Abstimmung
Vier Kantonsräte diskutierten über die kommende Abstimmung

In einer eher zurückhaltend geführten Debatte verdeutlichten je zwei Kantonsräte aus SP und SVP am Montagabend in Dietikon ihre Positionen zur Einführung der Grundstufe. Die SVP fürchtet die Kosten , die SP erhofft sich einen verbesserten Unterricht.

Pablo Rohner
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Kantonsräte diskutierten über Chancen und Gefahren der kommenden Abstimmung
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Rolf Steiner (SP) «Ich vertraue den Schulpflegen der Gemeinden. Sie werden keine widersinnigen Modelle anstreben.»
Claudio Zanetti (SVP) «Das Volk soll nicht nur bezahlen, auch sein Wille zur Mundart im Kindergarten wird missachtet.»
Rochus Burtscher (SVP) «Unsere Kindergärtnerinnen haben bereits die Fähigkeiten, um die Kinder an die Schule heranzuführen.»
Karin Maeder-Zuberbühler (SP) «Die Grundstufe kommt dem unterschiedlichen Entwicklungstempo der Kinder entgegen.»

Kantonsräte diskutierten über Chancen und Gefahren der kommenden Abstimmung

Limmattaler Zeitung

Abstimmung Am 25. november

Bei Annahme der Initiative wird die Grundstufe kantonsweit eingeführt. Der Gegenvorschlag lässt den Gemeinden die Wahl zwischen dem Status quo und dem neuen Modell. Grundstufenklassen werden nach dem Entwicklungsstand statt nach dem Alter der Kinder gebildet. Ziel ist ein fliessender Übergang in die Schule. Da im «Teamteaching» zwei Lehrpersonen eine Lektion gestalten, fallen Mehrkosten an. Die SP empfiehlt die Annahme von Initiative und Gegenvorschlag, die SVP deren Ablehnung.

Positive Testergebnisse

Zuerst debattierten die Kantonsräte über den Nutzen der Grundstufe. Gerade für Kinder mit einem kleineren Bildungsrucksack sei die Grundstufe eine grosse Chance, eröffnete Steiner und erhielt sogleich Unterstützung von Fraktionskollegin Maeder: «Nur mit diesem Modell wird den teilweise gravierenden Unterschieden im Entwicklungsstand der Kinder Rechnung getragen.»

Indem sie den Kindergärten eine positive Entwicklung attestierten, versuchten die SVP-Kantonsräte dieser Argumentation den Boden zu entziehen. Burtscher hob die Qualität des Personals hervor: «Unsere Kindergärtnerinnen sind der Aufgabe gewachsen.» Mit einem bizarren Vergleich doppelte Zanetti nach: «Das ist eine klassische Führungsaufgabe. In der Armee kommen Offiziere auch mit unterschiedlich begabten Soldaten klar.» Maeder, selbst Kindergärtnerin, betonte die positiven Rückmeldungen aus den 27 Gemeinden, die die Grundstufe bisher testeten.

Die Hauptsorge sind die Kosten

Hauptsorge der Gegner der Vorlage bleiben die 62 Millionen Franken, die die flächendeckende Einführung der Grundstufe kosten würde. Zanetti präsentierte sich als Wächter der Steuergelder, als er sagte: «Als Volksvertreter schulde ich dem Steuerzahler die günstigere Variante.» Maeder bestritt den Mehraufwand durch höhere Lohnkosten nicht, betonte aber, die Aufwertung des Unterrichts würde die Ausgaben rechtfertigten.

Im letzten Abschnitt der Debatte äusserten die beiden SVP-Exponenten Sorgen um die direktdemokratischen Prinzipien der Schweiz. Selbst wenn die Gemeinden wählen könnten, wie im Gegenvorschlag vorgesehen, würden letztlich die Schulpflegen über die Einführung entscheiden, sagte Burtscher. Diese seien vom Stimmvolk mit einem Exekutivauftrag betraut, entgegnete Steiner und plädierte für Vertrauen in die Schulpflegen.

Ein Votant aus dem Publikum redete schliesslich Zanetti das Wort, als er nach der Erfüllung der Mundartpflicht im Kindergarten fragte. Da in der Grundstufe Kindergarten und die erste Primarklasse verschmelzen, würde im Unterricht sowohl Mundart als auch Hochdeutsch gesprochen, erklärte Esther Graf abschliessend.