Für Menschen in der Schweiz ist es normal, hin und wieder ein Geschenk zu bekommen – zum Beispiel an Weihnachten. Für Familien in Moldawien, Albanien, Rumänien oder Serbien beispielsweise sei es jedoch oft «etwas Unglaubliches», sagt Michael Stauffer von der Christlichen Ostmission. Viele von ihnen lebten in Armut und in prekären Situationen. «Ein Päckli zeigt diesen Menschen, dass sie auch einen Wert haben, dass sie nicht vergessen sind.»

Um bedürftigen Familien zur Weihnachtszeit genau dieses Gefühl zu geben, haben Kirchen, Schulen, Vereine und Privatpersonen in der Schweiz im letzten November nicht weniger als 91'102 Weihnachtsgeschenke gesammelt, knapp 2000 mehr als im Vorjahr.

Mit 30 Sattelschleppern brachte die Ostmission die Päckli dann nach Südosteuropa, wie Stauffer am Mittwochabend im reformierten Kirchgemeindehaus Dietikon erzählte.

Der Vater ist oft abwesend

Gesammelt wurden Päckli für Erwachsene und solche für Kinder. In der Schweiz unterliegen die Pakete genauen Packungs-Regeln. In einem Lebensmittelpaket darf zum Beispiel kein Stückchen Fleisch enthalten sein, auch Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sind nicht erlaubt.

Dort, wo die Pakete verteilt werden, unterscheidet sich das Leben stark von Leben in der Schweiz. Zum Beispiel in Moldawien: In vielen Familien sei der Vater abwesend, sagt Stauffer. Entweder versuche er, im Ausland Geld zu verdienen oder habe die Familie verlassen. Manchmal auch beides – wie bei einer alleinerziehenden Mutter von drei Kindern in der Stadt Anenii Noi.

Ihr Mann ist vor Jahren nach Russland gegangen, arbeitete dort und schickte anfangs auch Geld heim. Doch irgendwann hörten die Zahlungen auf, die Familie weiss nicht mehr, wo er genau ist. Das Letzte, was sie von ihm gehört haben, ist, dass er während der Arbeit einen Arm verloren habe und wohl jetzt kein Geld mehr verdienen kann. Die Mutter lebt heute von 100 Franken im Monat. So freute sie sich sehr über eine simple Kerze aus der Schweiz und die Kinder über Schokolade und Stofftiere, wie Stauffer erzählt.

Das erste eigene Etui

Gerade junge Kinder bekommen oft zum ersten Mal in ihrem Leben ein Spielzeug. Ein Mädchen war ganz erstaunt über eine Puppe und fing langsam an, sie anzuziehen und mit ihr zu spielen. Ein anderer Junge freute sich extrem über kleine Spielzeugautos und hielt sie lachend in die Kamera.

Eine 15-Jährige bekam das erste Mal in ihrem Leben ein gefülltes Etui für die Schule. Sie konnte nicht glauben, dass die bunten Stifte nun ihr alleine gehören.

Die Christliche Mission will ihre Aktion in Zukunft ausbauen, aber auch die bereits beschenkten Familien weiterhin beschenken. Kontinuität sei wichtig, sagt Stauffer. Viele der Familien sind trotz ihres orthodoxen Glaubens in christlichen Gemeinden vor Ort integriert – so entsteht überhaupt erst der Kontakt zum Hilfswerk.

Orthodoxe feiern eigentlich am 6. und 7. Januar Weihnachten, aber für die Kinder mache das keinen Unterschied, so Stauffer: «Für sie ist einfach dann Weihnachten, wenn unsere Päckli kommen.»