Limmattal
Vier Limmattaler Hausärzte bereiten das Praxis-Modell der Zukunft vor

Viele junge Hausärzte wünschen sich neue Arbeitsformen, viele ältere finden keine Nachfolger: Das Modell Einzelpraxis wird so zur Sackgasse. Vier Limmattaler Ärzte wissen einen Ausweg.

Bettina Hamilton-Irvine
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Der Urdorfer Hausarzt Christopher Meerwein lanciert mit drei weiteren Ärzten ein neues Projekt, dass die Situation der Grundversorger in der Region entscheidend verändern soll.

Der Urdorfer Hausarzt Christopher Meerwein lanciert mit drei weiteren Ärzten ein neues Projekt, dass die Situation der Grundversorger in der Region entscheidend verändern soll.

Eine Gruppe von Limmattaler Hausärzten schliesst sich in einem hier bisher einzigartigen Projekt zusammen. Das Ziel: Sie wollen in der Region ein Netzwerk von Gruppenpraxen lancieren. Damit soll einerseits sichergestellt werden, dass der Limmattaler Bevölkerung in Zukunft genügend Hausärzte zur Verfügung stehen. Andererseits werden so moderne Arbeitsplätze geschaffen für die nächste Ärztegeneration.

Die Zeit drängt

Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass sich die vier Ärzte im Frühling zusammengesetzt haben, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. So gibt es im Limmattal heute schon zu wenig Hausärzte, Tendenz sinkend, wie Christopher Meerwein sagt. Der Urdorfer Hausarzt ist Leiter der Projektgruppe. Gleichzeitig boomt das Limmattal: Es werden neue Quartiere gebaut und Neuzuzüger angezogen. Die Patientenzahl steigt aber auch aufgrund der demografischen Alterung. Beides zusammen kann längerfristig die hausärztliche Grundversorgung in Gefahr bringen.

Zudem verändert sich der Markt. Auch neue Konkurrenten haben erkannt, dass das Limmattal interessant ist. So ist beispielsweise das Kantonsspital Baden in Dietikon in die ambulante ärztliche Versorgung eingestiegen, indem es Ende März im Limmatfeld eine Frauenarztpraxis eröffnet hat. Für Meerwein gilt es daher, keine Zeit zu verlieren: «Wir müssen jetzt handeln.» Man wolle sicherstellen, dass die hausärztliche Grundversorgung auch in den Händen der Hausärzte bleibe.

Dazu kommt eine Tendenz, die in der ganzen Schweiz erkennbar ist: Die Einzelarztpraxis wird zum Auslaufmodell. «Viele junge Hausärzte wollen nicht mehr alleine arbeiten», sagt Meerwein. Denn als «Einzelkämpfer» werde es zunehmend schwieriger, die heute nötigen Standards zu erreichen. Zudem wünsche sich die nächste Ärztegeneration andere Arbeitsformen: Es werde heute mehr Wert gelegt auf den Erfahrungsaustausch mit Fachkollegen, auf bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben sowie ein kleineres finanzielles Risiko als Unternehmer. Gleichzeitig gibt es immer mehr erfahrene Hausärzte, die keine Nachfolger finden.

«Das Modell der Zukunft»

Das alles spricht für das Netzwerk von Gruppenpraxen, das Meerwein gemeinsam mit dem Urdorfer Hausarzt Florian Schmitt, dem Dietiker Arzt René Schmid und dem Birmensdorfer Arzt Hannes Brugger ins Leben rufen will. «Wir sind überzeugt, dass dies das Modell der Zukunft sein wird», so Meerwein.

Den vier Limmattaler Ärzten wurde aber auch bald einmal klar, dass sie einen Partner brauchen, der sowohl ärztliches Personal als auch das Know-how für die Entwicklung eines solchen Projekts bieten kann. Dafür bot sich das Spital Limmattal an – aufgrund der Nähe und der Ressourcen, aber auch, weil bereits heute eine enge Zusammenarbeit zwischen dem «Limmi» und den Hausärzten der Region besteht. Dies zum Beispiel in der gemeinsam geführten Hausarztpraxis im Spital, im Managed-Care-Versicherungsmodell LimmiMed oder im Ärztenetzwerk Zürich West. Ein grosser Vorteil ist zudem, dass das «Limmi» Weiterbildungsmöglichkeiten im Spitalumfeld anbieten, die Praxen vor Ort mit spezialärztlichem Wissen unterstützen und Assistenzärzte für Rotationsstellen bereitstellen kann. Das Spital ist prinzipiell interessiert an diesem Modell und hat sich der Projektgruppe angeschlossen.

Geplant ist nun, eine Aktiengesellschaft zu gründen, welche die gesamte Infrastruktur der Gruppenpraxen besitzt und für alle Dienstleistungen in den Bereichen Personalmanagement, Einkauf, Logistik und Administration erbringt (siehe Grafik). Jede Praxis wird ärztlich jedoch selbstständig geführt.

Umsetzung ab 2015

Zu Beginn sind vier Standorte vorgesehen: eine bereits bestehende Gemeinschaftspraxis in Urdorf, der auch Meerwein angehört, zwei in Dietikon (Limmatfeld und Trioareal), wovon eine zur Walk-in-Praxis wird, und eine in Birmensdorf. Gerade dort, so Meerwein, müsse man unbedingt handeln: «Es hat zu wenig Hausärzte.» In Dietikon hingegen sei die Altersverteilung ungünstig: Wenn einige Hausärzte keine Nachfolger fänden, sei man bald an einem ähnlichen Punkt. Wenn das Modell funktioniert, sollen später weitere Gruppenpraxen dazukommen – zum Beispiel in Schlieren und rechts der Limmat.

Dass das Spital Limmattal mitmachen wird, ist noch nicht definitiv beschlossen - obwohl sich Spitalpräsident Markus Bärtschiger sehr angetan zeigt vom Projekt, das er als «hochspannend» bezeichnet. Entscheiden wird der Verwaltungsrat Anfang 2015. Danach will die Projektgruppe in raschem Ablauf die Praxen planen und die beiden in Dietikon bereits Anfang 2016 öffnen, diejenige in Birmensdorf etwas später.

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