Das Vereinslokal im Pontonierhaus Dietikon ist gut gefüllt. Die Stimmung unter den Vereinsmitgliedern ist bestens. Kein Wunder: Gleich drei Pontonierpaare, die mit den Dietikern trainieren, haben in diesem Jahr in ihrer Kategorie den Schweizer-Meister-Titel geholt. «Das ist schon ziemlich aussergewöhnlich», sagt Medienchef Ivo Isenring. «Das ist der grösste Triumph seit 1997, als wir beim eidgenössischen Pontonierwettfahren zwei Titel geholt haben – damals aber ohne Frauen.» Im Gegensatz zu diesem Jahr, in dem auch ein weibliches Pontonierpaar gewonnen hat.

Allerdings: Der Titel der Damen gehört genau genommen nicht dem Pontonierverein Dietikon. Denn Jeannette Liniger und Tamara Kamm, die bei den Frauen triumphiert haben, sind Mitglieder der Pontoniere Aarwangen. Sie haben jedoch das ganze Jahr über mit den Dietikern mittrainiert. «Wir wohnen und arbeiten in der Region», sagt Liniger. «Deshalb haben wir einen Verein gesucht, der in der Nähe ist, denn der Weg zum Training nach Aarwangen wäre für uns zu weit gewesen.»

Dass Liniger und Kamm ihr Training nach Dietikon verlegten, hat aber nicht nur praktische Gründe. «Die Schweizer Meisterschaft fand ja in diesem Jahr in Schmerikon an der Linth statt», erläutert Kamm. «Und die Linth ist der Limmat ziemlich ähnlich: schmal und mit einer starken Strömung.»

Da der Pontonierverein Dietikon über keine eigene Damensektion verfügt, haben Liniger und Kamm während des Jahres sprichwörtlich allein unter Männern trainiert, unter anderem mit Marcel Kohler aus Birmensdorf und Roland Keller aus Rudolfstetten. Diese beiden haben ihrerseits den Titel in der Elitekategorie C geholt. Ein Triumph, der eher überraschend war. «Wir hatten eine Durststrecke hinter uns, nachdem wir 2009 in Aarwangen das Eidgenössische in der Kategorie C gewonnen hatten», sagt Keller. Danach habe man nicht mehr an diesen Erfolg anknüpfen können. «Der Druck steigt halt, wenn du mal gewonnen hast», sagt Kohler.

Und Keller weist darauf hin, dass man im letzten Jahr am Eidgenössischen grosses Wetterpech gehabt habe. Das war in diesem Jahr bei der Schweizer Meisterschaft anders. Und es gab noch einen anderen Grund für den unerwarteten Erfolg. «Wir haben uns gewissenhaft für die Linth vorbereitet», sagt Keller. Umso glücklicher sind die beiden nun über ihren Erfolg. «Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn während der Siegerehrung die Nationalhymne gespielt wird», sagt Kohler.

«Die Jungen verstehen es nicht»

Ein Gefühl, das auch Nuri Schmed und Nicola Keller kennen. Die beiden 16-Jährigen sind das dritte Schweizermeisterpaar im Bunde der Dietiker. Sie haben die Meisterschaft bei den Jungpontonieren im Alter zwischen 16 und 18 Jahren auf der Aare gewonnen, und zwar im Weidling. Für sie war der Erfolg nicht so überraschend. «Wir gehörten zu den Favoriten», sagt Keller.

Für Keller und Schmed ist es der erste Schweizer-Meister-Titel in ihrer Karriere. Entsprechend stolz sind sie darauf, auch wenn in ihrem Umfeld nicht alle verstehen, was ein Pontonier genau ist. «Wir sagen meistens, dass wir rudern», sagt Keller und lacht. «Die Jungen können damit sowieso nichts anfangen», ergänzt Schmed. «Höchstens diejenigen, die im Militär waren.»
Mit dem Wasser harmonieren

Was fasziniert die beiden, die seit drei Jahren zusammen im Weidling sitzen, an einer Sportart, die so exotisch ist? «Das Beste ist die Zusammenarbeit mit dem Partner», findet Schmed. «Vor zwei Jahren hatten wir eine Phase, in der wir ohne Worte perfekt miteinander harmonierten. Das macht es aus.» Und Keller ergänzt: «Man versucht, sich aufs Wasser einzustellen, mit dem Wasser zu harmonieren.»

Nächste Saison dürfte es für Schmed und Keller allerdings schwieriger werden, die Konkurrenz hinter sich zu lassen. Denn dann fahren sie in einer höheren Kategorie. «Wir wissen nicht, wie unsere Konkurrenten fahren», sagt Schmed. «Aber wir sind deswegen sicher nicht nervös.» Und Keller fügt hinzu: «Wir werden einfach noch mehr trainieren müssen.» Weiterhin trainieren wollen auch Liniger und Kamm. Und zwar in Dietikon. Die beiden bleiben dem Pontonierverein erhalten. «Wir sind hier hervorragend aufgenommen worden», sagt Liniger. «Es ist, als wären wir Mitglieder des Vereins.»