag über Sport und darüber, wie er sich mit einem gesunden Leben vereinen lässt.

84 Prozent arbeiten sitzend

Nun könnte man meinen, dass ein Spitzensportler nur schwer mit durchschnittlichen Hobbysportlern vergleichbar ist. Röthlin ist da anderer Meinung: «Ich renne, weil es das Normalste der Welt ist», sagt er mit Verweis darauf, dass es für die Mehrheit früher nicht üblich war, täglich acht Stunden vor einem Bildschirm zu verbringen. Anfang des 20. Jahrhunderts führten in der Schweiz nur 4 Prozent der Bevölkerung ihre Arbeit sitzend aus. Heute sind es 84 Prozent. Deshalb ungesund zu leben sei aber nicht nötig, findet er.

Röthlin setzt gleich vor Ort an und lässt seine Zuhörerschaft ein wenig herumhüpfen. In seinem Referat zeigt er aber vor allem die wichtigsten Eckpunkte eines erfolgreichen Trainings auf. «Häufigkeit vor Dauer vor Intensität» lautet dazu sein wichtigster Slogan. Auch für die Mehrheit der Leute, die zu wenig Zeit für lange Trainings haben, hat Röthlin einen Rat: So sollen auch Küssen oder Staubsaugen viele Kalorien verbrennen. «Es geht darum, sich generell mehr zu bewegen», betont Röthlin. Der bequemste Weg sei also nicht immer auch der beste.

«Dass man mehr Sport machen sollte, ist ja mehrheitlich bekannt», findet ein Fan des Läufers, der für den Vortrag aus Einsiedeln angereist ist. Auch er habe wegen der Arbeit viel weniger Zeit für Sport als früher. «Ich wollte Röthlin aber vor allem einmal live erleben. Es interessiert mich sehr, was er als Spitzensportler zu erzählen hat.» Auch der Trainingsplan eines Herrn aus Dietikon stimmt noch nicht ganz: «Ich trainiere drei Mal die Woche, aber zu kurz und zu intensiv.» Er nimmt von dem Abend aber etwas mit: «Dauer vor Intensität», erinnert er sich.

Eine Hobby-Marathonläuferin aus Schlieren ist da schon näher an Röthlins Ideal-Training. «Ich lebe und trainiere eigentlich genau so, wie Herr Röthlin das im Referat vorgeschlagen hat», erklärt sie und kann den Trainingsplan mit drei Einheiten Joggen die Woche nur weiterempfehlen. «Es ist tatsächlich so, wie er sagt: Wenn ich mich öfters bewege, fühle ich mich einfach besser.»

Zu kalt zum Joggen ist es nie

Zum Schluss hatte Röthlin auch eine Antwort für die konkreten Probleme aus dem Plenum bereit: Zu kalt zum Joggen sei es in der Schweiz nie, bei Minusgraden empfiehlt es sich aber, durch die Nase zu atmen. Gelenke würden gerade auch durch zu wenig Bewegung abgenützt und beschädigt, etwa wenn sich Knorpel bilden. Und bei einem Krampf habe man sich entweder überlastet oder zu wenig Wasser getrunken. Jetzt bleibt nur noch, das Gelernte auch umzusetzen.