Auch Kleinvieh macht Mist, sagt der Volksmund. Dies scheint auch im Zusammenhang mit der Entwicklung der städtischen Finanzen in Schlieren zuzutreffen - im positiven Sinne: Die budgetierte Senkung des Steuerfusses von 119 auf 114 Prozent machten laut Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) nicht nur der Bevölkerungszuwachs und die Erträge aus dem kantonalen Finanzausgleich möglich, sondern vor allem strategische Entscheide sowie eine Effizienzsteigerung in der Verwaltung. Dadurch gelang es der Stadt, ihren Steuerbedarf zu senken.

Kleine Schritte zu mehr Effizienz

Doch was muss man sich unter dieser Effizienzsteigerung vorstellen? «Viele kleine Positionen machten am Ende den grossen Unterschied», erklärt Oliver Küng, der Leiter Finanzen bei der Stadt Schlieren. Als Beispiel für eine solche Optimierungsmassnahme nennt er etwa den Entscheid, nicht mehr allen Mitarbeitenden einen eigenen PC zur Verfügung zu stellen, sondern lediglich virtuelle Benutzeroberflächen einzurichten.

Ein vollständiger Arbeitsplatz mit PC-Hardware und Telefon habe die Stadt bei der Anschaffung jeweils 1500 bis 1600 Franken gekostet, sagt Küng. Eine neue virtuelle Arbeitsoberfläche koste hingegen nur noch 800 bis 900 Franken. Zudem sei der Supportaufwand mit diesem System wesentlich tiefer. «Bei über 200 Arbeitsplätzen rechnet sich diese Umstellung. Dennoch ist sie nur eine von vielen Massnahmen, welche die Stadt in den letzten Jahren umsetzte», so Küng.

Firmenkultur entwickelt

In den letzten Jahren habe die Stadtverwaltung eine Kultur entwickelt, deren Ziel es ist, die Aufwände und Erträge innerhalb des Verwaltungsbetriebs möglichst ausgeglichen zu gestalten. «Wir führen Budgetgespräche mit sämtlichen Abteilungen. Prozesse müssen hinterfragt werden, im Besonderen jene, die bereits lange bestehen», so Küng. Dabei sei es erforderlich, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein betriebswirtschaftliches Denken an den Tag legen.

Den grössten Aufwandsposten in Verwaltungsbetrieben bilden die Personalkosten. Mussten also auch Stellen gestrichen werden, um den Verwaltungsapparat effizienter zu gestalten? «Nein», sagt Küng, «aber wir versuchen immer erst die Effizienz auf einer Abteilung zu steigern, bevor wir eine neue Stelle schaffen. Eine Effizienzsteigerung erreichten wir etwa mit der Einführung des Stadtbüros.» So halte sich in der Verwaltung das Stellenwachstum im Verhältnis zum Bevölkerungswachstum in Grenzen.

Wichtige Voraussetzungen dafür, dass die Stadt die Steuern um fünf Prozentpunkte senken konnte, bilden auch einige strategische Entscheide des Stadtrats, wie Stiefel sagt. Mit dem Verzicht auf den Übergangsausgleich des Kantons habe man etwa das Zepter über den Gemeindehaushalt in der Hand behalten. «Wir wissen so schon zu Beginn einer Budgetperiode, mit wie viel Geld wir auskommen müssen», so Stiefel. Dies sei auch ein Ansporn, die eigenen Ausgaben konsequent zu überprüfen.

So verzichtete die Stadt bei ihren Investitionen auf Luxusprojekte. Man sah etwa davon ab, beim geplanten Schulhaus West ein Lehrschwimmbecken einzuplanen. «Damit wird man eine grosse Summe für den Bau und die hohen wiederkehrenden Unterhaltskosten einsparen», sagt Küng.

Vollkostendeckung als Ziel

Weiter hinterfragte die Stadt nicht nur die Ausgaben, sondern auch ihre Erträge. «Wir orientierten uns hier am Verursacherprinzip und erhöhten wo nötig Gebühren», erklärt Stiefel. Ziel sei es dabei gewesen, möglichst eine Vollkostendeckung zu erreichen. Bei diesem Vorgehen werde man auch künftig bleiben.

Alles in allem sei die Steuerfusssenkung als Folge eines mehrjährigen Prozesses zu sehen, in der die Stadt sehr haushälterisch mit ihren Mitteln umgegangen sei, sagt Stiefel. «Unser Versprechen, dass alle Abläufe und Bereiche in der Verwaltung überprüft werden, haben wir gehalten.» Schlieren erhebe keine Steuern auf Vorrat, sondern nur so viel, wie gemäss Bedarf transparent ausgewiesen werden könne. Die Steuersenkung sei vor allem auch als Zeichen für die zukünftige Positionierung der Stadt Schlieren zu sehen, so Stiefel.